Trauer um Papst emeritus Benedikt XVI. – Ein Nachruf von Bischof Oster

Wir ver­lie­ren einen gro­ßen Die­ner der Kir­che und einen der gelehr­tes­ten Men­schen sei­ner Zeit.
Erstellt von Felizitas K√ľble am 10. Januar 2023 um 09:01 Uhr
Papst Benedikt XVI.

Passau (kathnews/CF/Bistum Passau). „Unser ver¬≠ehr¬≠ter Papa eme¬≠ri¬≠to ist heim¬≠ge¬≠gan¬≠gen. Was f√ľr eine trau¬≠ri¬≠ge Nach¬≠richt. Wir ver¬≠lie¬≠ren mit Papst Bene¬≠dikt einen Vater, einen geist¬≠li¬≠chen und geis¬≠ti¬≠gen Vater; einen, der pr√§¬≠gend gewirkt hat f√ľr vie¬≠le. Wir ver¬≠lie¬≠ren einen, der uns das Den¬≠ken und das Glau¬≠ben gelehrt hat, der uns das Sehen gelehrt hat ‚Äď mit den Augen des Glau¬≠bens.

Wir ver­lie­ren einen, der uns gehol­fen hat, vie­le Zei­chen der Zeit recht zu deu­ten. Wir ver­lie­ren einen gro­ßen Sohn unse­rer Hei­mat und unse­res Bis­tums, einen Freund der baye­ri­schen Lebens­art und Kul­tur, einen Den­ker mit dem Her­zen. Wir ver­lie­ren einen der größ­ten und wich­tigs­ten Theo­lo­gen des 20. und 21. Jahr­hun­derts, einen Zeit­zeu­gen der Geschich­te der Kir­che der letz­ten Jahr­zehn­te, vor allem einen der letz­ten Zeit­zeu­gen des II. Vati­ka­ni­schen Kon­zils, das er ent­schei­dend mit­ge­prägt hat.

Wir ver¬≠lie¬≠ren einen Mann, der von so vie¬≠len respek¬≠tiert wur¬≠de f√ľr sei¬≠ne Tie¬≠fe und Weis¬≠heit, f√ľr sei¬≠ne Klar¬≠heit und Lau¬≠ter¬≠keit ‚Äď und einen, der von nicht weni¬≠gen auch ange¬≠fein¬≠det wur¬≠de ‚Äď viel¬≠leicht gera¬≠de deshalb.

Wir ver¬≠lie¬≠ren den ers¬≠ten deut¬≠schen Papst seit einem hal¬≠ben Jahr¬≠tau¬≠send; einen, der eine Spra¬≠che spre¬≠chen konn¬≠te, die wie die Musik war, die er so lieb¬≠te. Aber auch einen, der doch lei¬≠se und sch√ľch¬≠tern war, nicht auf¬≠dring¬≠lich in der Begeg¬≠nung; einen, der wun¬≠der¬≠bar zuh√∂¬≠ren konn¬≠te ‚Äď und dann Ant¬≠wor¬≠ten geben konn¬≠te, die so unmit¬≠tel¬≠bar das Gegen¬≠w√§r¬≠ti¬≠ge tra¬≠fen und doch so sehr ange¬≠f√ľllt waren mit Weis¬≠heit aus dem gro¬≠√üen Schatz der √úberlieferung.¬†

Wir ver¬≠lie¬≠ren einen Mann, der einer der gelehr¬≠tes¬≠ten Men¬≠schen sei¬≠ner Zeit war, einer mit intel¬≠lek¬≠tu¬≠el¬≠ler Bril¬≠lanz und Deu¬≠tungs¬≠kraft, die aber bei ihm wun¬≠der¬≠sam geeint waren mit dem so dem√ľ¬≠tig und ver¬≠trau¬≠ens¬≠voll gewor¬≠de¬≠nen Glau¬≠ben eines Kin¬≠des.

Wir ver¬≠lie¬≠ren einen Mann, der am liebs¬≠ten in Alt¬≠√∂t¬≠ting war, bei der Mut¬≠ter der Gna¬≠den, der so ger¬≠ne ver¬≠eint war mit der Gl√§u¬≠big¬≠keit der ein¬≠fa¬≠chen Pil¬≠ger im Her¬≠zen Bay¬≠erns ‚Äď im Beten und Fle¬≠hen um das Heil f√ľr alle. Wir ver¬≠lie¬≠ren einen Mann, f√ľr den Jesus Chris¬≠tus das Herz der Welt war ‚Äď und der ihm buch¬≠st√§b¬≠lich alles bedeu¬≠te¬≠te. Sei¬≠ne Jesus-B√ľcher, aber nat√ľr¬≠lich nicht nur sie, sind uns blei¬≠ben¬≠des Andenken und leuch¬≠ten¬≠de Erin¬≠ne¬≠rung an die¬≠se Mit¬≠te von¬†allem.

Wir ver¬≠lie¬≠ren einen gro¬≠√üen Die¬≠ner der Kir¬≠che, einen, der uns als Papst immer wie¬≠der √úber¬≠ra¬≠schun¬≠gen beschert hat, mit sei¬≠nen Enzy¬≠kli¬≠ken (die ers¬≠te √ľber die Lie¬≠be: ‚Äč‚ÄěGott ist die Lie¬≠be‚Äú), mit sei¬≠ner Gabe der bril¬≠lan¬≠ten frei¬≠en Rede in so vie¬≠len Situa¬≠tio¬≠nen, mit sei¬≠nem Umgang mit eige¬≠nen Feh¬≠lern oder Fehl¬≠ein¬≠sch√§t¬≠zun¬≠gen und den Wun¬≠den der Kir¬≠che, mit sei¬≠ner F√§hig¬≠keit zum ech¬≠ten Dia¬≠log, mit sei¬≠ner For¬≠de¬≠rung nach weni¬≠ger Abh√§n¬≠gig¬≠keit von der Welt, damit wir als Kir¬≠che frei¬≠er und lie¬≠ben¬≠der und wirk¬≠lich die¬≠nend in sie hin¬≠ein gehen k√∂n¬≠nen; mit sei¬≠nem R√ľck¬≠tritt, der uns gezeigt hat, wie wenig er an der Macht h√§ngt und wie sehr ihm am guten Fort¬≠kom¬≠men der Kir¬≠che gele¬≠gen¬†ist.

Wir ver¬≠lie¬≠ren einen Mann, der in den letz¬≠ten Jah¬≠ren sei¬≠nes Lebens noch sehen muss¬≠te und auch ein¬≠ge¬≠stan¬≠den hat, als Erz¬≠bi¬≠schof von M√ľn¬≠chen und Frei¬≠sing Betrof¬≠fe¬≠ne von sexu¬≠el¬≠lem Miss¬≠brauch in der Kir¬≠che zu wenig im Blick gehabt zu haben. Wir ver¬≠lie¬≠ren aber auch einen Mann, der als Pr√§¬≠fekt der Glau¬≠bens¬≠kon¬≠gre¬≠ga¬≠ti¬≠on ent¬≠schei¬≠dend dazu bei¬≠getra¬≠gen hat, dass das Pro¬≠blem des Miss¬≠brauchs in der Kir¬≠che in sei¬≠ner gan¬≠zen Dra¬≠ma¬≠tik erkannt wur¬≠de und der des¬≠halb wesent¬≠li¬≠che Ver¬≠√§n¬≠de¬≠run¬≠gen ange¬≠sto¬≠√üen¬†hat.¬†

Papst Bene¬≠dikt ist heim¬≠ge¬≠gan¬≠gen. Was f√ľr eine tr√∂st¬≠li¬≠che Nach¬≠richt. Aus meh¬≠re¬≠ren Begeg¬≠nun¬≠gen mit ihm wei√ü ich, dass er sich nach dem Heim¬≠gang gesehnt hat. Nach der Begeg¬≠nung mit sei¬≠nem Herrn, f√ľr den er gelebt und den er geliebt hat. Papst Bene¬≠dikt ist heim¬≠ge¬≠gan¬≠gen. Wie tr√∂st¬≠lich, denn wir gewin¬≠nen einen Beter im Him¬≠mel, einen F√ľr¬≠spre¬≠cher f√ľr unse¬≠re Hei¬≠mat, das Bis¬≠tum Pas¬≠sau und die gan¬≠ze Kir¬≠che. Papst Bene¬≠dikt ist heim¬≠ge¬≠gan¬≠gen!

Wir dan¬≠ken ihm von Her¬≠zen f√ľr alles, was er uns geschenkt hat. Wir dan¬≠ken dem Herrn, dass Er uns ihn geschenkt hat ‚Äď und wir bit¬≠ten den Herrn, dass er an Papst Bene¬≠dikt alle sei¬≠ne Ver¬≠hei¬≠√üun¬≠gen erf√ľl¬≠len m√∂ge.“

Von Bischof Dr. Stefan Oster SDB

Textquelle: Christliches Forum und Bistum Passau

Foto: Papst Benedikt XVI. – Bildquelle: dgodin, CC bei Flickr

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