„Sanktionen bringen nichts“

Schweizer Bischof Felix Gmür zur Pfarrer-Initiative.
Erstellt von Radio Vatikan am 24. Mai 2013 um 21:49 Uhr
Kreuzigung Christi - Glaskunst

Basel (kathnews/RV). Der Bischof von Basel, Felix Gmür, will den Dialog mit den Seelsorgern in seinem Bistum verstärken. Dies sei besonders wichtig im Hinblick auf die pastoralen Anfragen, die von den Unterzeichnern der so genannten „Pfarrei-Initiative“ genannt werden. Das sagt der Bischof im Gespräch mit Radio Vatikan. Der Dialog zwischen dem Bischof und den Seelsorgern soll unter dem Titel „Pastoraler Entwicklungsplan im Dialog“ weitergeführt werden. Dialog statt Sanktionen, das seien Ziel und Zweck des Pastoralen Entwicklungsplanes, so Gmür. „Sanktionen bringen nichts, weil Sanktionen auf Tatsachen beruhen müssen, die man wirklich feststellen muss. Ich müsste also für Seelsorger ein Verfahren einführen. Aber das würde unsere Zeit und unsere Kräfte überfordern. Jede Sanktion würde im Übrigen jeden Dialog beenden. Aber ich brauche ja Seelsorger. Deshalb ist es besser, sie ins Boot zurückzuholen anstatt sie auszugrenzen.“

Die „Pfarrei-Initiative“ ist am 10. November 2012 entstanden. 90 Seelsorgende forderten damals Reformen, wie die Kommunionausteilung für Andersgläubige, Laienprediger und die Segnung wiederverheirateter Paare. Die Schweizer Bischöfe lehnen die Initiative ab. Unter den Unterzeichnern sind auch mehrere Seelsorger aus dem Bistum Basel – aber nicht alle, wie Bischof Gmür betont. Er wolle auf jeden Fall auf alle zugehen. „Es ist eine Vertrauensoffensive, weil immer Vertrauen gefordert wird vom Bischof. Das ist für mich kein Problem, aber ich verlange ebenso Vertrauen, weil Vertrauen mit Verlässlichkeit und Verbindlichkeit zu tun hat. Auch ein Bischof hat das Recht, Vertrauen einzufordern und ich muss mir sicher sein, wenn ich Vertrauen schenke, dass dieses Vertrauen nicht missbraucht wird. Deswegen verlange ich, das Grenzen respektiert werden.“ Dem „Pastoralen Entwicklungsplan im Dialog“ waren mehrere Gespräche in den vergangenen Wochen vorangegangen: mit 52 Priestern, 28 Diakonen, 127 Laientheologinnen und Laientheologen sowie mit 25 Katechetinnen und Katecheten. Von diesen 232 Personen hatten 133 den Text der „Pfarrei-Initiative“ unterzeichnet.

„Der Text der „Pfarrei-Initiative“ enthält zehn Punkte. Meine Anfrage ging in die Richtung zu fragen, weshalb die Unterzeichner dieses Dokument unterschrieben haben. Die meisten waren mit einem oder vielleicht zwei/drei Punkten einverstanden und haben mir ihre Motivation dargelegt. Ich habe in einem Brief nun zusammengefasst, was die drei Hauptstoßrichtungen sind, wieso unterschrieben wurde. Ich bin dankbar, dass die theologische Reflexion sehr viel höher ist als im Text der „Pfarrei-Initiative“.“ Zu den drei Hauptpunkten sagt Bischof Gmür, dass die Gespräche aufgezeigt hätten, wo inhaltliche Klärungen nötig seien und wie man gemeinsam vorgehen könne. Einer der Themenbereiche betreffe die pastoralen Berufe. Dort gelte es, ein neues Zusammenwirken der verschiedenen Berufsrollen zu finden. Ein weiterer Themenpunkt, der zwischen Bistumsleitung und den Mitarbeitern weiter ausdiskutiert werden soll, ist das gegenseitige Vertrauen. Ein dritter Themenbereich umfasst das Gebiet „Normen und Regeln“. Es sind also Punkte die die Weltkirche, aber vor allem auch die katholische Kirche in der gesamten Schweiz betreffen.

„Wir haben in der Schweiz vier Sprachregionen, doch die „Pfarrei-Initiative“ betrifft nur die Deutschschweiz und da vor allem die Bistümer St. Gallen, Chur und Basel. Wir Bischöfe haben uns geeinigt, dass jedes Bistum selber schauen muss, wie es mit dieser Initiative umgehen soll, weil die Verhältnisse so unterschiedlich sind. Wir haben im Bistum Basel für die Durchführung fünf Dialoghalbtage entschieden, nachdem ich von allen Seelsorgern einen Antwortbrief gefordert habe. Nun wollen wir über den Text der Initiative hinausgehen. Wir unterscheiden auch nicht mehr zwischen Unterzeichnern und Nicht-Unterzeichnern, denn die Aufgabe des Bischofs besteht in der Schaffung der Einheit. Ich will nicht die Seelsorger spalten und vom Bistum trennen. Vielmehr geht es doch darum, dass sie mit mir eine Einheit bilden.“ Bischof Gmür unterstrich in einem offenen Brief vom Donnerstag, dass die Seelsorge an sich in einem großen Umbruchprozess stecke. „In diesem Brief schreibe ich auch, dass ich keine Lösungen für Probleme finden kann, aber der Nachsatz ist ebenso wichtig: und dann ist es so, wie es einmal war. Es wird aber nie so sein, wie es einmal war. Das ist die Spannung, in der wir drin sind und die manche Seelsorgerin und Seelsorger, aber auch manche Bischöfe, nur schlecht aushalten können. Die Kirche wird nie mehr so sein, wie sie einmal war. Wie sie sein wird, dass weiß ich nicht und ich nehme an, dass das auch andere nicht wissen. In diesem Umbruchprozess ist es wichtig, die verschiedenen pastoralen Dienste in ihrer Zuordnung neu zu sehen.“

Foto: Kreuzigung Christi – Glaskunst – Bildquelle: Andreas Gehrmann