Vor 1700 Jahren trat Silvester I. sein Amt an

Ein Papst fürs Jahresende. Von Burkhard Jürgens (KNA).
Erstellt von Katholische Nachrichten-Agentur am 25. Januar 2014 um 10:00 Uhr

Bonn/Rom (kathnews/KNA). Eigentlich ist Silvester einer der Großen der Geschichte: erster Papst nach der
Christenverfolgung und – zumindest der Legende nach – Begründer der weltlichen Macht der Päpste.
Mitgestalter des Konzils von Nicäa, Erbauer von Sankt Peter und dem Lateran in Rom. Alles vergessen, verstaubter Stoff für Gelehrte. Was ihn der Nachwelt im Gedächtnis hält, ist sein Todestag, den die Kirche später als Gedenktag beging – zufällig ein 31. Dezember. Vor 1.700 Jahren, am 31. Januar 314, trat der Papst, dem der Silvestertag seinen Namen verdankt, sein Amt an. Die geschichtliche Stunde und seine Gesundheit hatten Silvester begünstigt: Die Kirche hatte Frieden, und sein Pontifikat sollte mit 21 Jahren das achtlängste bis heute werden. Silvester wusste wohl, dass er diese Gunst nutzen musste: Wenige Jahre zuvor hatte er die Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian (284-305) erlebt. Die reichsweiten Razzien 303 bis 305 waren die letzten und härtesten. Wie Silvester, seit 284 Priester, durch die Verfolgung kam, ist historisch nicht zu erheben; fest steht, dass man ihn später als „confessor“ (Bekenner) würdigte.

313 brachte die Wende für Christen: Die Kaiser Konstantin (306-337) und Licinius (308-324) garantierten in der Mailänder Vereinbarung Religionsfreiheit. Konstantin förderte den neuen christlichen Kult nicht zuletzt, um sich politisch zu profilieren. Unter diesen Voraussetzungen wurde Silvester 314 Bischof von Rom. Die spätere Legende zeichnet ihn als machtvollen Gegenspieler Konstantins: Während einer (geschichtlich nicht belegten) Verfolgung zog sich Silvester demnach auf den Berg Soratte nördlich von Rom zurück, auf dessen Gipfel noch heute eine Einsiedelei seines Namens steht. Dort wartete er gelassen, bis Gott den Kaiser mit Aussatz schlug und dieser reumütig zum Papst pilgern musste. Zum Dank erhielt Silvester die „Konstantinische Schenkung“, den Vorrang Roms über alle anderen Bischofssitze und die Herrschaft über Italien und den Westen des Reiches. Das Dokument ist eine Fälschung um das Jahr 800, machte aber Eindruck. Ein wunderbarer Freskenzyklus aus dem 13. Jahrhundert in der römischen Kirche Quattro Coronati schildert die Legende, und allein dieses Kunstwerks wegen möchte man den Päpsten die Mogelei verzeihen.

Deutlich wird darin der Versuch, die Macht des Papsttums an die Anfänge unter Silvester zu binden. Dazu fügt sich die Anekdote, Silvester habe während der diokletianischen Verfolgung vor einem kaiserlichen Statthalter die Herausgabe der Kirchengüter verweigert und stattdessen den Beamten an einer Fischgräte ersticken lassen. Wie sehr sich Bischof und Kaiser beharkten, steht dahin. Alt-Sankt-Peter, der Vorgängerbau des heutigen Petersdoms, ist ebenso eine Gründung Konstantins wie eine Kirche Silvesters. Auch der Einfluss des römischen Bischofs auf das Konzil von Nicäa (325), einer Richtungsentscheidung für die Gesamtkirche, wird unterschiedlich beurteilt. Nach Darstellung des zeitgenössischen Historikers Eusebius von Caesarea blieb Silvester dem Bischofstreffen unter Hinweis auf sein Alter fern; allerdings amtierte er danach noch ein volles Jahrzehnt. Konstantin löste damals eine entscheidende theologische Streitfrage mit kaiserlicher Autorität als „Bischof der Bischöfe“. Das passt nicht recht zu der überlegenen Rolle Silvesters in der Legende.

Unstrittig ist, dass die Kirche in Rom unter Silvester regen Aufschwung nahm: Die Lateranbasilika und möglicherweise die dazugehörende Taufkirche wurden gebaut, der benachbarte kaiserliche Palast wurde Sitz der Päpste für ein Jahrtausend. Unweit entstand der Vorgängerbau der Kirche Santa Croce in Gerusalemme. Mit Silvester persönlich verknüpft ist Santi Silvestro e Martino ai Monti, eine von Touristen weithin unbeachtete Kirche auf dem Esquilin-Hügel. Als gesichert gilt, dass Silvester am letzten Tag des Jahres 335 starb. Sein Grab erhielt er zunächst bei den Priscilla-Katakomben vor der Stadt. In Zeiten von Barbareneinfällen brachte man seine Gebeine in die Kirche San Silvestro in Capite im Zentrum. Der gleichnamige Platz ist Treffpunkt zahlreicher Buslinien – so ist der heilige Silvester ein tägliches Ziel selbst für die Römer, die seine Bedeutung nicht kennen.

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Foto: Lateranbasilka – Bildquelle: Martin Bürger, kathnews