Ein Leben des Ora et Labora im Dienste der Liturgie. Zum 125. Todestag von Pater Suitbert Bäumer OSB

Ein Beitrag von Clemens Victor Oldendorf.
Erstellt von Clemens Victor Oldendorf am 12. August 2019 um 07:50 Uhr

Während das Anselm-Schott-Jahr, in dem hier immer wieder Beiträge über Leben und Werk des Benediktiners, der vor 175 Jahren geboren wurde und dessen Name für das lateinisch-deutsche Messbuch als Begleiter der Gläubigen in der heiligen Messe zum Synonym geworden ist, langsam ausklingt und am 5. September 2019 endet, fällt auf den 12. August 2019 der 125. Jahrestag des Heimgangs eines anderen liturgisch versierten Benediktiners aus den ersten Jahren der Beuroner Kongregation, Pater Suitbert Bäumers OSB (28. März 1845 – 12. August 1894), und am 3. Juni 2019 wäre sein 150. Priesterjubiläum gewesen.

Bäumer und Schott gemeinsam in Belgien

Dass dies hier erwähnt und mit Anselm Schott in Verbindung gebracht wird, liegt darin begründet, dass beide Patres eine gemeinsame Zeit in der belgischen Tochtergründung Maredsous verbrachten und Schott dort durch Zusammenarbeit mit Suitbert Bäumer mit dem Verlagswesen in Kontakt kam und zugleich das lateinisch-französische Missel des Fidèles (1. Auflage 1882) kennenlernte. Ohne diese Impulse wäre es also vielleicht nie zum Schott-Messbuch gekommen. Maredsous schied 1920 aus der Beuroner Kongregation aus. Grund dafür war die politische Situation nach dem I. Weltkrieg, in der die staatlichen Autoritäten die Zugehörigkeit einer belgischen Abtei zu einer Kongregation deutscher Benediktiner nicht weiter akzeptieren wollten.

Verdient um die Liturgie durch Forschung und Herausgabe liturgischer Bücher

Suitbert Bäumer ist am meisten bekannt für seine Forschungen über das Officium und Brevier des Römischen Ritus, und ohne die Studie Breviarii Romani editio nova Tornacensis 1882, collata Vaticanae Urbano Papa VIII. evulgatae 1632 wäre die Brevierreform von 1911 jedenfalls nicht möglich gewesen, wenn man diese deshalb im Rückblick auch keineswegs als vollständig gelungen oder vollkommen unproblematisch bezeichnen kann. Posthum erschien 1895 seine Geschichte des Breviers, welche die gewonnenen Erkenntnisse zusammenträgt und bis heute Standardwerk und Referenz bleibt.

Nachdem Leo XIII. 1884 eine neue Editio typica des Missale Romanum herausgegeben hatte, war es Bäumer, der das Missale Monasticum für den Benediktinerorden erarbeitete, das bereits 1885 erscheinen konnte. Ebenso Ausgaben des römischen wie des benediktinischen Breviers gehen auf Suitbert Bäumer zurück.

Bäumer war Rheinländer, er wurde als Johann Adolf Bäumer auf Haus Leuchtenberg bei Kaiserswerth geboren. Nach dem Gymnasium in Düsseldorf studierte er an verschiedenen Universitäten zunächst Rechtswissenschaften und dann Theologie. Sein Studium in Tübingen brachte ihn mit dem neugegründeten Kloster Beuron in Kontakt, das erst sechs Mönche zählte. Die Anziehungskraft mag auch in der gemeinsamen Mentalität und Heimatgegend zu suchen sein, die ihn mit dem Gründer und damaligen Prior, dem späteren (Erz-) Abt, Maurus Wolter OSB verband, der aus Bonn gebürtig war.

Bäumers früher Tod war auf ein angeborenes Herzleiden zurückzuführen, auf das er möglicherweise nicht genügend Rücksicht genommen hatte und das ihm ein nur geringeres Arbeitspensum erlaubt hätte. In Suitbert Bäumer fand das benediktinische Bete und Arbeite jedoch jedenfalls insofern eine eigentümlich gelungene Verbindung, als doch sein Interesse und wissenschaftlicher Fleiß vor allem auf das Officium und die Liturgie der Kirche und seines Ordens gerichtet war.

Der Konnex zu Schott und indirekt zu dessen Messbuch mag nicht so offensichtlich sein, wie schon eingangs angedeutet bildet er aber zweifellos dafür einen wichtigen Hintergrund und eine entscheidende Voraussetzung.

Ein eindringlicher Appell an den Sarto-Verlag

Deshalb kann an dieser Stelle auch nochmals kurz auf den Sarto-Schott, der dankenswerterweise 2018 herausgebracht wurde, zurückgekommen werden. Im Anhang pro aliquibus locis finden sich unter anderem 23 Messformulare, die der Verlag selbständig aufgenommen hat.

Leider scheint man mittlerweile von der ursprünglichen Absicht und Ankündigung abgerückt zu sein, diese Formulare gesondert und in lateinischer Sprache im Format des Altarmessbuches für den liturgischen Gebrauch herauszugeben. Das war für „Mitte 2019“ in Aussicht gestellt. Eine Nachfrage beim Verlag ergab jedoch, dass man diesen Anhang für das Missale doch nicht anbieten wird. Wird dies nicht doch noch einmal überdacht, hätte man sich die Aufnahme dieser großteils sehr schönen Messformulare auch gleich ganz sparen können, da der Priester am Altar die Messe ja nicht aus dem Sarto-Schott liest und diese Messen gar nicht benutzt werden können, wenn sie im Altarmissale nicht vorliegen.

Bäumers Tod in Freiburg im Breisgau

Bäumer war mehrfach bei Schwestern zur Erholung und Genesung, so auch in Freiburg im Breisgau, wo er allerdings sterben sollte. Erst sein Leichnam kehrte heim nach Beuron.

Die Totenchronik, mit der der Beuroner Chronist Pater Suitbert würdigt, spannt einen hoffnungsvollen Bogen von der Liturgie des Requiems und der Beisetzung zum Fest Maria Himmelfahrt und der himmlischen Verherrlichung Mariens. Die Trauerfeierlichkeiten fanden nämlich am 14. August 1894, der Vigil des Festes statt, und der Altar der Klosterkirche, zum Requiem noch ernst und schmucklos, badete gleichsam zur I. Vesper des Festes im Schmuck der Blumen und Kerzen, spendete Trost und nährte die Hoffnung, Maria werde Pater Suitbert bald mit sich in den Himmel nehmen.

Foto: Beuroner Gnadenkapelle – Bildquelle: pixabay – photosforyou

UPDATE – 12.08.2019, 21:40 Uhr