Goldenes Errichtungsjubiläum der Priesterbruderschaft St. Pius‘ X.

Ein Beitrag von Clemens Victor Oldendorf.
Erstellt von Clemens Victor Oldendorf am 1. November 2020 um 19:12 Uhr

Omnia instaurare in Christo – Alles in Christus wiederherstellen. Das war der Wahlspruch, unter den der heilige Papst Pius X. sein Pontifikat (1903-1914) gestellt hatte. Im Jahr 2020 findet dieses paulinische Wort aus Eph 1, 10 ein spezielles Echo am heutigen Allerheiligenfest. Am 1. November 1970 unterzeichnete der damalige Ortsbischof von Lausanne, Genf und Freiburg in der Schweiz das ursprüngliche Errichtungsdekret der Priesterbruderschaft St. Pius‘ X.

Was als kleines, relativ unscheinbares Theologenkonvikt seinen Anfang nahm, hat sich trotz mancher Konflikte und Konfrontationen zu einem Werk entwickelt, dessen praktisch weltweite Präsenz seinen katholischen Charakter belegt und die Fruchtbarkeit der katholischen Tradition unter Beweis stellt.

Covid-19 reduziert Ausmaß und Rahmen des Jubiläums

Bedingt durch die gegenwärtige Coronalage sind die Feierlichkeiten bescheidener ausgefallen als eigentlich beabsichtigt. Die als zentrale, internationale Jubiläumsfeier geplante Wallfahrt nach Lourdes am vergangenen letzten Oktoberwochenende konnte nur vom französischen Zweig der Bruderschaft begangen werden, und sogar die Pilger aus den verschiedenen Departements Frankreichs mussten getrennt voneinander mehrere Festmessen feiern.

In ähnlicher Weise wurde das Jubiläum bereits am 24. September 2020 in Ecône im Wallis vorweggenommen, damit nicht allzu viele Gläubige zusammenströmen. Über die mit dieser Feier verbundene Überführung der Gebeine des Stifters Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991) in die Krypta der Seminarkirche hat kathnews berichtet.

In der Tagesoration des Christkönigsfestes, das in Lourdes gefeiert wurde, ist das gleiche Pauluswort zitiert, das das Motto der Piusbruderschaft bildet, und in der Oration des heiligen Pius‘ X. selbst heißt es am 3. September ebenso: „Gott, der Du zum Schutz des katholischen Glaubens und um alles in Christus zu erneuern den heiligen Papst Pius mit himmlischer Weisheit und apostolischer Kraft erfüllt hast, gewähre gnädig, dass wir, seinen Beispielen und Weisungen folgend, den ewigen Lohn erlangen mögen“ (Übersetzung Ramm).

Grund zu Respekt und Dankbarkeit über Meinungsverschiedenheiten und Scheidelinien hinweg

Am heutigen fünfzigsten Jahrestag ihrer ersten kanonischen Errichtung kann und muss nicht nur die Piusbruderschaft selbst dankbar sein. Ohne Erzbischof Lefebvre und seine Gründung wäre vermutlich 1984 kein weltweites Altritus-Indult erlassen worden, und auch die Petrusbruderschaft und andere Gemeinschaften hätte es wahrscheinlich so nie gegeben. Man kann davon ausgehen, dass gerade die Gründungsmitglieder der Petrusbruderschaft ohne Erzbischof Lefebvre niemals die Möglichkeit gehabt hätten, in Treue zur liturgischen sowie theologischen Überlieferung – wie sie sie verstanden – überhaupt Kleriker und Priester zu werden.

Die jetzige Rechtslage des Motuproprio Summorum Pontificum wurde ebenfalls durch diese historischen Fakten und Schritte vorbereitet. Das muss jeder anerkennen, der der liturgischen Tradition verbunden ist, auch diejenigen, die nicht in jedem Punkt mit der theologischen und kirchenpolitischen Position und Beurteilung der Priesterbruderschaft St. Pius‘ X. übereinstimmen oder selbst sogar im Gewissen überzeugt sind, zu einer mehr oder weniger entschieden davon abweichenden Einschätzung gelangen zu müssen.

Für die Zukunft wünschenswert bleibt, dass die Bruderschaft eine institutionelle Struktur in der Kirche erhalten kann, die ihrer inzwischen erreichten Ausdehnung und innerkirchlichen Dimension wirklich angemessen ist und entspricht. Mögen die Priesterbruderschaft St. Pius‘ X. und die Katholiken, die sich ihrer Seelsorge anvertrauen, den Beispielen und Weisungen ihres himmlischen Patrons weiterhin stets treu und fruchtbringend folgen! Ad multos annos!

Foto: Pius X. kurz nach der Inthronisation 1903 – Bildquelle: Giuseppe Felici / Wikipedia