Was die Franziskaner Immaculata betrifft …

Papst Benedikt XVI. hatte die Apostolische Visitation bereits angeordnet.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 30. Juli 2013 um 22:39 Uhr
Alte Messe

In den vergangenen Tagen berichteten verschiedene Medien, dass die der klassischen Form des Römischen Ritus verbundenen Franziskaner der Immaculata einem Apostolischen Kommissar unterstellt würden. Auf vielen Blogs und sozialen Netzwerken reagierten traditionsverbundene und traditionalistische Kreise darauf mit Unverständnis, Sorge und Empörung. Zuweilen wird der Teufel an die Wand gemalt: Man sieht das Eingreifen Papst Franziskus‘ als einen Angriff auf das Motu Proprio Summorum Pontificum, mit dem Papst Benedikt XVI. die klassische Liturgie am 7. Juli 2007 wieder allgemein zugelassen hat. Dabei hatte Papst Franziskus noch vor einigen Wochen vor italienischen Bischöfen versichert, das Motu Proprio Summorum Pontificum nicht „anzurühren“?

Pater Alipius Müller hat auf seinem Blog „Klosterneuburger Marginalien“ mit seinem Beitrag „Was die Franziskaner Immaculata betrifft …“ zu den Reaktionen im Netz Stellung genommen. Mit Genehmigung des Autors veröffentlicht Kathnews seine Stellungnahme:

Keine altrituelle Gemeinschaft

»1.) Die Kongregation wurde 1970 nicht als altrituelle Gemeinschaft gegründet, sondern beschloss 2008 im Kielwasser von Summorum Pontificum auf einem Generalkapitel, dass alle Priester der Gemeinschaft die außerordentliche Form des Römischen Ritus erlernen sollten. Seither wird sowohl die ordentliche als auch die außerordentliche Form gefeiert.

Interner Bruch

2.) Dieser Beschluss führte zu einem Bruch innerhalb der Gemeinschaft, wie eines der Mitglieder hier auf seinem Blog schreibt.

Eingreifen des Vatikans

3.) Den Bruch wiederum konnte die Gemeinschaft nicht aus eigener Kraft kitten, so dass es zu einer Apostolischen Visitation kam, deren Startschuss natürlich noch unter Benedikt XVI. gegeben wurde.

4.) Als Folge der Visitation wurde nun die Kongregation einem Apostolischen Kommissar ad nutum Sanctae Sedis unterstellt.

5.) Das entsprechende Dekret informiert die Franziskaner der Immaculata nicht nur über die Unterstellung unter einen Apostolischen Kommissar, sondern teilt auch die Anordnung des Papstes mit, „dass jeder Angehörige der Kongregation der Franziskaner der Immakulata angehalten ist, die Liturgie nach dem ordentlichen Ritus zu zelebrieren und dass, eventuell, der Gebrauch der außerordentlichen Form (Vetus Ordo) ausdrücklich von den zuständigen Stellen für jeden Ordensangehörigen und/oder jede Gemeinschaft genehmigt werden muss, der dies beantragt.“

Papst Franziskus lehnt Summorum Pontificum nicht ab.

6.) Diese Einschränkungen sind, wie ein weiteres Mitglied der Franziskaner der Immaculata schreibt, „specific to us and have been put in place for reasons specific to us“. Die vorsichtige Schlussfolgerung, die ich erst einmal biete: Die Einschränkung der Feier des Heiligen Messopfers in der außerordentlichen Form des römischen Ritus hat weniger damit zu tun, dass der Papst selbst diese Form ablehnt, sondern damit, dass innerhalb der Franziskaner der Immaculata ein Zwist entstand, der sich um eben diese Form rankt. Daher – um mal eine in diesen Tagen doch recht populäre Formulierung aufzugreifen…: Wer bin ich, dass ich über Papst Franziskus urteile? Ich habe gestern einen eher streifenden Blick auf die eine oder andere facebook-Debatte zum Thema geworfen, und ich war entsetzt, dass dort einige Leute lautstark und hämisch mit ihren „Ich habe zuerst vor Franziskus gewarnt“-Pokalen herumstolzierten. Genau diese Art von Zwietracht ist es, die den Teufel am Ende des Tages zufrieden rülpsen lässt. Keine Frage: Wenn die Fakten es hergeben, dann darf man sich auch kritisch zum Papst äußern. Aber im Moment scheint mir das Triumphgeheul der Franziskus-Skeptiker verfrüht und daher schädlich.

Vielleicht sollten wir uns alle eine Scheibe bei den Franziskanern der Immaculata abschneiden, denn die beiden oben verlinkten Beiträge der Mitglieder zeigen vor allem eines: Große Treue zum Papst und unerschütterliches Vertrauen in die Heilige Mutter Kirche.«

Foto: Alte Messe – Bildquelle: Marianne Müller