Totenchronik Pater Anselm (Friedrich August) Schott OSB (5. September 1843 auf Burg Staufeneck in Salach/Württemberg – 23. April 1896 in Maria Laach/Vulkaneifel)

Erstmalige vollständige Transliteration und Dokumentation. Ein Beitrag von Clemens Victor Oldendorf.
Erstellt von Clemens Victor Oldendorf am 23. April 2021 um 00:15 Uhr

Vorbemerkung: Die Totenchronik Pater Anselm Schotts wurde ursprünglich handschriftlich und in Kurrent niedergeschrieben. Das Original ist unpaginiert. Bei der Transliteration in die lateinische Druckschrift wurden damalige Orthographie, Interpunktion, Worttrennungen, Abkürzungen und Zeilenumbrüche wie im Original übernommen und einschließlich allfälliger Trennungs- oder Rechtschreibfehler beibehalten und letztere beiden nur gelegentlich eigens durch „sic!“ hervorgehoben.

Der in der Kurrentschrift übliche Überstrich über zu verdoppelndem m und n:  ̅  diente damals beim Schreiben der Platzersparnis und wird ebenfalls übernommen. Zwischen den Buchstabenformen ſ und s wird in der Transliteration indes nicht unterschieden, die Ligatur ſz wird als ß wiedergegeben. Die Paginierung wurde in Fettsatz und eckigen Klammern nachgetragen, und es erfolgt so zugleich die Kennzeichnung von Seitenumbrüchen. Ausdrücke und (Eigen-)Namen, die im Original bereits in lateinischer Schrift stehen, sind kursiv gesetzt. In eckigen Klammern stehen außerdem Erläuterungen oder Zusätze, die für die Chronologie der geschilderten Ereignisse und Abläufe notwendig erscheinen oder das Verständnis erleichtern. Thematische Zwischenüberschriften wurden zur besseren Übersichtlichkeit und als Hilfe zur Orientierung eingefügt. Dafür, die Totenchronik zur Verfügung gestellt zu haben, gilt Pater Petrus Nowack OSB, derzeitiger Prior-Administrator der Abtei Maria Laach, ein herzlicher Dank.

+ Pax!

Chronik aus Maria Laach über den Tod Rev.[erendus]  P. Anselm’s

Pater Schotts fortschreitende Erkrankung und Symptome ab Oktober 1895

[1] P. Anselm’s Leiden machte sich bereits verflossenen Herbst, Oktober

  1. November [1895], insofern bemerkbar, als er damals über Verstopfung,

Schmerzen in der Gürtelgegend sowie über Mangel an rechtem Apport

klagte. Er befürchtete, es werde sich ein Leberleiden ausbilden,

wie vor 6 Jahren. Kalte Wasseranwendungen brachten ihm sichtliche Er-

leichterung u. vielleicht wäre das Übel zurückgedrängt worden,

hätte nicht unglücklicherweise gegen Ende Januar die tückische In-

fluenza sich eingestellt. Sie äußerte sich besonders durch Fieber, Schmer-

zen in der Magengegend u. in Folge dessen Erbrechen u. gänz-

liche Verstopfung. Das Fieber wurde zwar durch kalte Waschun-

gen verscheucht, aber das Übrige blieb. Und nun began̅ eine Zeit

langen u. überaus schmerzlichen Leiden‘ s für den lieben Kranken.

Alle Hausmittel u. alle ärztlichen Anordnungen kon̅ten die fürchter-

liche Verstopfung nicht heben. Nur eine einzige Medizin bereitete

nach 4-5 Stunden Stuhlgang. Bis es aber soweit kam oder jedes-

mal, wen̅ sich Erbrechen einstellte, litt der Kranke unsäglich. Dan̅

weinte er oft, wie ein Kind.

Seine Geduld im Leiden – seine Menschenfreundlichkeit und Dankbarkeit

Trotz seiner heftigen Schmerzen ver-

lor er aber nie die Geduld, ja sein ganzes Leiden war für uns alle

eine beredte Predigt über diese Tugend. Besuchte ihn einer der Mitbrüder, so gab

er sich die größte Mühe, den Schmerz zu un-

terdrücken, um ihn nur nicht zu dem Gedanken

kom̅en zu lassen, er falle lästig. Was ihn, sein ganzes Leben hin-

durch, so auch während seiner Leidenszeit, ganz besonders charakter-

[2] isierte, war seine Liebe u. Dankbarkeit. Für alles, auch für die gering-

sten u. kleinsten Dienstleistungen fand er ein gutes Wort u. er

ließ es nicht bei Worten bewenden, sondern er suchte auch nach Möglichkeit

durch Gegendienste sich erken̅tlich zu zeigen. So wußte er nicht,

wie er dem Krankenbruder seine Dienste erleichtern u. er-

setzen sollte.

Öfters machte er den Infirmar [den Pater, dem im Kloster die Sorge für die erkrankten Mitglieder der Hausgemeinschaft obliegt, häufig eine Person mit medizinischen Fachkenntnissen] darauf aufmerksam, dem Bruder doch hie und da ein kleines Vergnügen zu bereiten, vielleicht einen Ausgang zu irgend einem Garten. Er bat den hochwürdigsten Vater [Abt Willibrord Benzler OSB (1854-1921)[1]] ihm einmal einige Ermunterungsworte zu sagen u. jeden Abend, ehe der Bruder ihn verließ, gab er ihm manch freundliches Wort. Noch wenige Stunden vor seinem Tode, als er bereits das klare Bewußtsein verloren hatte, drückte er wiederholt dem Krankenbruder u. dem Infirmar, wie zur letzten Dankesbezeugung, die Hand u. küßte sie. Dabei schaute er uns so liebevoll-ernst an u. winkte uns zu, als wolle er sagen: ‚Bald mache ich euch keine Mühe mehr.‘ ~ Nicht bloß diejenigen, die während seiner

Krankheit mit ihm zu thun hatten, sondern überhaupt alle, die in u.

  1. außer dem Kloster mit ihm in Berührung standen, hatten Ge-

legenheit, seine große Liebe u. Menschenfreundlichkeit ken̅en zu lernen. Alle

gewan̅ er lieb u. daß er auch von allen wiedergeliebt u. hochgeschätzt wurde,

beweisen die vielen Briefe, die von den Mit-

brüdern in unseren Klöstern u. von vielen auswärtigen Freunden in diesen letzten

Monaten an ihn gerichtet wurden. Rührend war

es, zu sehen, welche Freude ihm dieselben bereiteten u.

wie sehr es ihm am Herzen lag, jeden einzelnen selbst zu beantworten.

[3] Oft klagte er dem Infirmar, er habe noch so viele Briefe zu beantworten, aber das Schreiben strenge ihn zu sehr an. Und nach der hl. Ölung, als er den Gedanken, sie alle eigenhändig zu beantworten, ganz aufgeben mußte, bat er wenigstens den Hochwst. Vater, gelegentlich an die Klöster zu schreiben u. den lieben Mitbrüdern seinen herzlichen Dank zu übermitteln für ihr Gebet u. die trostvollen Briefe;

fügte aber hinzu: später werde er sie, wen̅ es Gottes Wille sei, wie-

der selbst beantworten. Sein letzter Brief, den er am Tage vor seinem Tode schrieb, war an seine Mutter [Maria Antonie Schott, geb. Weyland (1816-1900)[2]] gerichtet [der Chronist versteht offensichtlich unter dem Todestag Pater Schotts stets den 22. April 1896, da Anselm Schott jedoch nachts gegen 00:15 Uhr verstorben ist, ist der 23. April 1896 sein präzises Sterbedatum]. ~ Hand in Hand mit dieser seiner in̅igen brüderlichen Liebe ging auch seine große

Sorge u. Theilnahme für alles, was im Hause vor sich ging. Wo

im̅er er mit Rath oder That jemandem zu nützen glaubte, war er gleich bei der Hand.

Pater Schotts Aufmerksamkeit und Sorgfalt in der Erfüllung seiner Aufgaben

Wir erin̅ern daran, wie sehr es ihm als

Depositar [derjenige, der im Kloster Utensilien des täglichen Bedarfs verwaltet

und zuteilt] am Herzen lag, daß z. B. jeder eine ihm entsprechende

Schreibfeder bekam. Zu diesem Zwecke hatte er bestim̅te Sorten

zusam̅engelegt u. mit den Namen jener Patres bezeichnet,

die dieselben wünschten. Die Fischerei, für die ihm die Sorge oblag,

beschäftigte ihn natürlich auch in der Krankheit noch u. so freute

er sich, als die Brüder ihm den bisher größten gefangenen Hecht,

einen 18 Pfünder, auf die Zelle bringen kon̅ten. Auch die För-

derung der Geflügelzucht lag ihm bis in die letzten Tage sehr

am Herzen. Am Son̅tag noch [am 19. April 1896] gab er dem Infirmar den

Auftrag,

sich bei den Bienenzüchtern zu erkundigen, wo man schöne Enten

habe, den̅ solche anzuschaffen, war die letzte Erlaubniß, die er

sich vom Vater Abt ausgewirkt hat. Wen̅ er in den schönen Ta-

[4] gen des März sich im Garten erging,

machte er jedesmal auch dem

Hühnerstall einen Besuch. Viel sorgte er sich auch um die Anlegung

  1. u. Einrichtung einer bequemen Krankenzelle, wie ihm über-

haupt die Gesundheit jedes einzelnen Mitbruders sehr am Herzen lag u. er machte

jedesmal darauf aufmerksam, wen̅ er den einen oder anderen kränklich aussehend

fand. ~

Als echter Benediktiner dem Gottesdienst nichts vorziehend – seine Liebe zur heiligen Messe und seine schlicht-aufrichtige Frömmigkeit

Wollen

wir das Bild unseres lieben verstorbenen Mitbruders uns noch

einmal vollständig vor Augen führen, so dürfen wir vor

allem nicht vergessen, seiner tiefen u. kernhaften Fröm̅ig-

keit u. Religiosität Erwähnung zu thun, die sich während sei-

ner Krankheit ganz besonders kundgab. Mit welcher Liebe hing

er z. B. an der Feier der hl. Messe. Es war überaus erbaulich zu

sehen, wie er sich trotz seiner großen Körperschwäche, welche

durch die vielen schlaflosen, aber qualvollen Nächte herbeigeführt

wurde, zur Sakristei schleppte u. zum Altare. Bis etwa 10 Ta-

ge vor seinem Tode hat er noch täglich celebriert. Das Brevier

betete er bis zu seinem Todestage. Und als es ihm am Morgen

desselben nicht möglich war, auch nur dem Vorleser zu fol-

gen, äußerte er, er wolle lieber bis zum Nachmittage war-

ten, vielleicht gehe es dan̅ besser. Den̅ es wäre ihm doch sehr

leid, wen̅ er das Officium der 2 hl. hl. [sic!] Päpste Soter u. Kajus

nicht persolvieren kön̅te. Es sollte ihm nicht mehr möglich werden.

Wir hoffen aber, daß Gott ihm recht bald für diesen seinen hl. Eifer

einen Platz im Him̅elschore anweisen werde, damit er dort,

in das große hl. Officium einstim̅en kan̅, das nim̅er verstum̅t.

[5] Sollen wir auch von seiner Liebe zur hl. Liturgie reden? Seine

Arbeiten u. Schriften sprechen laut genug davon. Bis in seine

letzten Lebensstunden besprach er oft mit den Patres, die ihn

besuchten, z. B. das Bedürfniß, unser[3] [!] Kalendarium [hier geht es also vermutlich eher darum, den Gesang der Choralprorprien in Maria Laach besonders an den Sonntagen auszudehnen, also sozusagen das Repertoire zu vergrößern, nicht um eine generelle Aufwertung der Sonntagsliturgie gegenüber der Feier von Heiligenfesten an Sonntagen, wie sie dann die rubrizistische Reform Pius‘ X. ab 1913 mit sich bringen sollte; eine solche Reform vorwegzunehmen, hätte man ja auch im Maria Laacher Kloster gar keine Kompetenz gehabt[4]] dahin zu

ändern, daß auch wieder öfter im Jahre das Proprium de tem-

pore zur Geltung käme, besonders die Son̅tage. Ebenso stellte

er auf dem Krankenbette noch ein Reisebrevier zusam̅en. ~

Auf das Gebet der Com̅unität hielt er große Stücke, wiederholt sag-

te er dem H. H. Vater, sooft er ihn dem Gebete der Com̅unität em-

pfholen habe, sei Besserung eingetreten. Mit from̅er

Andacht gebrauchte er das Walburgisöl, das Man̅a des S.[ankt] Niko-

laus [eine dem Eichstätter Walburgisöl ähnliche, jedoch zusätzlich wohlriechende Flüssigkeit, welche die Reliquien des hl. Nikolaus von Myra im italienischen Bari absondern] u. empfing mit Vertrauen den hl. Maurussegen [eine Segensformel, die auf den hl. Maurus zurückgeht und mit der traditionell bei den Benediktinern unter Verwendung einer Kreuzpartikel ein besonderer Krankensegen erteilt wird]. ~

Durch die Tugend der Armut als wahrer Mönch ausgezeichnet, bescheiden und schwäbisch sparsam

Ein Muster für uns alle war er auch durch seinen großen

Eifer für unsere Gebräuche u. alten Gepflogenheiten, aber ein

Zug ist es besonders, der P. Anselm vor allem auszeichnete u.

ihn als wahren Mönch ken̅zeichnete, es ist seine Liebe zur hl.

Armuth. Die ganze Einrichtung seiner Zelle predigt uns diese

Tugend. Als Waschschüssel diente ihm ein Blechbecken, das nicht zerbrochen werden kan̅, als Wasserkrug eine große Blechkan̅e. Tisch, Pult u. Schrank sind äußerst einfach u. ärm-

lich. Jedes Papierchen mußte ausgenützt werden. Den Brief,

welchen er am Tage vor seinem Tode an seine Mutter

schrieb, hatte er mit Bleistift auf die Rückseite einer Offerte

geschrieben. Hierhin gehört auch sein großer Sam̅eleifer aller

möglichen Kleinigkeiten, ganz gleich, wo sie lagen oder

[6] was sie waren, wen̅ sie sich nur irgendwie nützlich verwenden ließen. ~

So wird das Charakterbild des lieben Mitbruders, der uns jetzt verlassen,

in unser aller Herzen tief eingeprägt sein u. bleiben.

Zuversichtlich bis zuletzt: Pater Schotts letzte Wochen, Tage und Stunden

Er selber hatte zwar

im̅er noch die Hoffnung auf Wiederherstellung. Den̅, wen̅ er wieder einmal

bessere Stunden hatte, in denen die Schmerzen nachließen, fühlte er sich wieder

frisch u. wohl. Selbst am Morgen seines Todestages äußerte er noch:

‚Wen̅ ich wieder einmal so weit bin, daß ich in der Zelle herumgehen

kan̅, wird es wieder besser gehen. Das Liegen macht mich krank.‘ Sein Lei-

den war ziemlich periodischer Natur. Als der Stuhlgang durch Anwendung

der Medizin geregelt war, hatte er vielleicht 1 oder 2 Tage Ruhe, dan̅

began̅en ihn die Schmerzen wieder fürchterlich zu peinigen, oft 2-3 Tage

lang. So ging es wechselweise bis Mittwoch in der Osterwoche [dem 8. April 1896]. Dort

hatte er des Nachts einen heftigen Anfall unter Erbrechen u. großem Blutfluß,

so heftig, daß er ohnmächtig wurde. Aber schon 8 Tage darauf hielt

er sich wieder für so kräftig, daß er in der Josephskapelle die hl. Messe lesen zu

kön̅en glaubte. Doch schon beim Staffelgebet brach er zusam̅en. Trotz allen

Zuredens ließ er sich nicht davon abbringen, das hl. Opfer zu vollenden.

Mit vieler Mühe u. der Aufbringung aller seiner Kräfte gelang es ihm. Es

war seine letzte hl. Messe am Feste des hl. Justinus [am 14. April]. Der gleiche Tag war

auch der Tag seiner hl. Ölung. Den̅ da sich Zeichen großer Schwäche, Bewußtlosigkeit u. Phantasieren einstellten, hielt man es für notwendig, ihm dieses letzte

  1. Sakrament zu spenden. Später erholte er sich wieder bedeutend. An sei-

nem Namenstage, dem 21. April, an dem er auch zum letzten Male die hl. Kom̅-

union empfing, traten die Anzeichen eines neuen Anfalls auf, der ihn

dieses Mal das Leben kosten sollte. Er klagte über Unwohlsein, meinte

[7] aber, es käme von der Anstrengung, welche ihm die Gratulationsbesuche [zum Namenstag] ver-

ursachten und wohl auch vom Mangel an Nahrung. Auch am folgenden Tage

glaubte er immer noch, er sei nur schwächer, den̅ er fühlte keine besonderen Schmerzen

  1. auch an Schlaf fehlte es ihm nicht. Des Mittags aber, als er mit

vielem Appetit einen Teller voll Suppe gegessen, stellte sich auf einmal

heftiges Erbrechen ein mit Blut u. Ohnmacht. Das Erbrechen wiederholte

sich noch 3mal. Das Bewußtsein schwand. Sofort wurde die Com̅unität

gerufen u. Vater Abt betete die Sterbegebete. Auch der Arzt war noch ein-

mal gekom̅en, kon̅te ihm aber nur ein Mittel zur Verhütung weiterer Blu-

tungen geben unter der Erklärung, daß der Tod nahe sei. In diesem be-

wußtlosen Zustande blieb der Kranke bis gegen Abend, wo er einige lichte Augenblicke zu haben schien. Wenigstens gab er auf Fragen bisweilen rechte Antwort u. betete unzähligemale laut das Ave Maria u. rief

den hl. Joseph an. Auch gab er Zeichen der Zustim̅ung, wen̅ er bemerkte,

daß man mit ihm bete. Gegen Abend trat wieder eine Verschlim̅erung

ein, der Kranke litt an Atemnoth u. das Bewußtsein schwand wieder

gänzlich. So litt er ununterbrochen von 8-12 ¼ Uhr furchtbare Schmerzen,

so daß sein Stöhnen ganz schauerlich durch die in nächtlicher Stille liegenden

Klostergänge tönte. 12 ¼ Uhr wurde er stiller, der Infirmar rief den hochwürdigsten

Vater Abt u. nachdem der hochwst. Vater noch einmal conditionaliter die hl. Los-

sprechung erteilt u. die Sterbegebete gebetet hatte, entschlief er ruhig

im Herrn. ~

Kurzer Überblick über seine Lebensstationen und Funktionen in der Beuroner Benediktinerkongregation

Werfen wir noch einen Blick auf den äußeren Gang seines

Lebens: P. Anselm war geboren am 5. Sept. 1843 zu Staufeneck in Württem-

berg, absolvierte das Gymnasium zu Darmstadt u. studierte Theologie in Tübingen[5].

Im Jahre 1867 zum Priester geweiht, wirkte er als Vikar

[8] zu Biberach, verließ aber schon 1 Jahr darauf die Welt u. trat in Beuron ein,

wo er am 6. Juni 1870 die hl. Gelübde ablegte. Die Aufhebung Beurons im Jahre 1875

brachte P. Anselm nach Maredsous[6], wo er bis 1882 verweilte. Nach kurzem

Aufenthalte in Emaus [ein Prager Kloster, vgl. Anm. 1, das ursprünglich an einem Ostermontag mit der Emmausperikope als Tagesevangelium eingeweiht worden war, woher der Name rührt;  Beuroner Mönche übernahmen es damals] siedelte er bei der Gründung Seckau’s dorthin über, wo

er, einen zeitweiligen Aufenthalt im Mutterkloster abgerechnet, bis zum

Jahre 1891 verblieb. Nach Beuron zurückgerufen, zog er im folgenden

Jahre nach dem neu zu begründenden Maria-Laach, wo er seine

letzte Ruhestätte fand. ~ P. Anselm war in verschiedenen Ämtern u. Stel-

lungen thätig. Mit dem sel. P. Suitbert [Bäumer OSB (1845-1894)[7]] arbeitete er an der Herausgabe des Missale monasticum[8], in der theol. Schule der Congregation trug

er manche Jahre die Kirchengeschichte, zuletzt die Moraltheologie

vor. In Seckau versah er eine Zeitlang das Pfarramt. ~ P. Anselm

besaß eine reiche Begabung u. auch feine klassische Bildung. Er ver-

stand u. liebte es, zu dem gemeinen Man̅e sich herabzulassen, wußte

aber auch in höheren Gesellschaftskreisen mit ungezwungener Höf-

lichkeit sich zu bewegen. Alle, die ihm näher traten, bewahren ihm ein

freundliches Gedenken, den Mitbrüdern wird er unvergeßlich bleiben.

Seine Verehrung für den heiligen Joseph und seine letzte Ruhestätte

‚Beten Sie für mich, besonders in der Josephskapelle!‘ hatte er noch vor kur-

zem zu einem unserer Mitbrüder gesagt, mag nun eine besondere

Verehrung zum hl. Joseph u. eine Vorliebe zu seiner friedlichen Kapelle

ihm diesen Wunsch eingegeben haben, oder die Ahnung, daß man ihn

bald dort droben in die stille Gruft senken werde, wir wollen ihn [nämlich diesen Wunsch] als seine

letzte u. an uns alle gerichtete Bitte betrachten u. in der stillen Josephskapelle [unter der Nikolauskapelle, deren romanischer Turm noch auf das 13. Jahrhundert zurückgeht, hatten die Jesuiten während ihrer Phase in Maria Laach, in den Jahren von 1863 bis 1872, eine Gruft angelegt, in der auch noch die ersten Benediktiner, die in Maria Laach starben, beigesetzt wurden, als allererster von diesen Anselm Schott. Unter dem Eindruck der Proklamation des hl. Joseph zum Patron der Gesamtkirche, die Pius IX. 1870 vorgenommen hatte, hatten noch die Jesuiten die Kapelle dem hl. Joseph geweiht. Heute wird sie für gewöhnlich wieder nach ihrem ursprünglicheren Patrozinium als Nikolauskapelle bezeichnet]

gern u. oft für seine Seelenruhe beten, wo er nun zu den Füßen seines Erlösers

ruhig schlum̅ert, der Auferstehung entgegenharrend. ~ R. I. P. ~“

[1] Wie Schott zunächst kurzzeitig im Emauskloster in Prag (die Schreibung mit nur einem m ist in diesem Eigennamen korrekt) und Seckau in der Steiermark. Mit der Erhebung des neugegründeten Klosters Maria Laach zur Abtei am 15. Oktober 1893 wurde der bisherige Prior zum Abt gewählt und benediziert. Er blieb es bis zu seiner Ernennung und Konsekration zum Bischof von Metz 1901. Nachdem Elsass-Lothringen nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) französisch geworden war, resignierte er 1919 als Bischof, um nicht als Deutscher den Frieden des Bistums zu gefährden. Er starb 1921 in der Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal in Baden-Baden, wohin er sich aus gesundheitlichen Gründen begeben hatte. Nach seinem Rücktritt als Diözesanbischof zum Titularerzbischof erhoben, wurde er in der Erzabtei Beuron beigesetzt. Für Benzler läuft ein Seligsprechungsprozess. Fast auf den Tag genau fünfundzwanzig Jahre nach Anselm Schott verstarb Willibrord Benzler, am 16. April 1921, sein Todestag hat sich also kürzlich ebenfalls – zum hundertsten Male – gejährt.

[2] Mit ihrer Heirat kam 1838 das katholische Element in die lutherische Familie Schott. Die Mutter ist die einzige Verwandte, die die Totenchronik gleich zweimal im Zusammenhang mit Pater Schotts letztem Brief erwähnt. Darin kommt bezeichnend der enge persönliche und emotionale Kontakt zum Ausdruck, der Mutter und Sohn zeitlebens verband.

[3] Entweder ist also das Kalendarium in Maria Laach gemeint oder maximal das der Beuroner Benediktinerkongregation.

[4] Dahingehend interpretiert jedoch der Schott-Biograph Dangelmaier, A., P. Anselm Schott – der Mensch, Priester und Liturge. Zum 75. Todesjahrtag, Krummwälden 1971, vgl. S.  77, die Stelle. Überhaupt krankt diese an sich so wert- und verdienstvolle Biographie daran, Anselm Schott anachronistisch immer wieder als Vorläufer der damals noch jungen Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) vereinnahmen zu wollen, der sie angeblich unbezweifelbar befürwortet hätte. Man weiß das natürlich nicht, was wir aber aus den zeitgenössischen Quellen über Schotts Persönlichkeit wissen, spricht durchaus eher dafür, dass die nachkonziliare Liturgiereform Pauls VI. in ihm zumindest Verwunderung und Skepsis ausgelöst hätte. Den gleichen Übergriff begeht unverändert der Artikel von Anselm Verbeek über den Benediktinerpater Anselm Schott, der schon 2018 (anlässlich des 175. Geburtstages) von der KNA weit gestreut wurde und in diesen Tagen, nur halbherzig aktualisiert und dem Anlass des Totengedenkens angepasst, erneut durch die Medien geistert, vgl. etwa: Messbücher-Namensgeber P. Anselm Schott vor 125 Jahren gestorben (kathpress.at) oder sogar: Messbücher-Namensgeber Pater Schott vor 125 Jahren gestorben, der es jetzt bestimmt abermals unbesehen und ungeprüft in so manche Bistumszeitung schafft.

[5] Die Totenchronik übergeht das Semester 1864/65, das Schott in München verbrachte und dort den berühmten und originellen Valentin Thalhofer (1825-1891) in Liturgik gehört und dessen überaus spekulative und am Hebräerbrief inspirierte, höchst eigenständige Messopfertheorie kennengelernt haben wird. Mit diesem Lehrer scheint er auch später noch in brieflichem Austausch gestanden zu sein. Thalhofer war seit 1863 Professor in München und Direktor des dortigen Georgianums. Ferner übergeht sie taktvoll den gescheiterten Gründungsversuch in Arnstein 1870/71 sowie den halbjährlichen Kuraufenthalt in Mergentheim in Behandlung des Nervenarztes (und frühen Kneippbefürworters) Dr. med. Josef Anton Stützle (1847-1908), der freundschaftliche Verbindungen nach Beuron unterhielt und Schott 1875 wohl wegen Depressionen in seiner Heilanstalt betreute. Er hat ihm noch im Todesjahr schriftlich Namenstagswünsche gesandt, verbunden mit medizinischen Ratschlägen. Lücken in der Totenchronik lassen sich schließen, indem man einen handschriftlichen Lebenslauf, den Schott noch in Maria Laach mehr stichwortartig selbst zusammengestellt hat und einen Personalbogen hinzuzieht, dessen Angaben darauf fußen. Beide Dokumente sind im Archiv der Beuroner Erzabtei erhalten (Signaturen: D2/47, 1 und D2/47,2). Man erfährt daraus weitere Klosterämter und Funktionen, die Schott an seinen zahlreichen Wirkungsstätten bekleidet beziehungsweise erfüllt hat, so war er als Zelator, also als der Pater, der den Brüdern im geistlichen Leben Anregungen gibt und sie in ihren Eifer anspornt und als Instruktor tätig, in Emaus Lektor der Kirchengeschichte, in Beuron zunächst der Biblischen Einleitung, dann der Moraltheologie. Er war aber ebenso noch Subprior in Seckau, wo er wieder Kirchengeschichte vortrug, Sakristan, Katechet, Exerzitienmeister und Prediger oder leitete die Choralschola. In Maredsous wirkte er an der Arbeit am dortigen französischen Handmessbuch mit und betreute eine Vulgata-Ausgabe. Mit der Fischzucht hat er sich nicht erst in Maria Laach beschäftigt, sondern bereits in Seckau. In Maria Laach war er wiederum Lektor, wie aus der Totenchronik selbst hervorgeht. Selbstverständlich nennt Schott ab 1884 sein „Meßbuch“ und führt sein Vesperbuch an, das erstmals 1893 erschien und das Messbuch ergänzen sollte. Unter „sonstige Bemerkungen“ notiert er trocken: „Überall bin ich zu Hause, überall bin ich bekannt…“, was sicherlich dafür spricht, dass Anselm Schott auch über einen guten Sinn für Humor verfügt haben wird, ihn jedenfalls gegen Ende seines Lebens erworben haben muss.

[6] Dieses Kloster in Belgien wurde 1872 gegründet und 1878 zur Abtei erhoben. 1920 schied sie aus der Beuroner Benediktinerkongregation aus. Gegenwärtig ist Maredsous vor allem noch für das übrigens zu keinem Zeitpunkt dort selbst gebraute Bier und den Käse gleichen Namens bekannt.

[7] Ohne dessen Brevier-Forschungen und sein Buch Geschichte des Breviers, zuerst erschienen Freiburg i. Br. 1895, wäre die Brevier-Reform 1911 sehr wahrscheinlich gar nicht möglich gewesen.

[8]Ein Missale für den Benediktinerorden vom Jahre 1885, also der Editio typica von Papst Leo XIII. aus 1884 entsprechend. Dreißig Jahre später sollte Pater Anselm Manser OSB (1876-1951) 1915 wieder ein solches Missale Monasticum herausbringen und damit sogar die Missale-Reform Pius‘ X. für den Bereich des Benediktinerordens bereits umsetzen, während die römische Editio typica durch den Tod des Papstes 1914, vor allem aber durch den Ersten Weltkrieg, außerdem durch die Beanspruchung der Vatikanischen Verlagsdruckerei mit der Herausgabe dreier verschiedener Ausgaben des Codex Iuris Canonici von 1917, bis 1920 verzögert wurde.

Foto: P. Anselm Schott OSB – Bildquelle: Archiv Oldendorf

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