Spezifische kirchliche Seelsorge für deutsche Vertriebene wird gestrichen

Vertriebenenverbände sollen sich um Pflege des religiösen Erbes und der Kultur kümmern.
Erstellt von Felizitas Küble am 30. September 2016 um 07:46 Uhr
Kardinal Reinhard Marx

Fulda (kathnews/CF/domradio). In Folge des Zweiten Weltkriegs flohen Millionen Deutsche nach Westen. Damit sie heimisch wurden, baute die katholische Kirche in der Bundesrepublik Deutschland eigene Seelsorge-Strukturen auf, die nun allerdings auslaufen. 70 Jahre danach beenden die Bischöfe ihre überdiözesane Seelsorge für Heimatvertriebene und Aussiedler. Künftig sollen die katholischen Vertriebenenverbände sich eigenständig um die Pflege des religiösen Erbes und der Kultur der aus dem Osten gekommenen Katholiken und ihrer Nachfahren kümmern und auch den europäischen Gedanken fördern. Dies teilte der Vorsitzende der Dt. Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, zum Abschluß der Herbstvollversammlung der Bischöfe in Fulda mit. Bistümer und Gemeinden sollen auch weiterhin Gottesdienste oder Wallfahrten für die Heimatvertriebenen anbieten, heißt es.

Zum Hintergrund: Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren 12 bis 14 Millionen Deutsche aus den früheren Ostgebieten, Russland, der Tschechoslowakei sowie aus Siedlungsgebieten im früheren Jugoslawien, Rumänien und Ungarn vertrieben worden, rund die Hälfte davon Katholiken. Mit Unterstützung von Papst Pius XII. baute die Kirche seit 1946 eine eigene Seelsorge mit Apostolischen Administratoren für die verschiedenen Landsmannschaften der Vertriebenen auf. Bischöfe und Priester aus den östlichen Diözesen sorgten dafür, dass die Geflüchteten eine religiöse Heimat behielten. Die Bischofskonferenz richtete eigene Arbeitsstellen ein. Diese spezielle Pastoral wird nun aufgelöst.

Quelle: Christliches Forum und Domradio

Foto: Kardinal Reinhard Marx – Bildquelle: Wolfgang Roucka