Unauflösbare Ehe und Ehescheidung in Schrift und Tradition

Eine Buchbesprechung von Hans Jakob Bürger.
Erstellt von Hans Jakob Bürger am 18. September 2016 um 14:17 Uhr

„Geschieden und wiederverheiratet“ ist zum geflügelten Wort geworden, gerade auch in der katholischen Kirche, seit Papst Franziskus mit seinen beiden Bischofssynoden 2014 und 2015 sowie seiner Apostolischen Exhortation „Amoris laetitia“ die Unauflöslichkeit der Ehe in Frage gestellt zu haben scheint, wie viele Experten meinen. Das angesprochene geflügelte Wort ist aber problematisch nicht nur wegen der „Wiederheirat“, sondern vor allen Dingen wegen der „Scheidung“. Mitunter hat es den Anschein, als könnten sich Katholiken nach Herzenslust scheiden lassen, nur bei der Wiederheirat mache die Kirche Probleme.

Das dem nicht so ist, zeigt der Benediktiner und Professor Aloys Cigoi. Sein Werk „Die Unauflösbarkeit der christlichen Ehe und die Ehescheidung nach Schrift und Tradition. Eine historisch-kritische Erörterung von der apostolischen Zeit bis ins 19. Jahrhundert“ erschien zwar schon vor über 100 Jahren, wurde aus aktuellem Anlass aber von der „Verlagsbuchhandlung Sabat“ neu aufgelegt. Bei der Erstveröffentlichung ging es noch darum, dass „bei den modernen Völkern“ die Ehe „Bürgerrecht zu erlangen“ droht: „Nachdem sie in England seit langer Zeit durch eines Königs eheliche Untreue, in Deutschland durch das Thor, das ein abgefallener Mönch geöffnet, in Russland durch das Schisma und die Erniedrigung der Hierarchie den Einzug gehalten hatte, wurde sie im Jahre 1884 auch in Frankreich und neuestens in Italien eingeführt.“ Inzwischen sind wir in der katholischen Kirche angekommen, und da ist es gut, wenn wir von Aloys Cigoi mit ausreichend Munition versorgt werden.

Die Struktur des 200 Seiten umfassenden Buches ist recht simpel. In sechs Abschnitten analysiert der Autor die Literatur verschiedener Epochen, um zu zeigen, dass die Kirchenväter und andere Theologen stets an der Unauflösbarkeit der Ehe festgehalten haben. Eine Scheidung habe es nur in dem Sinne geben können, dass die äußere Lebensgemeinschaft von Mann und Frau aufgelöst wurde. Das eigentliche eheliche Band indes bleibt bestehen und macht so die Wiederheirat erst nach dem Tod des Partners möglich. „Die Unauflösbarkeit der christlichen Ehe und die Ehescheidung nach Schrift und Tradition“ ist eine wertvolle wissenschaftliche Arbeit. Der einzige Schönheitsfehler besteht darin, dass oft die lateinischen und griechischen Texte nicht auf Deutsch übersetzt sind. So muss sich der Laie aus dem Kontext herleiten, was gesagt ist. Da Aloys Cigoi allerdings die entsprechenden Stellen erklärt, kann man auch als Laie getrost zu diesem Buch greifen.

Hans Jakob Bürger

Cigoi, Aloys
Die Unauflösbarkeit der christlichen Ehe und die Ehescheidung nach Schrift und Tradition.
Eine historisch-kritische Erörterung von der apostolischen Zeit bis ins 19. Jahrhundert.
Sabat-VB 2016
ISBN 978-3-943506-39-6
224 Seiten; 24,95 Euro

Foto: Die Unauflösbarkeit der christlichen Ehe und die Ehescheidung nach Schrift und Tradition – Bildquelle: Sabat-VB

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