Synodaler Weg: Schisma oder Aufweichung von unten?

Vor dem Auftakt des sog. „Synodalen Wegs“ hat der deutsche Verbandskatholizismus, angeführt vom „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ (ZdK), seine Forderungen bekräftigt. Ein Kommentar von Mathias von Gersdorff.
Erstellt von Mathias von Gersdorff am 29. Januar 2020 um 10:25 Uhr

(kathnews/MvG-Blog). Vor dem Auftakt des sog. „Synodalen Wegs“ hat der deutsche Verbandskatholizismus, angeführt vom „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ (ZdK), seine Forderungen bekräftigt: Revision der Sexualmoral, Segen und liturgische Feiern für gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Öffnung aller Ämter für Frauen, Demokratisierung der kirchlichen Leitung etc.

Diese Forderungen sind alles andere als neu. Neu ist lediglich, dass sie noch hartnäckiger und lauter vorgetragen werden. Die blasphemische Gruppe „Maria 2.“ hat sogar Straßendemonstrationen durchgeführt, um sich Gehör zu verschaffen.

Dass sich die Wünsche von ZdK & Co. nicht mit dem kirchlichen Lehramt vereinbaren lassen, ist offensichtlich. Unter diesen Umständen müsste die gesamte Veranstaltung abgesagt werden. Trotzdem haben lediglich Kardinal Wölki von Köln und Bischof Voderholzer das Statut des „Synodalen Prozesses“ abgelehnt. Weitere Kirchenmänner haben lediglich vor „zu großen Erwartungen“ gewarnt.

Was kann unter diesen Umständen aus diesem Treffen zwischen Bischöfen und Verbandskatholiken herauskommen? Was wird da überhaupt angestrebt?

Möglichkeit 1: Die Gründung einer schismatischen und häretischen deutschen Nationalkirche

Wenn auch nur ein kleiner Teil der Forderungen angenommen und in der Praxis umgesetzt werden, so würden sich die Bischöfe, die sich darauf einlassen, von Rom trennen und eine neue Kirche gründen.

Ihr Credo wären die Maximen der 1968er-Bewegung: Sexuelle Revolution, Feminismus, Gender-Ideologie, Basisdemokratie. Universitätstheologen würden dafür sorgen, dem Ganzen einen christlichen Anstrich zu geben.

Ganz unwahrscheinlich ist ein solcher Ausgang nicht, zumindest in einigen Bistümern. Unter dem Motto „nachgeben, um nicht zu verlieren“ haben manche Bischöfe dermaßen hohe Erwartungen geweckt, dass sie irgendwann nicht mehr zurückrudern oder den Schwarzen Petern Rom zuschieben können. Einige Bischöfe hätten sowieso schon heute keine Probleme, Frauen zu weihen. Es könnte eine Revolte entstehen, die sich nicht mehr kontrollieren lässt, etwa wie bei der Kirchenspaltung im 16-ten Jahrhundert.

Allein aufgrund dieses Risikos ist es unverantwortlich, dass die Deutsche Bischofskonferenz den „Synodalen Weg“ einberuft.

Möglichkeit 2: Eine dezentrale Zersetzung des Glaubens, des Lehramtes und der Hierarchie durch Pseudo-Beschlüsse

Der deutsche Progressismus könnte eine andere Strategie wählen: Im Laufe des „Synodalen Wegs“ werden Tagungsberichte und Positionspapiere mit unklarer Verbindlichkeit redigiert und veröffentlicht. Beispielsweise wird die Forderung nach liturgischen Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Partnerschaften „begrüßt“, doch auf missverständlicher Art und Weise ausgedrückt, ob solche denn stattfinden dürfen oder nicht.

Resultat: Jeder interpretiert die Texte, wie er will, etwa nach dem Muster des Apostolischen Schreibens „Amoris laetitia“ hinsichtlich der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene. Die Einheit der Kirche würde zerbrechen, aber auf unterster Ebene, in den sog. „Pastoralen Räumen“ und nicht unbedingt auf Bistumsebene.

Auf diesem Wege würde mit der Zeit eine „Synodalität“ auf lokaler Ebene entstehen bzw. zementiert werden. In Großstädten wie Frankfurt am Main existieren schon heute völlig widersprüchliche Glaubenspraktiken. So gibt es dort sog. „Queer-Gottesdienste“ und Pseudo-Segnungen queerer Paare.

Der „Synodale Weg“ würde diese Situation verstärken und ihr eine Art „Legimitation“ durch die entstehenden Texte geben. Weil diese gar keinen verbindlichen Charakter hätten, müsste man sie auch nicht von „Rom“ anerkennen lassen.

Diese Vorgehensweise würde de facto auch eine neue Kirche entstehen lassen, aber nicht auf eine krachende Art und Weise wie oben beschrieben. Die Hierarchie würde ihre Funktion verlieren. Das kirchliche Lehramt wäre bestenfalls noch eine Richtlinie, die man eventuell zur Kenntnis nimmt. Diese Kirche könnte nicht mehr als „katholisch“ bezeichnet werden.

Was können rechtgläubige Katholiken unternehmen?

Es ist noch schwer zu prognostizieren, welchen Widerstand rechtgläubige Katholiken in einer solchen Situation leisten könnten. Früher hätten sie sich an Rom gewendet und in der Tat wurde so manche Fehlentwicklungen verhindert, man erinnere sich bloß an die Debatte um dem unsäglichen „Beratungsschein“, der straffreie Abtreibungen ermöglichte. Ob man heute auf eine solche Rettungsaktion hoffen darf, ist fraglich.

Foto: Mathais von Gersdorff – Bildquelle: Privat

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