Unterschiedliche Schwerpunkte, aber gleiche Inhalte

Erzbischof Gänswein im Interview über Papst Franziskus und Papst em. Benedikt XVI.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 1. Januar 2014 um 16:25 Uhr

Vatikan/München (kathnews). Unterschiedliche Schwerpunkte in der Verkündigung, aber gleiche Inhalte bestimme das Verhältnis von Papst Franziskus und Papst em. Benedikt XVI. Das sagte Erzbischof Georg Gänswein, einst Privatsekretär von Papst Benediktus XVI., heute – unter Papst Franziskus – Präfekt des Apostolischen Palastes, in einem Interview, das das Bayerische Fernsehen am Neujahrstag ausgestrahlt hat. Papst Franziksus  setze andere Schwerpunkte als Papst Benedikt XVI., das Ziel bleibe aber immer dasselbe, betonte der aus dem Erzbistum Freiburg im Breisgau stammende Erzbischof. Der Weg zum Ziel sei verschieden. Jeder Papst bringe seine eigene Person mit ins Amt, erinnerte der Präfekt die Zuschauer. Das führt auch zu unterschiedlichen Schwerpunkten. Das Ziel bleibt immer dasselbe.

Gewinnende Herzlichkeit

Papst Franziskus habe die besondere Gabe, schnell das Eis zu brechen, eine Beziehung aufzubauen, die herzlich ist. Das nehme dem Gegenüber oft die Unsicherheit, das „Lampenfieber“.  Das Besondere an Franziskus sei aber, dass er sich von niemanden vor einen Karren spannen lasse. Der Papst tue das, was er für richtig halte. Er habe keine Angst, sei innerlich frei.

Die Armut richtig verstehen

Der Aufruf von Papst Franziskus zur Armut der Kirche sei nicht soziologisch zu verstehen. Das ist ein Missverständnis. Papst Franziskus spreche im Zusammenhang mit der armen Kirche auch immer von der missionarischen Kirche. Der Begriff sei nicht soziologisch, sondern theologisch zu verstehen, also immer von Christus her. Diesem christologisch-missionarischen Begriff lege der Papst allem, was er in der Verkündigung sagte, zugrunde. Es geht darum, den Glauben zu verkünden. Die Armut, die Einfachheit, hat kein Ziel in sich, sondern sei für die Verkündigung wichtig, ein Mittel, um Menschen für den Glauben zu gewinnen und Menschen, die glauben, im Glauben zu festigen.

Papst Franzikus ist kein Revolutionär auf dem Stuhl Petri

Das Apostolische Schreiben Evangelii gaudium, das erste Schreiben, das ganz die eigene Handschrift des Papstes erkennen lasse, trage das zusammen, was Papst Franziskus bewege. Von einer Revolution könne absolut nicht die Rede sein.  Freilich gäbe es viele Neuansätze, aber im Tiefsten stehe das Dokument in Kontinuität mit seinen Vorgängern. Man könne nur hoffen, dass das, was Papst Franziskus damit anstoßen wolle, auch in die Realität umgesetzt werde.

Erneuerung der Kirche hat es immer gegeben

Dass die Kirche sich erneuern muss, sei keine Botschaft, die exklusiv Franziskus verkünde. Ecclesia semper reformanda est. Die Kirche muss immer erneuert werden. Das habe die Kirche immer so verstanden und praktiziert. Erneuerung sei eine Erfahrung, die die Kirche, seitdem sie bestehe, begleite. Der Papst wolle neue Ansätze, er wollte Weiterentwicklung. Wo das geschehen und wie das konkeret aussehen wird, darauf dürfen wir alle gespannt sein, sagte Erzbischof Gänswein.

Keine Revolution, sondern Erneuerung der Menschen

Franzikus wolle keine Revolution. Er reagiere nicht auf Versäumnisse, als ob die Kirche bisher keine Erneuerungen durchgeführt habe und er nun endlich damit anfangen müsse. Franziskus wolle nicht den Glauben erneuern, sondern die Menschen. Theologisch nennt man das Bekehrung. Das ist immer die Grundbotschaft Jesu und der Kirche gewesen. Fehlformen müssen korrigiert werden. Auch die Reform der Kurie bedeute nicht, dass man das Gesicht des Vatikan nicht mehr erkennen werde. Große „Reparationsarbeiten“ im Vatikan, an der Kurie seien nicht nötig, so Gänswein. Ihr Wesen wird bewahrt werden. Franziskus wolle die Kirche nicht revolutionieren, strebe keine neue Kirche an, sondern wolle einzig zu Christus hinführen.

Barmherzigkeit ist ein klassischer Begriff der Kirche

Der Begriff der Barmherzigkeit sei kein Begriff, den Papst Franzikus eingeführt habe. Es ist ein  klassischer Begriff der Kirche, der Verkündigung und werde gerade auch in der Pastoral angewendet. Die pastorale Praxis in Barmherzigkeit sei viel breiter in der Kirche, als manche meinen.

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Foto: Papst Benedikt XVI. und Erzbischof Gänswein – Bildquelle: Andreas Gehrmann