Corona-Pandemie und Göttliches Offizium

Ein Kommentar von Clemens Victor Oldendorf.
Erstellt von Clemens Victor Oldendorf am 3. April 2020 um 23:22 Uhr

Zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus kommt praktisch weltweit das öffentliche Leben zum Erliegen. Ausgangsbeschränkungen, Versammlungs- und Kontaktverbote kennzeichnen das Szenario. Davon sind auch Gottesdienste betroffen, die nicht mehr öffentlich stattfinden können.

Höchstens noch virtuell erreicht die heilige Messe die Gläubigen, und das mit all den Fragen und Bedenken, die mit dieser Übertragung zusammenhängen oder sich überhaupt erst aus ihr ergeben: Die Messe im Geiste mitfeiern. Impulse zur Freude am Sonntag Laetare und in Quarantäne sowie: Corona-Krise und heilige Messe. Überlegungen zu Feier, Teilnahme und Übertragung.

Nichts ist sosehr zu vermeiden wie eine Klerikalisierung von Laien. Doch in der außergewöhnlichen Situation der Corona-Krise bekommen die zweisprachigen Ausgaben von Diurnale und Nocturnale Romanum, die Pater Martin Ramm FSSP erarbeitet hat, eine überraschende, zusätzliche Bedeutung. Das Diurnale liegt bereits in zweiter Auflage von 2016 vor, das Nocturnale ist im vergangenen Jahr erstmals erschienen. Wer beide Bände besitzt, dem steht die Teilnahme am Stundengebet der Kirche nach der Ordnung von 1962 offen. Mit dieser Offenheit ist zugleich die Zugänglichkeit und dank der Übersetzung die Verständlichkeit gemeint. Wer diese Bücher griffbereit hat, der kann das Brevier beten – auch, wenn er oder sie von der Außenwelt abgeschnitten ist und in keine Kirche oder Kapelle kommen kann. Dieses Gebet kann ein verständiges sein, denn die Laien sind nicht zum Stundengebet verpflichtet. Deshalb müssen sie es nicht in Latein verrichten. Aber sie maßen sich kein Vorrecht der Kleriker und Ordensleute an, wenn sie das Stundengebet beten; sie sind nicht davon ausgeschlossen.

Liturgische Einheit: Stundengebet als beste Möglichkeit zur Vereinigung mit dem heiligen Messopfer

In seiner Einleitung zum Diurnale schreibt Pater Ramm: „Die Liturgie der hl. Messe und das Stundengebet bilden eine starke Einheit, sie stehen zueinander in engster Beziehung, und erst wo beides miteinander gepflegt und praktiziert wird, kann der spirituelle Reichtum des liturgischen Jahres in seiner ganzen Tiefe erfahren werden“ (Ramm, Diurnale, S. vii). Das, was Ramm sagt, gilt nicht nur textlich-liturgisch, indem sich die Gebetszeiten des Tages und der Nacht um die Liturgie der heiligen Messe gruppieren, sie vorbereiten oder weiterklingen lassen, sondern vor allem geistlich, und diese geistliche, eigentliche, Dimension tritt jetzt, wo die meisten keinen tatsächlichen Zugang zur heiligen Messe haben und vom Sakramentenempfang vielfach erst recht abgeschnitten sind, mit ungeahnter Aktualität und Deutlichkeit hervor. In dieser Weise konnte niemand sie vorhersehen, einkalkulieren oder planen.

Sich im Stundengebet um den Opferaltar scharen!

Die Abstimmung der Texte der heiligen Messe und des Göttlichen Offiziums erlaubt es, aus dem liturgischen Leben der Kirche Kraft zu schöpfen. Kraft, die auch dann fließt, wenn man die heilige Messe nicht mitfeiern und die heilige Kommunion nicht empfangen kann. Wenn man so will, eine umfassende, ganzheitliche geistliche Kommunion, eine bewusste Vereinigung mit der betenden Kirche, die der Mystische Leib Christi ist und an dem jede und jeder Gläubige ein Glied ist, nicht nur die Priester, Ordensmänner und –frauen. Unsere Vereinigung mit der heiligen Messe und mit dem eucharistisch gegenwärtigen Herrn beruht auf der Gewissheit, dass die Priester das heilige Messopfer darbringen, auch und gerade, wenn den Gläubigen die persönliche Teilnahme nicht möglich ist.

Keine Überforderung, sondern ausgewogenes Hineinwachsen

Da die Teilnahme am Stundengebet bei den Getauften und Gefirmten freiwillig geschieht, muss niemand alle Horen des Offiziums beten. Es ist besser, man betet Laudes und Vesper andächtig und überfliegt nicht nur die Texte, bloß um alles durchzupeitschen. Lieber lasse man diejenigen Texte, die man liest und betet, bewusst auf sich wirken. Jeder finde das ihm oder ihr selbst gemäße Maß. Mit dem Einüben des Stundengebets kann das Bedürfnis danach sich steigern und jeder nach eigenem Ermessen diese oder jene weitere Hore hinzunehmen, immer in vollkommener Freiheit und Freiwilligkeit.

Angesichts der außergewöhnlichen Karwoche, die bevorsteht, verwundert es durchaus, wieso beispielsweise seitens der Gottesdienstkongregation das Stundengebet nicht ganz offiziell stärker als echte Liturgie der Kirche ins Bewusstsein der Gläubigen, des Klerus und der gottgeweihten Personen gehoben worden ist. Da Ramm auch die Rubriken, die Handlungsanweisungen zum Breviergebet, ins Deutsche übertragen hat, ist den Gläubigen der richtige rituelle Vollzug des Stundengebets übrigens sehr erleichtert.

Bestellmöglichkeit:

Diurnale (enthaltend die Tageshoren)

Nocturnale (enthaltend das Nachtoffizium, die Matutinen)

Foto: Kloster Beuron – Bildquelle: pixabay – photosforyou