Wenn du mir nachfolgen willst, wende dich dem Kreuz zu!

13. Sonntag im Kirchenjahr A. Homilie des heiligen Augustinus. (Sermo 96, 1-4: Pl 38, 584) Übersetzung: Gero P. Weishaupt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 27. Juni 2020 um 20:04 Uhr
Unter dem Geheimnis des Kreuzes

Es scheint hart und schwer zu sein, was der Herr da befiehlt: Wenn jemand ihm folgen will, soll er sich selber verleugnen. Doch ist es weder hart noch schwer, was der befiehlt, der auch hilft, damit verwirklicht wird, was er befiehlt. Und wahr ist, was er gesagt hat: „Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ Die Liebe bewirkt, dass alles, was an seinen Geboten hart ist, leicht ist.

Wir wissen, wieviel die Liebe bewirkt. Meistens ist die Liebe sogar selber  schlecht und ausgelassen. Wie große Not haben die Menschen ausgehalten, wieviel Unwürdiges und Unerträgliches erduldet, um dorthin zu gelangen, was sie geliebt haben. Da es solche Menschen in großer Anzahl gibt, wie es Liebe gibt, und man sich nicht zu sorgen braucht über die Weise, wie man leben soll, außer dass man den Gegenstand der Liebe wählt, was wundert man sich dann, wenn jener, der Christus liebt und ihm nachfolgen will, in der Liebe sich selbst verleugnet. Denn wenn der Mensch im Akt der Liebe sein Leben verliert, wird er es finden, indem er sich verleugnet.

Wer will nicht Christus dorthin folgen, wo das höchste Glück, der höchste Friede und die ewige Sicherheit ist. Es ist gut, ihm dorthin zu folgen. Aber man muss schauen, auf welchem Weg. Und tatsächlich sagte Jesus damals nicht diese Worte, als er von den Toten bereits auferstanden war. Er hat hatte noch nicht gelitten. Er war im Begriffe, sich dem Kreuz, der Entehrung, den Beschimpfungen, der Geißelung, der Dornenkrone, den Wunden, den Beleidigungen, den Schmähungen, dem Tod zu nähern. Der Weg ist gleichsam rauh. Er macht dich verdrossen. Du willst nicht folgen. Folge. Rauh ist, was sich der Mensch selber gemacht hat, doch abgenutzt, was Christus bei seiner Rückkehr festgetreten hat.

Denn wer will nicht zur Erhöhung schreiten? Die Höhe erfreut doch alle. Aber die Demut ist ein Stufe dorthin. Was streckst du den Fuß über dich hinaus? Willst du fallen, nicht aufsteigen? Beginn ab der Stufe und steige dann hinauf. Diese Stufe der Demut wollten jene beiden Jünger nicht beachten, die sagten: „Herr, gib, dass einer von uns in deinem Reich an deiner rechten Seite sitzt  und der andere an deiner linken.“ Sie strebten nach Erhöhung, sahen aber nicht die Stufe dorthin. Der Herr aber zeigt die Stufe. Denn was war seine Antwort? „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde.“ Ihr, die ihr nach höchster Erhörung strebt, könnt den Kelch der Demut trinken. Deswegen sagte er nicht nur: Er soll sich verleugnen und mir nachfolgen, sondern er fügte hinzu: Er soll sein Kreuz auf sich nehmen und mit nachfolgen.

Was heißt das: Er soll sein Kreuz auf sich nehmen? Er soll erdulden, was beschwerlich ist. So soll er mir folgen. Wenn er nämlich angefangen hat, mich in meiner Lebensweise und im Halten meiner Gebote zu folgen, wird er auf viele stoßen, die ihm widersprechen, auf viele, die ihn davon abhalten, auf viele, die ihn davon abraten. Das sagt er gleichsam über die, die Christus begleiten. Mit Christus gingen die, die die Blinden daran hinderten zu rufen. Ob es nun Drohungen, ob es Schmeicheleien, ob es jede Art von Verhinderungen sind: wende dich dem Kreuz zu, wenn du ihm folgen willst.  Erdulde, ertrage, falle nicht zu Boden. Durch diese Worte des Herrn treten die Martyrien, zu denen er aufgerufen hat, in Erscheinung. Muss man nicht für Christus, wenn es zu Verfolgungen kommt,  alles geringschätzen?

Foto: Unter dem Geheimnis des Kreuzes – Bildquelle: Pneuma-Verlag