Warum müssen Zölibatäre ein sexuelles Bekenntnis ablegen?

Ein Kommentar von Margarete Strauss zu den Äußerungen Lutterbachs.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 7. Mai 2021 um 15:40 Uhr

Am 5. Mai 2021 hat Hubertus Lutterbach, Professor für Christentums- und Kulturgeschichte an der Universität Duisburg-Essen und Priester in der Osnabrücker Pfarrgemeinde Heilig Kreuz, sich gegenüber dem epd zur Aktion #liebegewinnt geäußert, dem bundesweiten Aufruf, am 10. Mai in katholischen Pfarreien Segnungsfeiern für „Liebende“ abzuhalten. Lutterbach selbst gehört zu den Initiatoren der Aktion.

Er stimmt dabei das allseits gehörte Mantra „Frauenweihe und Abschaffung des Zölibats“ an, das auch beim Synodalen Weg in Dauerschleife erschallt, überdies Forderungen, die aus der Transgender-Ideologie gefolgert werden, nämlich die Zulassung von Transgender-Personen zur Priesterweihe und zum Ehesakrament.

Lutterbach rekurriert auf die Liebe im biblischen Sinn, um die Aktion #liebegewinnt zu legitimieren: „Segen ist Ausdruck der Gottesliebe und der Nächstenliebe. Wie könnten wir Menschen den Segen vorenthalten, die sich zu dieser Liebe bekennen?“ Solche Aussagen zeigen eine Verengung des Segensbegriffs auf sowie das Fehlen der Unterscheidung zwischen Segen von Einzelpersonen und Beziehungen. Offenkundig wird göttliche Liebe mit Lust verwechselt. Agape und Unzucht können unmöglich in eine Kongruenz gebracht werden.

Sünde ist keine Liebe. Besonders evident zeigt sich dies in den Abschiedsreden Jesu, in denen dieser die Liebe als das Halten der Gebote Gottes ausfaltet. Umso ironischer, dass Lutterbach ausgerechnet aus den Abschiedsreden zitiert, um davon die Segnung homosexueller Beziehungen abzuleiten: „Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran halten wir uns.“ Gottes Gebote sind eindeutig und ein Blick in die Genesis genügt, um zu begreifen, wie Gottes Gebote bezüglich sexueller Beziehungen sind. Sie halten sich eben nicht an Jesu Worte.

Lutterbach suggeriert mit solchen Aussagen, dass die Aktion #liebegewinnt auf der Grundlage des Evangeliums stehe. Jesus spricht von der göttlichen Liebe, nicht von Gutheißung von Unzucht. Wer Homosexuelle wirklich liebt, muss auch ihnen aufzeigen, wie sie das ewige Heil erlangen können, statt sie ins offene Messer laufen zu lassen. Mit derartigen Aktionen wie #liebegewinnt ist den Homosexuellen nicht geholfen, vielmehr werden diese für eine kirchenpolitische Agenda instrumentalisiert.

Besonders irritiert die „Ermutigung“ an die Priester, ihre sexuelle Identität öffentlich zu machen. Warum müssen Zölibatäre über sexuelle Identität sprechen, wenn sie diese ohnehin nicht ausleben? Um es mit Birgit Kelle zu sagen: „Und was sind das für Menschen, die unbedingt wissen wollen, welchen Sex ein Priester nicht hat?“  Es erschließt sich einem nicht, inwiefern eine solche Offenbarung irgendwem helfen soll. Dies ergibt höchstens Sinn im Zuge der Aufarbeitung von Missbrauch. Auch dahinter steckt offenkundig die Absicht, die Dämme des Zölibats zu brechen, indem massenhafte Bekenntnisse von Priestern zu seiner Abschaffung führen sollen. Dabei werden auch hier wieder Menschen geopfert, die in der Öffentlichkeit bloßgestellt werden.

Das Datum der Segensaktion ist keineswegs zufällig gewählt. Auf der Internetseite der Aktion #liebegewinnt heißt es: „Am 10. Mai ist laut ökumenischem Heiligenlexikon einer der Gedenktage des Noah. Er ist in der Bibel der Stammvater aller Geschlechter. Gott sandte ihm den Regenbogen als Zeichen seines Bundes. Der Name Noah bedeutet übersetzt: der Ruhe Bringende, der Tröster.“ Es geht um die Pervertierung des Bundes Gottes mit Noah, ein Familienbund basierend auf der naturrechtlichen Grundlage, die Gott bereits bei der Schöpfung festgelegt hat.

Es geht nicht einfach um Gleichberechtigung und alternative Beziehungsmodelle, um „Polyvalenz“ – ein Lieblingswort auf dem Synodalen Weg – oder um Abbau von Diskriminierung, wenn hier eindeutig von Bund die Rede ist. Der Zielpunkt ist erreicht mit der Erosion des Ehesakraments und seiner naturrechtlichen Grundlage. Lutterbachs Aussagen sowie die Aktion #liebegewinnt offenbaren gleichermaßen einen Angriff auf Priestertum und Ehebund, zwei Grundpfeiler der Katholischen Kirche.

Foto:  Regenbogenfahne – Bildquelle: Kathnews

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