Dokudrama über Karl den Großen erneut im Fernsehen

Ein gelungener Film, jedoch etwas einseitig.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 2. Januar 2014 um 13:06 Uhr
Kaiser Karl der Große

Aachen/Köln (kathnews). Bereits im vergangenen Jahr (April und Mai) strahlten der Sender Arte und die ARD es aus. Am kommenden Freitag, dem 3. Januar,  wird es nochmals im Westdeutschen Fernsehen zu sehen sein: das spektakuläre Dokudrama mit dem Titel „Karl der Große“. Der Film kam im April 2013 in Aachen zur Uraufführung.  Anlass des Films ist der 1200. Sterbetag des „Vaters Europas“ 2014. Karl starb am 28. Januar 814 in Aachen. Aachen und Europa begehen aus diesem Anlass 2014 ein Karlsjahr. Das WDR-Fernsehen sendet das Dokudrama um 20.15 Uhr nach der Tagesschau. Gezeigt wird eine 90-minütige Version des Zweiteilers. Dieser ist auch als DVD im Handel erhältlich.

Mischung aus Spielfilm und historischen Einordnungen

Das spektakuläre Dokudrama erweckt den Kaiser zu neuem Leben mit allen seinen Facetten. Große Aufmerksamkeit wendet der Film den Kriegen zu, die Karl geführt hat und durch die er zum Herrscher von beinahe ganz Europa aufstieg. Am Ende des Films wird das in Erinnerung gerufen, was als die „Karolingische Reform“ in die Geistes- und Kulturgeschichte eingegangen ist: die großangelegte Kulturpolitik Karls auf der Grundlage der griechisch-römischen Antike und des Christentums, den beiden Fundamenten des heutigen Europas. Neben den aufwendig produzierten Spielszenen steht die historische Spurensuche im Mittelpunkt dieses Films. Wissenschaftler kommen zu Wort, kommentieren die einzelnen Szenen und setzen sie in den jeweiligen historischen Kontext.

Aachen selber kommt etwas zu kurz

Der Aachener Historiker Max Kerner, Professor für mittelalterliche Geschichte an der RWTH in Aachen und anerkannter Experte für Karl den Großen, empfahl bei der Premiere in Aachen den Film: „Der Film ist sehr anregend. Es wird das Bild Karls des Großen prägen. Und Karl hat jetzt ein Geschicht.“ Dennoch findet der Historiker: „Der Film läuft um das Jahr 800 aus, da fehlen 14 Jahre. In Aachen hat Karl das geistige Leben auf den Weg gebracht. Das hätte man breiter darstellen können.“

Einseitige Darstellung Karls des Großen

Tatsächlich steht im Film der Kriegsherr Karl im Mittelpunkt des Interesses, wodurch der Film etwas einseitig erscheint. Die für die Kulturgeschichte Europas so entscheidenden Aachener Jahre Karls kommen zu kurz. Karl war mehr als ein Kriegsherr.  Der 1165 heiliggesprochene Kaiser, der im Aachener Dom seine letzte Ruhestätte gefunden hat,  hat für die Kulturgeschichte Europas, die über den Kontinent hinausstrahlt (so Papst Johannes Paul II.), die Verkündigung des Evangeliums, wodurch Europa erst zum Kontinent wurde (Johannes Paul II.) und die Erneuerung der Kirche Wesentliches geleistet. Aachen war bekanntlich für Karl den Großen das „Rom des Nordens“, das „zweite Rom“. Die Aachener Pfalz, seine Liebelingspfalz, und hier vor allem die Pfalzkapelle, den heutigen Dom mit seinem imposanten Oktogon, hat er bewußt nach römisch-byzantinischen Vorbildern erbauen lassen. In Aachen lag das kulturelle und politische Zentrum Europas. Hierher an den Aachener Hof hatte Karl die namhaftesten Gelehrten seiner Zeit aus ganz Europa berufen. Als sehr gelungen fand Professor Max Kern dagegen, dass Einhard, der Verfasser der „Vita Karoli Magni, der Biographie Karls des Großen, durch den Film führt. „Das hilft dem Zuschauer, bei ihm fühlt man sich aufgeboben“, bemerkte der Historiker.

Foto: Kaiser Karl der Große – Bildquelle: Kathnews