„Wir alle sind die Kirche!“

Papst Franziskus begrüßt zehntausende Pilger und Gäste auf dem Petersplatz.
Erstellt von Radio Vatikan am 30. Oktober 2014 um 13:38 Uhr
Petersdom

Vatikan (kathnews/RV). Zur sichtbaren Wirklichkeit der Kirche gehören nicht bloß der Papst, die Bischöfe, Priester und Ordensschwestern, sondern alle Getauften. Daran hat Papst Franziskus an diesem Mittwoch bei der Generalaudienz erinnert; vor Zehntausenden Pilgern und Gästen auf dem Petersplatz setzte der Papst seine Katechesenreihe über die Kirche fort. Die Kirche habe eine geistliche und eine sichtbare Wirklichkeit, die untrennbar zusammengehörten, so Franziskus. „Die sichtbare Wirklichkeit der Kirche besteht auch aus den vielen getauften Brüdern und Schwestern in der Welt, die glauben, hoffen und lieben. Die Kirche, das sind wir alle, alle! Wir alle! Alle Getauften sind wir die Kirche, die Kirche Jesu. Alle jene, die dem Herrn Jesus folgen und die in seinem Namen den Letzten und den Leidenden nahe sind, um ihnen ein wenig Erleichterung, Trost und Frieden zu schenken.“

Aus diesem Grund sei die sichtbare Wirklichkeit der Kirche „nicht messbar“ und in ihrer Fülle nicht erkennbar, fuhr Franziskus fort. „Denn wie kann man all das Gute wissen, das getan wird? So viele Werke der Liebe, so viel Treue in den Familien, so viel Arbeit zur Erziehung der Kinder… so viel Leid bei den Kranken, die ihr Leiden dem Herrn aufopfern… Wie kann man all die Wunder kennen, die Christus durch uns in den Herzen und im Leben jedes Menschen zu wirken imstande ist? Seht: Auch die sichtbare Wirklichkeit der Kirche übersteigt unsere Kontrolle, übersteigt unsere Kräfte und ist eine geheimnisvolle Wirklichkeit, weil sie von Gott kommt.“

Der Schlüssel, um die Beziehung zwischen der sichtbaren und der geistlichen Wirklichkeit der Kirche zu verstehen, sei Christus: Christus, dessen Leib die Kirche sei und der die Kirche „in einem Akt grenzenloser Liebe“ gegründet habe. „So erkennen wir auch in Christus die Kraft des Geheimnisses der Menschwerdung, wir erkennen eine menschliche und eine göttliche Natur, die in ein und derselben Person wundersam und unauflöslich vereint sind. Das gilt entsprechend auch für die Kirche.“ So wie Christus sei „auch die Kirche ein Geheimnis, in dem das, was man nicht sieht, wichtiger ist als das, was man sieht“, erklärte Franziskus. Das Unsichtbare könne „nur mit den Augen des Glaubens erkannt werden“. Christus habe sich seines Menschseins bedient, um den göttlichen Plan der Erlösung und des Heils zu verwirklichen.

„Wenn das ein Christ ist, dann werde ich Atheist“

„Und genauso muss es auch in der Kirche sein. Durch ihre sichtbare Wirklichkeit, die Sakramente und ihr Zeugnis, ist die Kirche dazu gerufen, jeden Tag jedem Menschen nahe zu sein, angefangen von den Armen, den Leidenden und an den Rand Gedrängten, damit sie auch heute den Blick von Jesus voller Mitleid und Erbarmen spüren.“ Das sei ein hoher Anspruch, den die Amtsträger und die Getauften nicht immer einlösen, räumte Franziskus ein: „Oft erfahren wir als Kirche unsere Schwäche und unsere Grenzen“.

„Keiner von uns, wirklich keiner, kann von sich sagen: „Ich bin kein Sünder.“ Es ist richtig, dass das in uns tiefen Kummer auslöst, besonders wenn wir ein schlechtes Beispiel abgeben und merken, dass wir Anlass zu Skandal sind. Wie oft haben wir das bei uns im Stadtviertel gehört: Der oder die da rennt dauernd in die Kirche, macht aber die anderen immer schlecht… Was für ein schlechtes Beispiel, oder? Andere schlecht machen: das ist nicht christlich, das ist eine Sünde. „Also, wenn das ein Christ ist, dann werde ich Atheist.“ Bitten wir darum, keinen Anstoß zu erregen! Bitten wir um die Gabe des Glaubens, damit wir verstehen, wie der Herr uns trotz unserer Beschränktheit und Armut wirklich zu Instrumenten der Gnade und zum sichtbaren Zeichen seiner Liebe für die ganze Menschheit gemacht hat.“

Foto: Petersdom – Bildquelle: M. Bürger, kathnews