Wichtige Erläuterungen zu Ehe, Familie und Sexualmoral – Ein Interview mit Weihbischof Athanasius Schneider, Teil III

Fragen von Dr. Maike Hickson, USA für Lifesitenews.
Erstellt von Mathias von Gersdorff am 11. Juni 2015 um 15:43 Uhr
Hochzeitsbank

In welchem Maße gibt es eine Parallele zwischen der Unterminierung der innerhalb der Kirche in unserer Zeit und derjenigen in der Zeit der Reformation?
Unterminiert man die Unauflöslichkeit der Ehe, dann verliert die Ehe im Laufe der Zeit ihre Heiligkeit und verwandelt sich so in eine Art „weltlich Ding“, wie Martin Luther die Ehe bezeichnet hatte. Die Folge davon ist dann die Erlaubtheit der Scheidung und die weitere Folge davon ist dann die Erlaubtheit der geschlechtlichen Beziehungen außerhalb der Ehe. Das hat die Geschichte vieler aus der protestantischen Reformation hervorgegangenen Konfessionen gezeigt.

Sie haben einmal die heutige Kirchenkrise als die vierte Große Kirchenkrise der Geschichte bezeichnet. Könnten Sie uns das erklären?
Was einem jeden unvoreingenommenen Beobachter der heutigen Krise der Kirche auffallen muss, ist der Zustand einer enormen und gleichsam globalen Verwirrung in Bereich des Dogmas, der Moral und der Liturgie; mit anderen Worten gesagt: es herrscht ein Relativismus in allen diesen Bereichen. Vieles ist dem Uminterpretieren unterworfen, so dass die einzelnen dogmatischen Lehren, sittlichen Grundsätze und Gesetzte der Liturgie bei Gläubigen, vielen Priester und selbst bei Bischöfen ins Schwimmen geraten sind. Unzählige Theologen und selbst einige Bischöfe dürfen oft ungestraft echte Häresien verkünden und an die Gotteslästerung grenzenden Liturgien feiern. Die früheren großen Krisen der Kirche waren irgendwie thematisch umschrieben, z.B. die arianische Krise (Leugnung der Gottheit des Sohnes Gottes), das saeculum obscurum im 9. – 10. Jahrhundert (Konkubinat und Simonie des Klerus und monströse Sittenlosigkeit einiger Päpste), das Avignoner Exil mit dem großen abendländischen Schisma (70-jährige Abwesenheit der Päpste von ihrem römischen Bischofssitz; zwei und drei Päpste gleichzeitig) und als Teil dieser Krise dann das Renaissancepapsttum (völlige Verweltlichung des Lebensstils der Päpste, Übernahme des heidnischen Naturalismus als Öffnung zur damaligen Welt). Die heutige Krise ist eine Krise, die gleichsam alle Bereiche des kirchlichen Lebens umfasst, wobei der schwerwiegendste Aspekt der doktrinelle Relativismus ist, der augenscheinlichste aber die liturgische Anarchie ist.

Auf dem Hintergrund des Schicksals Ihrer eigenen Familie und Ihrem Leben und Leiden unter dem Kommunismus in der Sowjetunion, welche Erfahrungen können sie nun fruchtbar machen für den derzeitigen Kampf in der Kirche um den Glauben?
Die Notwendigkeit der Furchtlosigkeit vor den Feinden des Christentums; die reichen Gnaden, die aus dem Leiden und der Kreuzesnachfolge fließen; die Notwendigkeit der integralen Weitergabe des katholischen Glaubens vor allem in den Familien bei Abwesenheit bzw. beim Mangel der Priester.

Da wir beide Deutsche sind, erlaube ich mir, Ihnen eine besondere Frage zu stellen. In unserer Geschichte sind die Deutschen mit dem Problem des Widerstandsrechtes konfrontiert worden und der Frage der Verantwortung des Einzelnen, selbst wenn er nur einem Übel schweigend zuschaut. Was sollten wir davon auf unsere innerkirchliche Situation anwenden, wenn wir fürchten, dass allzu reformfreudige Kirchenvertreter die ewige Lehre Christi anzutasten versuchen? Wie können wir hier der Lehre Christi Treue beweisen, aus Liebe zu Jesus Christus selbst und zu unseren Mitmenschen? Was können wir tun, wenn wir die Integrität des Glaubens angegriffen sehen, seien wir Kleriker oder Laien?
Wir sollten ob gelegen oder ungelegen die ganze Integrität unseres katholischen Glaubens in Wort und Schrift bekennen, und zwar angefangen im Bereich der kirchlichen Gemeinschaften und Organisation, mit denen wir in Berührung kommen und selbst wenn es sein muss vor dem eigenen Pfarrer oder Bischof, falls dieser sich erdreisten sollte, die Lehre Christi in einem bestimmten Punkt aus Liebe zur Welt und aus politischer Korrektheit zu leugnen. Wir sollten das immer mit Würde, Ruhe und mit Demut tun, jedoch klar und furchtlos.

Nach den Stellungnahmen von Reinhard Kardinal Marx über die angebliche Unabhängigkeit der Nationalen Bischofskonferenzen von der Autorität Roms und des Papstes, wie würden Sie das Thema der Kollegialität besprechen? Was ist das rechte Verhältnis von Bischofskonferenzen und der Päpstlichen Autorität? Wo ist da Raum für Kollegialität?
Der katholische Glaube besagt, dass der Papst als Nachfolger Petri der mit wahrer Leitungsgewalt ausgestattete oberste Hirte aller Jünger Christi ist, der Gläubigen und ihrer Hirten, also auch der Bischöfe. Andernfalls wäre der Papst lediglich eine Dekoration, und das widerspräche der von Gott selbst gegebenen Struktur der Kirche. Unabhängigkeit der einzelnen Bischöfe oder einer Gruppe (z.B. einer Nation) vom Papst widerspricht der göttlichen Verfassung der Kirche. Bischöfe, die solch eine Haltung vertreten und leben, sind dann nicht mehr katholisch, sondern schismatisch. Der Papst ist das sichtbare Haupt der sichtbaren Kirche und die Bischöfe sind die Glieder am Leib der Gesamtkirche. Haupt und Glieder sind gegenseitig verbunden und gehören organisch zusammen (ein Bild für die Kollegialität). Die Glieder, also die Bischöfe oder das Kollegium, können nicht gleichzeitig das Haupt für den Gesamtleib bilden. Die Bischöfe sind Haupt nur für einen Teilbereich der Gesamtkirche (Diözese). Der Papst als Haupt kann einzelne Bischöfe oder ihre Gesamtheit (Kollegium) an seinem Lehr- und Regierungsamt teilnehmen lassen, so dass dann solch ein Lehr- und Regierungsakt ein gemeinsamer kirchlicher und wahrer kollegialer Akt sei. Der Papst ist dazu allerdings nicht gezwungen. Wenn das so wäre, dann hätte die Kirche von ihrer Verfassung her ein Doppelhaupt und das wäre gegen die von Christus gegebene Verfassung und gegen das Prinzip der wahren Hierarchie, die aus Ordnung und Unterordnung im Leib Christi und im Reiche Gottes besteht.

Als Deutscher, wie würden Sie die aktuelle Rolle der Deutschen Bischofskonferenz einschätzen? Wie beurteilen Sie das neue deutsche kirchliche Arbeitsgesetz, das ja nun Kirchenmitarbeitern erlaubt, gegen die kirchliche Moral zu Verstoßen (etwa durch Wiederheirat nach einer Scheidung, oder durch Eingehen einer homosexuellen Partnerschaft), ohne arbeitsrechtliche Konsequenzen erfahren zu müssen (wie etwa Entlassung)?
Solche eine Entscheidung ist sehr traurig, weil dadurch die praktische Verhaltensweise der deutschen Kirche dem widerspricht, was sie glaubt. Es ist ein Ausdruck der Untreue im Glauben und der Feigheit vor dem Geist dieser Welt.

Was sagen Sie zu der Forderung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, zum Beispiel, dass die katholische Kirche homosexuelle Partnerschaften segnen und auch das Verbot der künstlichen Empfängnisverhütung aufweichen solle?
Wer solche Forderungen vertritt, der ist in der Tat kein Katholik und kein Christ mehr, auch wenn er es behaupten sollte, das wäre ein Pseudokatholik und ein Pseudochrist. Auf ihn müsste man diese Worte des heiligen Apostels Johannes anwenden: „Sie sind von uns ausgegangen, gehörten aber nicht zu uns, denn wenn sie zu uns gehören würden, dann wären sie mit uns (in der Glaubenslehre) geblieben“ (1 Joh 2, 19). Folglich müsste das Zentralkomitees der deutschen Katholiken realistischer- und ehrlicherweise heißen: „Zentralkomitees der deutschen Pseudokatholiken“. Deren jüngste Machenschaften erinnern übrigens an die Methoden von Zentralkomitees, wie wir sie aus manchen ideologischen Diktaturen der jüngsten Geschichte kennen.

Der Endbericht der Synode, wenn er in Paragraph 55 von praktizierenden Homosexuellen spricht, wiederholt nicht die Lehre der Kirche, dass homosexuelles Verhalten eine Verletzung der Lehre und Gesetze Gottes darstellt. Im Gegenteil, der Bericht betont ausschließlich die Notwendigkeit, solchen Menschen mit Respekt und Sensitivität gegenüberzutreten. Hier stellt sich nochmals die Frage, ob eine solche Botschaft den Sündern noch hilft, sich von der Sünde zu befreien und auf den Weg zum Himmel zurückzukehren, oder ob sie gefährlicherweise die Sünder im Glauben lässt, dass ihre Sünde gar nicht mehr so schlimm sei? Was ist die Doktrin und umsichtige Betrachtung dieses Themas von Seiten der Kirche, aus Liebe zu den Betroffenen?
Bei praktizierenden Homosexuellen handelt es sich um Personen, welche sich in einer schwerwiegenden Weise gegen den Willen Gottes des Schöpfers verfehlen, denn mit ihren Akten lehnen sie die Tatsache der göttlichen Ordnung der Geschlechtlichkeit ab. Nun besteht aber die geschlechtliche Ordnung nur aus zwei Geschlechtern, dem männlichen und dem weiblichen, und diese Ordnung hat Gottes unendliche Weisheit und Güte ausgedacht und als gut erklärt. Wenn sich jemand durch seine Handlung bewusst gegen diese Ordnung auflehnt, dann lehnt er sich gegen die Weisheit und Liebe Gottes auf und lehnt letztlich den Willen Gottes in einem sehr wichtigen Bereich ab. Wenn jemand Gottes Willen in einem wichtigen Bereich ablehnt, dann setzt er seinen Willen, seine eigene Einsicht und seine Leidenschaften an die Stelle Gottes. Dadurch tut sich so ein Mensch von der ewigen Gemeinschaft mit Gott, von der ewigen Seligkeit selbst ausschließen und wählt die ewige Verdammung. Praktizierende Homosexuelle, wie auch jeder Todsünder, befinden sich in einer höchst gefährlichen geistigen Lage, gleichsam vor dem Abgrund, weil sie Gefahr laufen, ihre Seele auf ewig zu verlieren. Christus hat gelitten und Sein kostbares Blut am Kreuz vergossen, damit kein Mensch ewig verlorengehe, sondern sich bekehrt, d.h. den Willen Gottes in allem voll annimmt, und so ewig gerettet wird. Christus kann keinen heilen und keinem vergeben, wenn dieser sich nicht bekehrt (vgl. Mk 4, 12). Angefangen von Pfingsten war eine der wichtigsten Aufrufe in der Predigt der Apostel und der Kirche dieser: „Es soll sich jeder von seiner Bosheit bekehren!“ (Apg 3, 26); und er wird es auch bis ans Ende der Zeiten bleiben. Das unfehlbare Wort Gottes spricht ganz klar darüber, dass homosexuelle Handlungen gottwidrig und schwer sündhaft sind und denjenigen, der sie begeht, in Gefahr bringt, ewig verloren zu gehen: „Hat einer mit einem Mann Geschlechtsverkehr so wie man ihn mit einer Frau hat, dann haben beide eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft, ihr Blut soll auf sie kommen.“ (Lev 20, 13), „Männer, der mit einander Geschlechtsverkehr haben, werden das Reich Gottes nicht erben“ (1 Kor 6, 10) und „Homosexuelle Handlungen widerstreiten der gesunden Lehre des Evangeliums“ (1 Tim 1, 10. Das sagt uns der Heilige Geist durch den Mund Moses´ und des heiligen Apostels Paulus (vgl. auch Lev 18, 22; Gen 18, 20; Jes 3, 9; Röm 1, 26-27; Jud 7).Wenn Vertreter der Kirche diese Mahnungen des Heiligen Geistes heute auf einmal nicht mehr aussprechen, und sie verschweigen, unter dem Vorwand, homosexuell handelnde Menschen „willkommen zu heißen“ und ihre Würde zu achten, dann begehen sie eine schwere Sünde der Unterlassung und Gott wird von ihnen Rechenschaft verlangen, wenn homosexuell handelnde Menschen einst ewig verloren gehen, weil sie nicht gewarnt wurden. Es wäre eine Sünde, einen Menschen nicht darauf aufmerksam zu machen, dass er sich in einer realen Gefahr befindet abzustürzen. Allen Priestern, Bischöfen und Kardinälen, die in unseren Tagen unter dem Vorwand des Respekts es unterlassen praktizierende Homosexuelle auf die sittliche Schwere ihrer Handlungen hinzuweisen, wird Gott einmal beim Gericht diese Worte entgegenhalten: „Wenn du nicht warnst und nicht redest, um den Schuldigen von seinem schuldhaften Weg abzubringen, damit er am Leben bleibt, dann wird der Schuldige seiner Sünde wegen sterben, von dir aber fordere ich Rechenschaft für sein Blut“ (Ez 3, 18).Der hl. Johannes Chrysostomus rügte jene Geistliche seiner Zeit, die aus Menschenfurcht öffentlichen Sündern die Hl. Kommunion reichten: „Auf Euch wartet keine geringe Strafe, wenn Ihr solche Sünder des Tisches des Herrn teilhaben lässt. An Euren Händen klebt deren Blut, für das von Euch Rechenschaft verlangt wird. Wenn jemand unwürdig zur Kommunion herantritt, mag er ein Heerführer, ein Gouverneur oder ein Fürst mit einer Diademenkrone sein, so verbietet es ihm, denn Ihr habt eine größere Gewalt als jene. Darin besteht Eure Würde, Eure Sicherheit, Eure Krone“ (Hom. ad pop. Antioch. 60). Man muss bei der enormen sentimentalen und intellektuellen Konfusion des Themas Homosexualität den gesunden Menschenverstand bewahren und den durch alle Jahrhunderte konstanten pastoralen Grundsatz der Kirche befolgen: „Die Sünde verachten, den Sünder aber lieben“. Man darf die homosexuell fühlenden Menschen nicht belügen und man muss ihnen die Wahrheit sagen, dass die homosexuelle Neigung in sich eine Störung der von Gott in die Natur grundgelegte Ordnung ist. An sich ist eine solche Tendenz keine Sünde. Diese Störung ist Folge der Erbsünde, wie alle anderen Störungen des sittlichen Verhaltens und in der Persönlichkeitsstruktur. Es gibt viele Störungen im sittlichen Verhalten der Menschen, die auch sehr tiefsitzend sind, wie z.B. die Neigung zum Alkohol- und Drogenmissbrauch. Wenn solche Tendenzen nicht ausgelebt werden, dann müssen sie keine Schande sein. Man muss Menschen mit objektiv ungeordneten Tendenzen, wie in unserem Falle Menschen mit homosexuellen Neigungen, taktvoll und liebevoll helfen, einen Prozess der Heilung zu machen. Mit der Gnade Gottes und der kompetenten Hilfe von Fachleuten kann man diesen Menschen helfen, wie es die Erfahrung in sehr vielen Fällen schon reichlich bewiesen hat. Erst wenn diese Menschen so einen Prozess der Heiligung beschreiten und in ihm Fortschritte machen, werden sie wahrhaft glücklich. Alles andere wäre Betrug und Illusion. Die unmissverständlich klare Lehre der Kirche über die Homosexualität, vorgetragen mit Liebe und Respekt, wird diesen Menschen wahrhaft eine Hilfe sein, damit sie ihre Seele für die Ewigkeit retten und schon hier auf Erden durch die Übung der Keuschheit als Ledige oder durch eine Eheschließung nach dem Gebot Gottes ein glücklicheres Leben führen können. Das wäre die wahre pastorale Antwort auf dieses aktuelle Problem in unserer Gesellschaft gemäß dem Wort Gottes und dem uns überlieferten Glauben der Apostel.

Was ist die klare Lehre der katholischen Kirche zu homosexuellen Paaren, die Kinder adoptieren wollen, besonders in Hinblick auf das Wohl der Kinder?
Es gibt klare Aussagen des Lehramtes zur Sündhaftigkeit homosexueller Handlungen, zur objektiven Unordnung der homosexuellen Tendenz, und zur Unsittlichkeit von gleichgeschlechtlichen Verbindungen und erst Recht zur Unsittlichkeit und Unrechtmäßigkeit der Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare, z.B. Erklärung der Glaubenskongregation Persona humana vom 29.12.1975; Brief der Glaubenskongregation Über die pastorale Sorge um die homosexuelle Personen vom 01.10.1986; Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 2357-2359; Glaubenskongregation, Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen. Aus diesem Dokument sei die folgenden klare Stellungnahme des kirchlichen Lehramtes zitiert: „Wie die Erfahrung zeigt, schafft das Fehlen der geschlechtlichen Bipolarität Hindernisse für die normale Entwicklung der Kinder, die eventuell in solche Lebensgemeinschaften eingefügt werden. Ihnen fehlt die Erfahrung der Mutterschaft oder der Vaterschaft. Das Einfügen von Kindern in homosexuelle Lebensgemeinschaften durch die Adoption bedeutet faktisch, diesen Kindern Gewalt anzutun in dem Sinn, dass man ihren Zustand der Bedürftigkeit ausnützt, um sie in ein Umfeld einzuführen, das ihrer vollen menschlichen Entwicklung nicht förderlich ist. Eine solche Vorgangsweise wäre gewiss schwerwiegend unsittlich und würde offen einem Grundsatz widersprechen, der auch von der internationalen Konvention der UNO über die Rechte der Kinder anerkannt ist. Demgemäß ist das oberste zu schützende Interesse in jedem Fall das Interesse des Kindes, das den schwächeren und schutzlosen Teil ausmacht“ (Nr. 7).

Wie beurteilen sie das jüngste Referendum in Irland, das nun die Homosexuellen-„Ehe“ erlaubt? Muss ein Staat unter allen Bedingungen dem Willen des Volkes gehorchen, auch, wenn dieser Wille eigentlich dem Willen Gottes widerspricht?
Das Ergebnis des jüngsten Referendums in Irland ist ein Spiegel und ein Indikator dafür, wie sehr sich breite Massen eines Volkes und selbst Katholiken und unter ihnen, Gott sei es geklagt, selbst Vertreter des Klerus sich von der neo-kommunistische Gender-Ideologie haben indoktrinieren lassen. Die Massen gehen mit dem Zeitgeist und nicht wenige Kleriker, manchmal sogar hohe Kleriker, kollaborieren aus politischer Korrektheit mit diesem Zeitgeist. Die jüngste Geschichte Europas hat gezeigt, dass die Massen sehr schnell Ideologien und selbst menschenverachtende Ideologien (wie z.B. Faschismus, Nationalsozialismus, Sowjetkommunismus) annehmen. Im Unterschied zu früheren Zeiten, haben wir in unseren Tagen in den Reihen des Klerus einen deutlich höheren Anteil von Kollaborateuren mit der neuen herrschenden Ideologie. Das ist ein Zeichen des Ausmaßes der Krise des Glaubens innerhalb der Kirche. Auf der anderen Seite ist das auch eine Chance für alle, die ihren Taufgelübden und dem Glauben der Apostel und der Heiligen treu geblieben sind, den Glauben zu bekennen und zu verteidigen. Die heutige Zeit ist nicht eine Zeit des Schlafens, sondern eine Zeit ein guter Soldat Christi zu sein (2 Tim 2, 3). Unser Kampf ist ein geistiger Kampf, ein Kampf für die Wahrheit mit Liebe (vgl. Eph 4, 15).

Interview mit Weihbischof Schneider, Teil I und Teil II

Erstveröffentlichung in englischer Sprache

Foto: Hochzeitsbank – Bildquelle: Alexander Hauk / www.bayern-nachrichten.de