Ein leicht zu übersehendes Jubiläum – 175 Jahre Pater Anselm Schott OSB

Von Clemens Victor Oldendorf.
Erstellt von Clemens Victor Oldendorf am 5. September 2018 um 00:01 Uhr

Berühmt geworden ist er durch sein Handmessbuch für die Gläubigen. Dessen Urform war das Messbuch der heiligen Kirche. Zuerst erschien es 1884, und die ersten vier Auflagen bis zu jener von 1894 gestaltete der Beuroner Benediktinermönch Pater Anselm Schott (1843-1896) persönlich. Aus Pietät waren die folgenden beiden Auflagen fast unveränderte Nachdrucke dieser vierten Auflage.

Die Vollgestalt des Werkes war ab 1926 als das Vollständige Römische Messbuch lateinisch und deutsch erreicht. Alle Varianten dieses Handmessbuches wurden bald schon kurz und bündig Schott genannt. Der Mensch, Priester und Ordensmann Anselm Schott verschwand zunehmend im Schatten seines Werks.

So ist es wahrscheinlich, dass sein 175. Geburtstag unbeachtet vorübergeht, wenn nicht ganz ausdrücklich daran erinnert wird. Am 5. September 1843 wurde Friedrich August Schott auf Burg Staufeneck, Salach, im damaligen Württemberg, geboren, der spätere Priester und Benediktiner Pater Anselm. Es würde ihm gebühren, wenn der Zeitraum vom 5. September 2018 – 5. September 2019 als Anselm-Schott-Jahr begangen würde. Von einer solchen Initiative ist nichts bekanntgeworden.

Das eingangs schon erwähnte Vollständige Römische Messbuch wird aber mit Lizenz des Herder-Verlages innerhalb dieses Zeitraumes im deutschen Sarto-Verlag in Bobingen wiederum erscheinen. Es soll sich um eine Neuauflage in gediegener Ausstattung: in Leder gebunden, auf Bibelpapier gedruckt, mit Goldschnitt versehen, handeln. Derzeit kündigt der Verlag der Piusbruderschaft die Auslieferung für Anfang Dezember 2018 an. Wird dieser Zeitpunkt eingehalten, ist das Buch, das leicht erweitert werden soll, ganz bestimmt auch ein schönes Geschenk auf dem weihnachtlichen Gabentisch. Zuletzt hatte die Petrusbruderschaft in weniger anspruchsvoller Ausstattung das Buch 2006 nachgedruckt, und diese Auflage ist mittlerweile vergriffen.

Im Hinblick auf angekündigten Sarto-Schott ist es angebracht, an Pater Pius Bihlmeyer OSB (7. Dezember 1876-19. Mai 1931) zu erinnern, der von 1921 bis zu seinem Tode Herausgeber der verschiedenen Schott-Messbücher war und sich darum nach Schott von allen Herausgebern vielleicht die größten Verdienste erworben hat. In die Zeit seines Wirkens fällt eben auch das erstmalige Erscheinen des Vollständigen Römischen Messbuchs, das der Verlag Herder fortan als Schott I zählte, während der Schott, den man vielleicht treffend als Ur-Schott  bezeichnen könnte, als Schott II geführt wurde. Diesem gab Bihlmeyer seine bis 1962 maßgebliche Gestalt. Sie erfuhr nur noch 1932 eine nennenswerte Veränderung, indem mit dieser Auflage die sogenannte Einheitsübersetzung von 1929 für Ordo und Canon Missae übernommen wurde, die Bihlmeyer für den Schott I ab dessen dritter Auflage von 1930 zugrundegelegt hatte. Obwohl Pius Bihlmeyer schon 1931 verstorben ist, ist seine Federführung auch in der Jubiläumsausgabe des Schott II bestimmend geblieben, mit der 1934 das fünfzigjährige Bestehen des Messbuchs der heiligen Kirche gefeiert wurde.

Das Jahr 1934 bedeutete auch für den Schott I, dass er die Textgestalt gefunden hatte, die bis zu seiner letzten Auflage von 1965 beibehalten werden sollte, also auch in der Auflage vorliegt, die jetzt die Grundlage der Neuausgabe durch den Sarto-Verlag bildet. Wenn man dafür die gleiche Auflage wählt wie die Petrusbruderschaft 2006, dürfte es sich dabei um die sogenannte Auflage K von 1963 handeln.

Die jetzt beabsichtigte Erweiterung betrifft vor allem die Messformulare pro aliquibus locis, für die sich Sarto grundsätzlich am sogenannten Pustet-Missale von 1963 orientiert. Dieses war das einzige Altarmessbuch im deutschen Sprachraum, das dem Codex rubricarum von 1960 und somit der Editio typica des Missale Romanum von 1962 entsprach. Sein Druck wurde durch den damaligen Bischof von Regensburg, Rudolf Graber (1903-1992, Diözesanbischof von 1962-1981), veranlasst.

Die Messen für bestimmte Orte sind für den Schott I eine Neuheit, allerdings waren sie in der von Anselm Schott 1894 noch selbst besorgten Auflage, sozusagen der Auflage letzter Hand, schon einmal vorhanden gewesen. Wenn man den für 2018 angekündigten Sarto-Schott auch als Jubiläumsausgabe zum 175. Geburtstag Pater Anselm Schotts betrachtet, ein schönes Detail, womit sich gleichsam der Kreis zum Ursprung schließt.

Foto: P. Anselm Schott OSB – Bildquelle: Oldendorf