Was ist der Ablass?

Katechismus der Katholischen Kirche.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 26. November 2012 um 18:19 Uhr
Befreiung armer Seelen aus dem Fegefeuer

»Die Lehre ĂŒber die AblĂ€sse und deren Anwendung in der Kirche hĂ€ngen eng mit den Wirkungen des Bußsakramentes zusammen. Was ist der Ablass? „Der Ablass ist Erlass einer zeitlichen Strafe vor Gott fĂŒr SĂŒnden, die hinsichtlich der Schuld schon getilgt sind. Ihn erlangt der ChristglĂ€ubige, der recht bereitet ist, unter genau bestimmten Bedingungen durch die Hilfe der Kirche, die als Dienerin der Erlösung den Schatz der Genugtuungen Christi und der Heiligen autoritativ austeilt und zuwendet.“ „Der Ablass ist Teilablass oder vollkommener Ablass, je nachdem er von der zeitlichen SĂŒndenstrafe teilweise oder ganz freimacht.“ AblĂ€sse können den Lebenden und den Verstorbenen zugewendet werden (Paul VI., Ap. Konst. „Indulgentiarum doctrina“ normĂŠ 1-3).

Die SĂŒndenstrafen

Um diese Lehre und Praxis der Kirche zu verstehen, mĂŒssen wir wissen, dass die SĂŒnde eine doppelte Folge hat. Die schwere SĂŒnde beraubt uns der Gemeinschaft mit Gott und macht uns dadurch zum ewigen Leben unfĂ€hig. Diese Beraubung heißt „die ewige SĂŒndenstrafe“. Andererseits zieht jede SĂŒnde, selbst eine geringfĂŒgige, eine schĂ€dliche Bindung an die Geschöpfe nach sich, was der LĂ€uterung bedarf, sei es hier auf Erden, sei es nach dem Tod im sogenannten Purgatorium [LĂ€uterungszustand]. Diese LĂ€uterung befreit von dem, was man „zeitliche SĂŒndenstrafe“ nennt. Diese beiden Strafen dĂŒrfen nicht als eine Art Rache verstanden werden, die Gott von außen her ausĂŒben wĂŒrde, sondern als etwas, das sich aus der Natur der SĂŒnde ergibt. Eine Bekehrung, die aus glĂŒhender Liebe hervorgeht, kann zur völligen LĂ€uterung des SĂŒnders fĂŒhren, so dass keine SĂŒndenstrafe mehr zu verbĂŒĂŸen bleibt [Vgl. K. v. Trient: DS 1712-1713; 1820].

Die SĂŒndenvergebung und die Wiederherstellung der Gemeinschaft mit Gott bringen den Erlass der ewigen SĂŒndenstrafen mit sich. Zeitliche SĂŒndenstrafen verbleiben jedoch. Der Christ soll sich bemĂŒhen, diese zeitlichen SĂŒndenstrafen als eine Gnade anzunehmen, indem er Leiden und PrĂŒfungen jeder Art geduldig ertrĂ€gt und, wenn die Stunde da ist, den Tod ergeben auf sich nimmt. Auch soll er bestrebt sein, durch Werke der Barmherzigkeit und der NĂ€chstenliebe sowie durch Gebet und verschiedene BuĂŸĂŒbungen den „alten Menschen“ gĂ€nzlich abzulegen und den „neuen Menschen“ anzuziehen [Vgl. Eph 4,24].

In der Gemeinschaft der Heiligen

Der Christ, der sich mit der Gnade Gottes von seiner SĂŒnde zu lĂ€utern und sich zu heiligen sucht, steht nicht allein. „Das Leben jedes einzelnen Kindes Gottes ist in Christus und durch Christus mit dem Leben aller anderen christlichen BrĂŒder in der ĂŒbernatĂŒrlichen Einheit des mystischen Leibes Christi wie in einer mystischen Person in wunderbarem Band verbunden“ (Paul VI., Ap. Konst. „Indulgentiarum doctrina“ 5). In der Gemeinschaft der Heiligen „besteht unter den GlĂ€ubigen – seien sie bereits in der himmlischen Heimat oder sĂŒhnend im Reinigungsort oder noch auf der irdischen Wanderschaft – in der Tat ein dauerhaftes Band der Liebe und ein ĂŒberreicher Austausch aller GĂŒter“ (ebd.). In diesem wunderbaren Austausch kommt die Heiligkeit des einen den anderen zugute, und zwar mehr, als die SĂŒnde des einen dem anderen schaden kann. So ermöglicht die Inanspruchnahme der Gemeinschaft der Heiligen dem reuigen SĂŒnder, dass er von den SĂŒndenstrafen frĂŒher und wirksamer gelĂ€utert wird.

Diese geistlichen GĂŒter der Gemeinschaft der Heiligen nennen wir auch den Kirchenschatz. „Er ist nicht so etwas wie eine Summe von GĂŒtern nach Art von materiellen ReichtĂŒmern, die im Lauf der Jahrhunderte angesammelt wurden. Vielmehr besteht er in dem unendlichen und unerschöpflichen Wert, den bei Gott die SĂŒhneleistungen und Verdienste Christi, unseres Herrn, haben, die dargebracht wurden, damit die gesamte Menschheit von der SĂŒnde frei werde und zur Gemeinschaft mit dem Vater gelange. Der Kirchenschatz ist Christus, der Erlöser, selbst, insofern in ihm die Genugtuungen und Verdienste seines Erlösungswerkes Bestand und Geltung haben [Vgl. Hebr 7,23-25; 9,11-28.]“ (ebd.). „Außerdem gehört zu diesem Schatz auch der wahrhaft unermessliche, unerschöpfliche und stets neue Wert, den vor Gott die Gebete und guten Werke der seligsten Jungfrau Maria und aller Heiligen besitzen. Sie sind den Spuren Christi, des Herrn, mit seiner Gnade gefolgt, haben sich geheiligt und das vom Vater aufgetragene Werk vollendet. So haben sie ihr eigenes Heil gewirkt und dadurch auch zum Heil ihrer BrĂŒder in der Einheit des mystischen Leibes beigetragen“ (ebd.).

Gott erlĂ€sst SĂŒndenstrafen durch die Kirche

Der Ablass wird gewĂ€hrt durch die Kirche, die kraft der ihr von Jesus Christus gewĂ€hrten Binde- und Lösegewalt fĂŒr den betreffenden Christen eintritt und ihm den Schatz der Verdienste Christi und der Heiligen zuwendet, damit er vom Vater der Barmherzigkeit den Erlass der fĂŒr seine SĂŒnden geschuldeten zeitlichen Strafen erlangt. Auf diese Weise will die Kirche diesem Christen nicht nur zu Hilfe kommen, sondern ihn auch zu Werken der Frömmigkeit, der Buße und der NĂ€chstenliebe anregen [Vgl. Paul VI., Ap. Konst. „Indulgentiarum doctrina“ 8; K. v. Trient: DS 1835]. Da die verstorbenen GlĂ€ubigen, die sich auf dem LĂ€uterungsweg befinden, ebenfalls Glieder dieser Gemeinschaft der Heiligen sind, können wir ihnen unter anderem dadurch zu Hilfe kommen, dass wir fĂŒr sie AblĂ€sse erlangen. Dadurch werden den Verstorbenen im Purgatorium fĂŒr ihre SĂŒnden geschuldete zeitliche Strafen erlassen.«

Textquelle: KKK [1471-1479]

Foto: Befreiung armer Seelen aus dem Fegefeuer – Bildquelle: Wolfgang Sauber / Wikipedia

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