Synode: Kardinal Erdö umreißt die Themenfelder

Geltende katholische Lehre in Erinnerung gerufen. - Barmherzigkeit Gottes verlangt Umkehr.
Erstellt von Radio Vatikan am 6. Oktober 2015 um 04:45 Uhr

Vatikan (kathnews/RV). Worum geht es inhaltlich in der Synode? Was wird die Teilnehmenden in den kommenden drei Wochen beschäftigen? Der Generalrelator der Synode – also ihr Berichterstatter – ist Kardinal Peter Erdö. Er umriss das Themenfeld bei seinem umfangreichen Einführungsreferat an diesem Montagvormittag in der vollbesetzten Synodenaula. Bei den strittigen Punkten rief Kardinal Erdö jeweils die geltende katholische Lehre in Erinnerung.

Herausforderungen

Migration, niedrige Arbeitslöhne, Geburtenrückgang, Gewalt gegen Frauen, Zwangsabtreibung und Zwangs-Sterilisation: die Problemfelder, in denen Familie heute bestehen muss, sind exorbitant viele, sagte Erdö. Auch der wachsende Individualismus gefährde Ehe und Familie, ebenso wie die Konsumgesellschaft: diese trenne Sexualität und Fortpflanzung und mache menschliches Leben und Elternschaft zu wählbaren und abwählbaren Modulen.

Berufung

Als Lichtpunkte in diesem düsteren Panorama skizzierte Erdö Ehe und Familie, wenn sie funktionieren: sie lassen die Individuen nicht isoliert, sondern übermitteln Werte und bieten Entwicklungschancen. Die Unauflöslichkeit der Ehe sei da nicht etwa ein Joch, sondern ein Geschenk.

Sendung

Die katholische Familie habe heute auch die Aufgabe, das eigene Selbstverständnis zu erklären, und das in einer so klaren wie zeitgemäßen Sprache zu tun, sagte Erdö: „So wird das Angebot klar, auch wenn nicht alle die Verkündigung akzeptieren werden.“ Auch in der Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen gelte es Farbe zu bekennen, besonders dort, wo „der offizielle Betriff von Familie nicht mit dem christlichen übereinstimmt“.

„Verwundete Familien“

„Heikel und anspruchsvoll“ ist die Sendung der Kirche dort, wo es um die kirchliche Eingliederung „verwundeter Familien“ geht, sagte Erdö. Damit sind gescheiterte Verbindungen, Paare ohne Trauschein oder in ziviler Zweitehe verheiratete Geschiedene gemeint. Barmherzigkeit und Aufnahme seien hier das Gebot der Stunde, begleitet freilich von einer klaren Darstellung der Wahrheit über die Ehe, verdeutlichte Erdö. „Die größte Barmherzigkeit ist es, die Wahrheit mit Liebe zu sagen.“ Barmherzigkeit gehe über Mitleid hinaus, sie „zieht an und vereint, verwandelt und erhebt, lädt ein zur Umkehr“.

Paare ohne Trauschein müssten mit „gesunder Pädagogik“ angeleitet werden, damit sie den Plan Gottes erkennen; für Geschiedene regt Erdös Bericht die Schaffung diözesaner Krisenzentren an, in denen nach Lösung und Versöhnung gesucht werden soll.

Wiederverheiratete Geschiedene

Im Fall der wiederverheirateten Geschiedenen sei „ein vertieftes Nachdenken“ erforderlich. Dabei dürfe die barmherzige seelsorgerliche Begleitung keinen Zweifel an der Unauflöslichkeit der (ersten) Ehe lassen. „Die Barmherzigkeit Gottes schenkt dem Sünder Vergebung, verlangt aber Umkehr.“ Hier geht Erdös Synoden-Bericht auf den Begriff des sogenannten „Bußwegs“ („via penitenziale“) ein, den Kardinal Walter Kasper als möglichen Lösungsweg ins Spiel gebracht hatte. Lossprechung in der Beichte und Zugang zur Eucharistie könnten – bekräftigte Erdö – jene wiederverheirateten Geschiedenen erlangen, die sexuell enthaltsam leben. Alternativ könne der „Bußweg“ nach der traditionellen Praxis der lateinischen Kirche verstanden werden, die den Priestern eine Lossprechung wiederverheirateter Geschiedener freilich nur dann ermöglichte, sofern sie versprachen, ihr Leben zu ändern.

Abstufungen und „Gradualität“

Der Vorstellung einer „Gradualität“ bei der Beurteilung sexueller Beziehungen außerhalb der Ehe erteilte Erdö eine Absage. Objektiv gebe es zwischen wahr und falsch sowie zwischen Gut und Böse keine Gradualität, betonte er. Allerdings könne es für den einzelnen eine subjektive, graduelle Annäherung an das Gute und Wahre geben. Die subjektive Schuld sei weniger schwer, wenn die Sünde nicht erkannt werde.

Umgang mit Homosexuellen

Menschen mit homosexueller Tendenz müssen „mit Respekt und Taktgefühl“ aufgenommen und jede Diskriminierung vermieden werden, heißt es im Synodenbericht in Anlehnung an den Katechismus. Es gebe aber keine Grundlage, um auch nur entfernte Parallelen zwischen homosexuellen Verbindungen und dem Plan Gottes mit Ehe und Familie zu ziehen.

Ja zum Leben vom Anfang bis zum Ende

Großes leistet die Kirche – so erinnert Erdö – in der Unterstützung von Schwangeren, verlassenen Kindern, Frauen, die abgetrieben haben. Hier trete die Kirche an Lehrstellen des staatlichen Systems, sie trägt hier Werte voran, „die man in Geld nicht bemessen kann“. Auch das Nein zu Abtreibung und Euthanasie und das Ja zur Förderung natürlicher Verhütungsmethoden findet sich im Synodenpapier, ebenso wie die Ermutigung zur Adoption von Kindern.

Erziehung

Die Eltern sind und bleiben die ersten Verantwortlichen für die menschliche und religiöse Erziehung ihrer Kinder, und die Kirche hat das Recht, sie zu einem verantwortlichen und wachsamen Blick auf staatliche Erziehungsprogramm anzuhalten, heißt es in Erdös Bericht.

Foto: Petersdom – Bildquelle: Kathnews

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