Wer beherzigt nun die Aussagen des II. Vatikanums nicht?

Der Heilige Geist im Widerstreit zum „Geist des Konzils".
Erstellt von kathnews-Redaktion am 3. Februar 2015 um 21:02 Uhr
Vaticanum II, Papst Paul VI.

Von Markus Lederer.

Gibt es eine Konzilskirche? Ist das Zweite Vatikanische Konzil ein Bruch oder in Kontinuität mit den anderen 20 ökumenischen Konzilien zu sehen? Zunächst ist auffallend, wie wenig man tatsächlich Konzilsdokumente liest und wie viel man trotzdem über es spricht. Des Weiteren erscheint es oft so, dass man nur selektiv bestimmte Artikel zu lesen bekommt, die die eigene Meinung stärken sollen. Es drängt sich die Frage auf: „Wer beherzigt nun die Aussagen des II. Vatikanums nicht?

Konzilstexte (Heiliger Geist), statt Konzilsgeist

Die größte Gefahr birgt ein konstruierter Konzilsgeist, der nicht mit den Konzilstexten übereinstimmt. Man kennt und liest die Konzilstexte überhaupt nicht, meint aber zu wissen, was das Konzil gesagt hat und was nicht. Freilich, dass Konzil stand unter dem Zeichen, die Fenster der Kirche zu öffnen: das „Aggiornamento“ (Hl. Johannes XXIII.), aber es geht in der kirchlichen Geschichte immer darum, einen Bruch mit der Geschichte zu vermeiden. Besonders Papst Benedikt XVI. warnte davor, dass das Zweite Vatikanische Konzil außerhalb der kirchlichen Tradition, von ihr isoliert, betrachtet wird. Dies machte er in einem Gespräch mit dem Staatsindentanten Professor Everding deutlich: „Ich hoffe, dass ich das Gleiche glaube, wie Petrus.“ (Vgl. gloria.tv). Wichtig ist: Konzilstext, statt Konzilsgeist. Der Heilige Geist, der die Konzilstexte inspirierte, befreit von der Gefahr, sich selbst eine Lehre des Konzils zusammenzubasteln. Man mixt sich selbst ein Cocktail von dem, was man sich wünscht, was das Konzil gesagt hat. Was dabei jedoch bleibt, ist der Subjektivismus. Schließlich findet man sich nur selbst wieder, wenn man sich einen eigenen Cocktail zusammenmixt, anstatt auf das Objekt, welches inspiriert wurde vom Heiligen Geist, die Konzilstexte in Kontinuität mit der Heiligen Tradition der Kirche zu blicken.

Von was das Konzil auch spricht

Schließlich kann man zu einem kleinen Experiment einladen, bei dem man prüfen kann, ob man wahrhaftig konzilstreu ist oder nicht. Oftmals ist es nämlich so, dass genau diejenigen, die meinen, Experten in Sachen Zweiten Vatikanischen Konzils zu sein, eigentlich wichtige Bestandteile des Konzils entweder bewusst weglassen oder schlichtweg nicht kennen. Erstens ist und bleibt die Sprache der Liturgie der Heiligen Katholischen Kirche das Latein: „§ 1. Der Gebrauch der lateinischen Sprache soll in den lateinischen Riten erhalten bleiben, soweit nicht Sonderrecht entgegensteht. (Sacrosanctum Concilium 36). Die Konzilstexte sind für den Erhalt der kirchlichen Sprache, dem Latein. Jedoch könnte eine Verwendung der Muttersprache bei Lesungen oder dem Evangelium nützlich sein. (Vgl. SC 36 ff.) Die nachkonziliare Praxis ist enttäuschend fern von der Intention der Konzilsväter. Deswegen ist klar festzuhalten, dass eine Ablehnung der lateinischen Sprache von Seitens der Priestern oder Laien ein Verstoß am Konzil ist. Das Konzil hat das Latein nicht abgeschafft, wie viele Vertreter des „Konzilsgeistes“ meinen, sondern es als wichtigen Bestandteil der Heiligen Tradition herausgestellt.

Zweitens spricht das Zweite Vatikanische Konzil eine deutliche Sprache, wenn es um die Einzigartigkeit der Kirche geht. Es gibt keine Konzilskirche, sondern nur die eine heilige katholische und apostolische Kirche:

„Dies ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen. Sie zu weiden, hat unser Erlöser nach seiner Auferstehung dem Petrus übertragen (Joh 21,17), ihm und den übrigen Aposteln hat er ihre Ausbreitung und Leitung anvertraut (vgl. Mt 28,18 ff), für immer hat er sie als „Säule und Feste der Wahrheit“ errichtet (1 Tim 3,15).
(Dogmatische Konstitution über die Kirche „Lumen gentium“; Art. 8)

Die Laien und die Priester sind also zum Aufbau von Kirchlichkeit und nicht zu ihrem Abbau berufen. Des Weiteren gibt es keinen Nihilismus im Glauben. Es ist nicht egal, an was und an wen ich glaube, sondern man ist berufen Christus als unseren Erlöser in Demut anzunehmen. Und ferner die Kirche, die seine Kirche ist, von aufrichtigem Herzen zu lieben. Sie ist sein mystischer Leib. Durch sie wird er gegenwärtig (eucharistische Ekklesiologie, Messopfer, Sakramente).

Wer beherzigt nun die Aussagen des II. Vatikanums nicht?

Besonders jene, die dem selbst erfundenen Konzilsgeist folgen, anstatt dem Lehramt und den Konzilstexten ehrliche Aufmerksamkeit zu schenken. „Und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird Euch freimachen.“ (Joh. 8,23) Schließlich wird diese freimachende Wahrheit nur bei denen zu erkennen sein, die den Konzilstexten wahrhaftig Folge leisten und sie kennen. Denn in den Konzilstexten wird der Willen Christi offenkundig, der durch seinen mystischen Leib und in den Sakramenten immer wieder zu uns spricht durch die Kirche spricht.

Schließlich sollte man die beiden Konzilspäpste zu Wort kommen lassen und hören, was sie sich unter dem Zweiten Vatikanischen Konzil vorstellten:

Hauptziel dieses Konzils wird sein, das Wachstum des katholischen Glaubens und die heilsame Erneuerung der Sitten des christlichen Volkes zu fördern, sowie die kirchliche Disziplin den Notwendigkeiten unserer Zeit anzupassen. Das wird ohne Zweifel ein wunderbares Schauspiel der Wahrheit der Einheit, der Wahrheit und der Liebe sein, ein Schauspiel, das auch in der Sicht jener, die von diesem Apostolischen Stuhl getrennt sind, eine sanfte Einladung sein wird, wie Wir hoffen, jene Einheit zu suchen und zu erlangen, die Jesus Christus in solch glühenden Gebeten vom Himmlischen Vater erflehte. (Heiliger Johannes XXIII. „Ad petri cathedram Nr. 33).

 „Ja, diese nachdrückliche Einladung zur Heiligkeit ist ein besonderer Zug der Lehre gerade dieses Konzils und gleichsam seine letzte Zielsetzung.“ (Seliger Paul VI. „Sanctitas clarior“)

Foto: Papst Paul VI. in der Konzilsaula – Bildquelle: Lothar Wolleh / Wikipedia

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