Die Braut Christi mit ihren vielfältigen Gesichtern – Sondierung von Querida Amazonia und Auswertung

Teil 4: Sondierung und Auswertung von Kapitel IV – Themenkreis Pachamama, Inkulturation oder Synkretismus? Ein Beitrag von Clemens Victor Oldendorf.
Erstellt von Clemens Victor Oldendorf am 3. März 2020 um 16:51 Uhr
Petersdom

Während der Amazonas-Synode hat die Präsenz sogenannter Pachamama-Statuen Aufsehen, ja Ärgernis erregt. In einer spektakulären Aktion übergab der Wiener Alexander Tschugguel die in einer römischen Kirche aufgestellten Pachamamas dem Tiber. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf das im Beitrag Vom „Lógos“, von Logos und Emblemen – einige Impulse zu „Pachamama“ bereits Gesagte, also können wir uns hier etwas kürzer fassen.

Auch ohne direkte Nennung der Pachamama gewinnt man den Eindruck, dass QA 78 ihren Einbezug in die Synode rechtfertigen soll: „Wir sollten nicht vorschnell einige religiöse Ausdrucksformen, die sich spontan aus dem Leben der Völker ergeben, als Aberglaube oder Heidentum bezeichnen. Vielmehr gilt es den Weizen zu erkennen, der inmitten des Unkrautes wächst, denn ‚in der Volksfrömmigkeit kann man die Art und Weise wahrnehmen, wie der empfangene Glaube in einer Kultur Gestalt angenommen hat und ständig weitergegeben wird‘.“ Das Zitat im Zitat ist an dieser Stelle der Enzyklika Evangelii Gaudium entnommen.

Indigenes Symbol oder doch Götzenbild?

Dass der Papst sich an dieser Stelle auf das Gleichnis vom Unkraut und vom Weizen bezieht, das nur beim Evangelisten Matthäus verzeichnet ist, Kapitel 13, 24-30, ist zunächst einmal positiv hervorzuheben. Demzufolge wird gleichsam nicht einfach eine pauschale Heiligsprechung aller Mythen, religiösen Bilder und Ausdrucksformen der indigenen Völker vorgenommen, sondern Unkraut und Weizen, Irrtum und Wahrheit klar unterschieden. Wie im Gleichnis wird ein einfühlsames Vorgehen empfohlen, um nicht mit dem Unkraut zugleich auch den Weizen auszureißen. Woher aber kommt das Unkraut? Vom Feind.

Der Feind ist biblisch ein Synonym für den Teufel und dient als Umschreibung, um diesen nicht namentlich im heiligen Text nennen zu müssen. Dass das Unkraut zur Zeit der Ernte gesammelt, zu Bündeln gebunden und im Feuer verbrannt wird, unterstreicht nochmals diese diabolische Herkunft und letztliche Bestimmung. Wer Papst Franziskus kennt, weiß, dass er mehr und öfter als alle seine unmittelbaren Vorgänger im Amt über den Teufel und sein Wirken spricht. Er tut es mit einer Konkretheit, die so deutlich ist, dass niemand behaupten kann, er spreche nur in einem übertragenen, bildhaften Sinn. Wenn er also im Kontext der Inkulturation diesen Horizont aufreißt, bedeutet es folgerichtig, dass Inkulturation auch Läuterung und Unterscheidung, schließlich Distanzierung und Ausscheidung erfordert. Zum Schutz der Wahrheit, des Guten und Schönen, die sich vorfinden und entdecken lassen, jedoch nicht abrupt und rabiat, nicht vor der Zeit der Ernte.

Das kann alles als richtig anerkannt werden, jedoch bleibt der Einwand bestehen, dass die Missionierung und Christianisierung der indigenen Völker im Amazonasgebiet ja nicht gerade erst heutzutage begonnen wird und Inkulturation auch nicht bedeuten kann, den Rückfall in pagane Vorstellungen und Praktiken zu unterstützen und sogar mehr oder weniger mitzuvollziehen.

Deswegen kann auch der erste Teil von QA 79 keineswegs überzeugen: „Es ist möglich, sich in irgendeiner Weise auf ein indigenes Symbol zu beziehen, ohne dass man es notwendigerweise als Götzendienst betrachten müsste. Ein Mythos von spirituellem Sinngehalt kann aufgegriffen und muss nicht immer als heidnischer Irrtum angesehen werden. Einige religiöse Feste enthalten eine sakrale Bedeutung und sind Gelegenheiten des Zusammenkommens und der Brüderlichkeit, auch wenn eventuell ein langsamer Reinigungs- oder Reifungsprozess erforderlich ist. Ein echter Missionar befasst sich damit, die berechtigten Anliegen hinter diesen religiösen Ausdrucksweisen zu entdecken, die manchmal unvollkommen und bruchstückhaft sind oder Irrtümer enthalten, und versucht, aus einer inkulturierten Spiritualität heraus darauf eine Antwort zu finden.“

Das hier angesprochene indigene Symbol ist wohl mit Pachamama gleichzusetzen und hat vielleicht nur dank Tschugguel und dadurch, dass es ins Wasser gefallen ist, den Sprung in die Nachsynodale Apostolische Exhortation geschafft. Doch es bleibt dabei, Heiliger Vater: Sich in irgendeiner Weise auf ein indigenes Symbol zu beziehen, kann nicht legitimieren, es im Vatikan, in Rom, im Herzen der katholischen Christenheit, zum Gegenstand und Adressaten von Prostrationen und Prozessionen zu machen und seine Opferschalen beim Opfergang der heiligen Messe (!) auf den Altar der Petersbasilika zu stellen. Im direkten liturgischen und kultischen Kontext der hostia pura, hostia sancta und hostia immaculata, von der der römische Messkanon spricht, muss das Unkraut bereits vom Weizen getrennt sein und bleiben, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Was anschließend gesagt wird, wird jeder erfahrene Missionar wieder bestätigen und ist prinzipiell nicht zu bemängeln.

Foto: Petersdom – Bildquelle: Radomil, CC