Zugleich freut sich, wer sät und erntet

Homilie des heiligen Augustinus. 11. Sonntag im Kirchenjahr A (NO) (Tr. In Jo 15, 32: CCL 36,163). Übersetzung: Gero P. Weishaupt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 13. Juni 2020 um 10:41 Uhr
Himmel, Natur

Christus war für sein Werk begeistert. Er traf Vorkehrungen für die Sendung von Arbeitern. Deshalb wollte er Arbeiter für die Ernte aussenden. Darin nämlich besteht das wahre Wort, weil es ein anderer ist, der erntet, ein anderer, der sät. So sollen zugleich der, der sät, und der, der erntet, sich freuen. Ich habe euch gesandt, das zu ernten, wofür ich ihr euch nicht  anstrengt habt. Das haben andere getan, ihr seid in ihr Arbeitsfeld eingetreten. Wieso sandte er Arbeiter für die Ernte, nicht für die Aussaat? Wozu Arbeiter für die Ernte dort, wo schon andere geerntet haben? Wo doch bereits geerntet worden ist, da ist jedenfalls auch schon gesät worden. Und was gesät worden ist, ist bereits reif geworden. Nur noch Sichel und Dreschmaschine fehlen.

Wohin also sollten die Erntearbeiter gesandt werden? Dort, wo bereits die Propheten gepredigt hatten. Denn auch sie haben gesät. Andere haben gesät und ihr seid in deren Saatfelder eingetreten. Wer hat gesät? Natürlich Abraham, Isaak und Jakob. Sammelt ihre Erträge. In allen ihren Arbeiten prophezeiten sie Christus. Deshalb sind sie Säer. Wieviel haben Moses und die anderen Propheten ertragen in der Kälte, als sie die Saat ausstreuten? Darum war bereits in Judea Zeit für die Ernte. Dort gab es aus gutem Grunde gleichsam eine reife Saat, als so viele tausende Menschen ihr Hab und  Gut mitbrachten. Sie legten sie zu den Füßen der Apostel, waren von den weltlichen Lasten befreit und folgten Christus. Wahrhaftig die Ernste war reif.

Was ist von der Zeit an geschehen? Der Ertrag aus eben dieser Ernte war klein, doch haben sie auf der ganzen Erde haben die Saat ausgestreut. Andere Erntegüter reifen heran, deren Ernte wird am  Ende der Zeiten sein. Über diese Ernte heißt es: Wer mit Tränen sät, wird mit Jubel ernten. Zu dieser Ernte werden nicht die Apostel, sondern die Engel ausgesandt. Die Arbeiter für die Ernte, sagt der Apostel, sind die  Engel. Diese Ernte wächst zwischen Unkraut. Am Ende folgt die Reinigung. Jene Ernte war bereits reif, wohin vorher die Apostel gesandt worden sind, wo die Propheten gearbeitet haben. Seht dennoch, Brüder und Schwestern, was gesagt worden ist: Zugleich freut sich sowohl derjenige, der sät, als auch derjenige, der erntet. Sie arbeiteten zu verschiedenen Zeiten, doch genießen auf gleiche Weise die Freude, empfangen zugleich sie als Lohn das ewige Leben.

Foto: Himmel – Bildquelle: Kathnews