Zahl der Organspender sinkt auf neuen Tiefpunkt

Unregelmäßigkeiten bei Transplantationen führt zu Vertrauensverlust.
Erstellt von Katholische Nachrichten-Agentur am 15. Januar 2014 um 19:04 Uhr
Blaulicht

Frankfurt (kathnews/KNA). Die Zahl der Organspender in Deutschland hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Mit nur noch 876 Spendern (Vorjahr: 1.046) sei sie auf den niedrigsten Wert seit Verabschiedung des
Transplantationsgesetzes 1997 gesunken. Das entspricht einem RĂĽckgang um 16,3 Prozent, berichtete die zuständige Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Mittwoch in Frankfurt. Es handelt sich um vorläufige Zahlen. Die Bundesrepublik erzielte damit einen Durchschnitt von 10,9 Spendern pro eine Million Einwohner, 2012 waren es noch 12,8 Spender. Damit bleibt Deutschland in Europa auf einem der hinteren Plätze. Die Summe der gespendeten Organe sank von 3.511 im Jahr 2012 auf 3.034 im vergangenen Jahr (minus 13,6 Prozent). DemgegenĂĽber standen 11.000 Patienten, die dringend auf ein Spenderorgan warten, sei es Niere, Leber, Lunge oder Herz. Die DSO sprach von einer „erschĂĽtternden Jahresbilanz“. „Nach dem starken RĂĽckgang der Organspenden im Jahre 2012 hat sich diese dramatische Entwicklung 2013 noch weiter verschärft“, sagte der Vorsitzende der Stiftung, Rainer Hess. Man werde einen „langen Atem brauchen, um wieder Vertrauen aufbauen zu können.“ Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, sprach von einem erschĂĽtternden Ergebnis, das jedoch nachvollziehbar sei.

Viele Menschen hätten mit Blick auf die Skandale in Transplantationskliniken Zweifel an der VertrauenswĂĽrdigkeit, sagte er im Deutschlandfunk. Er forderte mehr Transparenz und mehr Ă–ffentlichkeitsarbeit. Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagfraktion, Jens Spahn, warb fĂĽr die Organspende. „Organspender sind Lebensretter. Wir mĂĽssen Vertrauen zurĂĽckgewinnen“, erklärte er. Gesetzlich habe die Politik im vergangenen Jahr alles getan, damit sich die Missbrauchsfälle nicht wiederholen könnten. „Alle Beteiligten haben jetzt eine Pflicht: Aufklären, aufklären, aufklären.“ Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sieht im Spendenergebnis auch einen Misstrauensbeweis fĂĽr die DSO. Sie habe in den 30 Jahren ihres Bestehens „auf ganzer Linie versagt“, erklärte Vorstand Eugen Brysch. Ohne Transparenz sei kein Vertrauen in der Bevölkerung zu gewinnen. Die Stiftung forderte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und den Bundestag auf, die Koordination der Organspende der DSO zu entziehen und in die Hand einer staatlichen Einrichtung zu geben. Laut DSO verlief die Entwicklung der Spendenzahlen nach Regionen sehr unterschiedlich.

Besonders stark sei der Einbruch in Bayern ausgefallen, wo die Zahl der Organspender um beinahe ein Viertel gesunken sei. Dort und in Baden-Württemberg kam statistisch gesehen nicht einmal mehr ein Spender auf 100.000 Einwohner; das sind bundesweit die niedrigsten Werte. Ein Grund für die mangelnde Bereitschaft zur Organspende seien die 2012 und danach bekanntgewordenen Manipulationen bei Organtransplantationen in einigen Universitätskliniken, sagte Hess. Auch seien Ärzte und Krankenhäuser verunsichert, nach welchen Kriterien sie Patienten noch auf eine Warteliste für ein Spenderorgan setzen dürften. Verbesserungsmöglichkeiten gebe es nicht zuletzt auch bei den Massenanschreiben einiger Krankenkassen. Im vergangenen Jahr hatten die Kassen ihren Versicherten Informationsmaterial und einen Organspendeausweis zugeschickt, mit der Aufforderung, sich für oder gegen die Spende zu entscheiden.

Quelle: © KNA. Alle Rechte vorbehalten

Foto: Blaulicht – Bildquelle: R. Steindorf, kathnews

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