Was hat der Papst gesagt?

Medien manipulieren erneut eine Aussage des Papstes. Dieser sprach in einem Interview jedoch nicht von der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 17. April 2016 um 23:08 Uhr
Papst Franziskus

Vatikan (kathnews). Verschiedene Medien berichteten am Sonntag, der Papst solle bei der „fliegenden Pressekonferenz“ auf der RĂĽckreise von Lesbos nach Rom am vergangenen Samstag auf die Frage eines Jounalisten geantwortet haben, dass wiederverheiratete Geschiedene die heilige Kommunion empfangen dĂĽrfen.

Laut Radio Vatikan hat der Journalist nicht die Frage der Wiederzulassung zur heiligen Kommunion gestellt. Kathnews gibt hier den Text wieder, wie er bei Radio Vatikan veröffentlicht worden ist:

„Franziskus ging bei der fliegenden Pressekonferenz auch auf das vor einer Woche veröffentlichte Apostolische Schreiben „Amoris Laetitia“ ein. Auf die Frage eines Journalisten, ob das Dokument zum Thema Ehe und Familie „neue Möglichkeiten für wiederverheiratete Geschiedene“ eröffnete, versetzte er: „Ich könnte schon sagen: Ja. Aber das wäre eine zu kurze Antwort.“ Wenn man die Einführung von Kardinal Schönborn zum Text lese, dann habe man die Antwort. Ein französischer Journalist hakte nach: Warum Franziskus das Thema Sakramentenempfang für wiederverheiratete Geschiedene denn in einer Fußnote versteckt habe? Der Papst erläuterte, das habe er getan, „weil es schon in Evangelii Gaudium“, also dem programmatischen Apostolischen Schreiben von 2013, gestanden habe.

Der Journalist fragte also nach den „neue(n) Möglichkeiten fĂĽr wiederverheiratete Geschiedene“ nach dem postsynodalen Schreiben Amoris laetitia. Er fragte nicht, ob diese nun zur heiligen Kommunion zugelassen werden dĂĽrfen. Die Antwort des Papstes auf die Frage nach den „neue(n) Möglichkeiten“ lautete: „Ich könnte schon sagen: Ja. Aber das wräe eine zu kurze Antwort“.

Wer das jĂĽngste Schreiben des Papstes ĂĽber Ehe und Familie und die einschlägigen Hinweise auf das Apostolische Schreiben Evangelii Gaudium liest, der wird feststellen, dass der Papst tatsächlich auf neue Möglichkeiten einer Eingliederung der wiederverheiraten Geschiedenen in das kirchliche Leben hinweist. Doch weder im Lehrschreiben Amoris laetitia noch in dem Interview auf der „fliegenden Pressekonferenz“, noch in Evangelii Gaudium  erwähnt der Papst die Möglichkeit einer Zulassung zur heiligen Kommunion.

In Bezug auf die „FuĂźnote“, auf die ein weiterer Jounalist aufmerksam machte, verwies der Papst auf Aussagen in Evangelii Gaudium. Kathnews hat die einschlägigen Stellen in Amoris laetitia und Evangelii Gaudium zusammengetragen:

Amoris laetitia

Die Normen und die Unterscheidung

 305. Daher darf ein Hirte sich nicht damit zufrieden geben, gegenüber denen, die in „irregulären“ Situationen leben, nur moralische Gesetze anzuwenden, als seien es Felsblöcke, die man auf das Leben von Menschen wirft. Das ist der Fall der verschlossenen Herzen, die sich sogar hinter der Lehre der Kirche zu verstecken pflegen, » um sich auf den Stuhl des Mose zu setzen und – manchmal von oben herab und mit Oberflächlichkeit – über die schwierigen Fälle und die verletzten Familien zu richten «. Auf derselben Linie äußerte sich die Internationale Theologische Kommission: » Das natürliche Sittengesetz sollte also nicht vorgestellt werden als eine schon bestehende Gesamtheit aus Regeln, die sich a priori dem sittlichen Subjekt auferlegen, sondern es ist eine objektive Inspirationsquelle für sein höchst personales Vorgehen der Entscheidungsfindung. «Aufgrund der Bedingtheiten oder mildernder Faktoren ist es möglich, dass man mitten in einer objektiven Situation der Sünde – die nicht subjektiv schuldhaft ist oder es zumindest nicht völlig ist – in der Gnade Gottes leben kann, dass man lieben kann und dass man auch im Leben der Gnade und der Liebe wachsen kann, wenn man dazu die Hilfe der Kirche bekommt. Die Unterscheidung muss dazu verhelfen, die möglichen Wege der Antwort auf Gott und des Wachstums inmitten der Begrenzungen zu finden. In dem Glauben, dass alles weiß oder schwarz ist, versperren wir manchmal den Weg der Gnade und des Wachstums und nehmen den Mut für Wege der Heiligung, die Gott verherrlichen. Erinnern wir uns daran, dass »ein kleiner Schritt inmitten großer menschlicher Begrenzungen […] Gott wohlgefälliger sein [kann] als das äußerlich korrekte Leben dessen, der seine Tage verbringt, ohne auf nennenswerte Schwierigkeiten zu stoßen «.Die konkrete Seelsorge der Amtsträger und der Gemeinden muss diese Wirklichkeit mit einbeziehen.

FuĂźnote 351

In gewissen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente sein. Deshalb » erinnere ich [die Priester] daran, dass der Beichtstuhl keine Folterkammer sein darf, sondern ein Ort der Barmherzigkeit des Herrn « (Apostolisches Schreiben Evangelii Gaudium  [14. November 2013], 44: AAS 105 [2013], S. 1038). Gleichermaßen betone ich, dass die Eucharistie » nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen « ist ( ebd., 47: AAS 105 [2013], S. 1039).

Evangelii gaudium

Weitere kirchliche Herausforderungen

105. Die Jugendpastoral, wie wir sie gewohnheitsmäßig entwickelten, ist von der Welle der gesellschaftlichen Veränderungen getroffen worden. Die Jugendlichen finden in den üblichen Strukturen oft keine Antworten auf ihre Sorgen, Nöte, Probleme und Verletzungen. Uns Erwachsenen verlangt es etwas ab, ihnen geduldig zuzuhören, ihre Sorgen und ihre Forderungen zu verstehen und zu lernen, mit ihnen eine Sprache zu sprechen, die sie verstehen. Aus ebendiesem Grund bringen die Erziehungsvorschläge nicht die erhofften Ergebnisse. Die Vermehrung und das Wachsen von Verbänden und Bewegungen vornehmlich junger Menschen kann als ein Wirken des Heiligen Geistes interpretiert werden, der neue Wege öffnet, die mit ihren Erwartungen und ihrer Suche nach einer tiefen Spiritualität und nach dem Gefühl einer konkreteren Zugehörigkeit im Einklang stehen. Es ist jedoch notwendig, die Beteiligung dieser Gruppen innerhalb der Gesamtpastoral der Kirche zu festigen.

Foto: Papst Franziskus – Bildquelle: Kathnews