Weihnachtliche Spurensuche in Rom

Papstbasilika Santa Maria Maggiore gilt als das „römische Bethlehem“.
Erstellt von Radio Vatikan am 24. Dezember 2014 um 09:42 Uhr

Rom (kathnews/RV). Das echte „Bambinello“ wurde zwar schon 1994 gestohlen, doch durchschreitet man das Kirchenschiff von Santa Maria in Aracoeli, gelangt man zu einer kleinen Kapelle mit einer Kopie des der Tradition nach von einem Franziskanermönch aus Olivenholz vom Berg Getsemani geschnitzten Jesus-Wickelkind, dem im Laufe der Jahrhunderte unzählige Heilungen und Wunder zugeschrieben wurden. Vor dem Holz-Jesus sammeln sich weiße Zettelchen: Die Wunschzettel römischer Kinder, die sie in der Weihnachtszeit in die Krippenkapelle legen und wofür sich die Kinder mit einem Gedicht oder einem Lied bedanken. Es sind andere, feinere Zeichen von „Weihnachten“, die man in Rom findet. Mit der Weihnachtsatmosphäre, unzähligen Lichtern und Dekoration hat das Weihnachten in Rom wenig zu tun, sagt der Leiter des Deutschen Pilgerzentrums, Pfarrer Werner Demmel. Er hat schon die letzten Weihnachtsfeiertage hier verbracht und war nicht nur wegen des nass-kalten Wetters enttäuscht.

„Viele, die aus dem deutschsprachigen Raum herkommen, werden das Ambiente vermissen, das wir Deutsche kennen, was so typisch den Advent und die Weihnachtszeit ausmacht. Das hat man hier alles nicht, also für uns ist viel Kitsch da, aber dieses heimelige, was für uns die Atmosphäre herstellt, das vermisst man hier.“

Prachtvolle Krippen

Für die Römer beginnt mit Maria Empfängnis am 8. Dezember der eigentliche Beginn der Vorbereitung auf Weihnachten. Papst Franziskus betet an diesem Tag vor der „Immacolata“-Säule bei der Spanischen Treppe und legt Maria einen Kranz zu Füßen, in vielen Familien wird auch an diesem Tag der Weihnachtsbaum aufgestellt und geschmückt. Die Krippe und der Christbaum auf dem Petersplatz und auch die anderen Krippen in den Kirchen Roms und auf den Plätzen werden ab diesem Tag aufgebaut und enthüllt. Wer in der Weihnachtszeit – in der die Temperaturen schon noch zwanzig Grad erreichen können, es aber auch häufig regnet – Rom besucht und sich einstimmen will, sollte die italienischen Kirchen, die bekannt sind für ihre schönen Krippen, keinesfalls verpassen. Die Santa Maria dell’Anima, die Kirche der deutschsprachigen Gemeinde in Rom, lohnt einen Besuch, ebenso San Pietro in Vincoli in der Nähe des Kolosseums, in die Krippe in Sant’Eustachio wurde sogar eine kleine Franziskus-Figur integriert und auch in der Santi Cosma e Damiano ist ein besonders prachtvolles Exemplar zu sehen. Letztere ist noch aus einem anderen Grund ein ganz besonderer Anlaufpunkt für Pilger, weiß Pfarrer Demmel.

„Der Legende nach steht sie wohl auf den Grundmauern der alten Zensusbehörde von Rom, von wo aus ja die Volkszählung der Bewohner des Römischen Reiches ausging. Santi Cosma e Damiano ist eine wunderschöne barocke Kirche, die mittelalterlich ist, aber auf den Grundmauern eines alten Tempels beziehungsweise einer altrömischen Behörde steht. Ich brauche nichts zu sagen zu Cosmas und Damian, denke ich – das Zwillingspärchen aus Persien, beide sind Ärzte, beiden gelten als Patrone der Ärzte, die in der Antike dafür bekannt waren, dass sie Arme umsonst behandelt haben und für ihr christliches Zeugnis dann auch das Blutzeugnis auf sich nahmen.“

Auf den Spuren der Weihnachtsgeschichte

Zwei weitere Orte in Rom, die in Verbindung mit der christlichen Weihnachtsgeschichte stehen, sind die beiden Marienkirchen Santa Maria Maggiore und Santa Maria in Trastevere. Der Legende nach soll sich in Trastevere 38 v. Chr. eine Erdölquelle aufgetan haben, die einen Vorverweis auf die Geburt des Messias gegeben haben soll. Die Papstbasilika Santa Maria Maggiore gilt wiederum als das „römische Bethlehem“. Angebliche Reste der Futterkrippe, in die das Jesuskind gelegt wurde, werden in einem Reliquienschrein aus Kristall, der die Form einer Krippe hat, aufbewahrt.

„Der Legende nach hat die Heilige Helena das heilige Land aufgesucht, nachdem das Christentum ja gesiegt hat und nicht mehr verfolgt wurde und dann nach und nach zur Staatsreligion wurde, ist die Mitter des Kaisers Konstantin nach Jerusalem, in das damalige zerstörte Jerusalem und hat Nachforschungen angestellt aufgrund biblischer Zeugnisse. Man muss staunen – es gab ja keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, sondern sie hat sich einfach auf ihren Spürsinn verlassen. Es gehören unter anderem die beiden Hölzer dazu, das Kreuz und die Krippe. Das Kreuz, das in Jerusalem den Gläubigen gezeigt wird und dann eben Rest der Krippe Jesu von Bethlehem, die gefasst in der Confessio von Santa Maria Maggiore zu sehen sind.“

Santa Maria Maggiore, die in ihrer heutigen Form von Sixtus III. in Auftrag gegeben wurde, gilt als die imposanteste der über 80 Marienkirchen Roms. Der Ursprung für diese enorme Anzahl liegt weit zurück: Nachdem das Konzil von Ephesos Maria 431 zur „Gottesgebärerin“ erklärt hatte, fand die Marienverehrung ihre bauliche Umsetzung in den vielen Marienkirchen. Santa Maria Maggiore birgt eine der meistverehrten Ikonen Roms, außerdem die wohl erste monumentale, aus Stein geschaffene Krippendarstellung.

Foto: Alte Messe am Krippenaltar, Santa Maria Maggiore – Bildquelle: Andreas Gehrmann