Reihe mit dem Titel „Beuroner Profile“ im Beuroner Kunstverlag

Eine Buchbesprechung von Martin Bürger.
Erstellt von Martin Bürger am 29. April 2020 um 23:38 Uhr

Im Beuroner Kunstverlag erscheint seit 2019 eine neue Reihe mit dem Titel „Beuroner Profile“, die sich mit Mönchen der berühmten Beuroner Benediktinerkongregation befasst und sie in kompakten, leicht lesbaren Büchern vorstellt. Die ersten beiden Bände wurden jeweils von Adalbert Kienle verfasst. Zunächst geht es in „Der Chorallöwe von Beuron“ um Pater Ambrosius Kienle, der dem gregorianischen Choral Ende des 19. Jahrhunderts in ganz Deutschland zu neuer Blüte verholfen hat. Sodann hat der zweite Band mit dem Titel „Der Grenzgänger von Beuron“ die Gestalt von Willibrord Benzler im Blick, der zunächst in Beuron Mönch war, dann Abt von Maria Laach und schließlich Bischof von Metz wurde.

Pater Ambrosius als auch der später Bischof Willibrord traten gemeinsam in Beuron ein und durchlebten den Kulturkamp in Bismarck-Deutschland. Tatsächlich mussten die Mönche das Kloster verlassen und verbrachten mehrere Jahre im Ausland, etwa in Österreich und Tschechien. Das komplizierte Verhältnis zum Staat sollte Bischof Willibrord sein ganzes Leben lang begleiten. Nach dem Ende des Kulturkampfes wurde er Abt von Maria Laach. Als solcher war er von Kaiser Wilhelm sehr geschätzt, der, selbst Protestant, die Abtei sogar besuchte.

„Zum Abschluss des zweistündigen Besuchs übergibt Wilhelm II. an Abt Benzler ein Bildnis des Kaisers und verleiht ihm den Kronenorden II. Klasse. Er fügt beim Abschied noch hinzu: ‚Das ist hoffentlich nicht das letzte Mal!‘ Laut Chronik ruft die Kaiserin noch beim Einsteigen in die Kutsche: ‚Wilhelm, nach Laach gehen wir wieder!‘“

Nach seiner Berufung zum Bischof von Metz verändert sich das Verhältnis zwischen Kaiser und dem vormaligen Abt Willibrord. Metz befindet sich im deutsch-französischen Grenzgebiet und war besonders während des Ersten Weltkriegs, als Bischof Willibrord dort seinen Dienst tat, ein schwieriger, polarisierter und polarisierender Ort. Der Bischof fühlte sich nicht in erster Linie dem deutschen Kaiser, sondern der Kirche verpflichtet. Wegen der komplizierten Situation kehrte er in Absprache mit dem Papst nach dem Krieg ins Kloster zurück.

Pater Ambrosius, der große Freund des gregorianischen Chorals, starb viel früher als Bischof Willibrord, obwohl die beiden fast gleichaltrig waren. Nichtsdestotrotz lebte Pater Ambrosius nicht nur ein pflichtbewusstes Leben hinter Klostermauern, wie man es von einem Mönch erwartet, sondern war wegen seiner Talente auch ein vielgefragter Musiker und Wissenschaftler, der Choralkurse gab.

„Die ersten mehrtägigen anspruchsvollen Choralkurse in Beuron, die unter der Leitung von Pater Ambrosius 1891 und 1892 abgehalten werden, finden bei Chorleitern, Organisten, Lehrern, Mönchen und Priestern aus deutschen Ländern wie aus Österreich und der Schweiz großen Zuspruch.“ Pater Ambrosius reiste jedoch auch vielfach in andere Klöster und Gegenden.

Beide Bücher bieten einen hervorragenden Einblick in zwei wenig bekannte, aber umso beeindruckendere Mönchsgestalten aus der ruhmreichen Beuroner Benediktinerkongregation. Der Leser darf teilhaben am traditionellen Klosterleben, wie es nach der Säkularisation noch einmal erblühte, bevor seit der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils ein neuerlicher Niedergang eingetreten ist.

Martin Bürger

Bibliografische Informationen und Bestellung:

Der Chorallöwe von Beuron
Der Grenzgänger von Beuron

Foto: Der Chorallöwe von Beuron (Buchcover) – Bildquelle: Beuroner Kunstverlag