Reformationsgedenken in Lund: Gemeinsamer Blick auf das Heilen richten, nicht so sehr auf die geschlagenen Wunden und den Hass der Vergangenheit

Den Dialog zwischen Lutheranern und Katholiken weiter ausbauen.
Erstellt von Radio Vatikan am 30. Oktober 2016 um 14:52 Uhr
Altar, Dom zu Lund

Lund (kathnews/RV). Die gemeinsame Einladung zum Reformationsgedenken in Lund ist bereits ein großer Erfolg und ein Schritt vorwärts. Kaisamari Hintikka ist Vize-Generalsekretärin des Lutherischen Weltbundes und zuständig für die ökumenischen Beziehungen und ihre Einschätzung spiegelt die Begeisterung der katholischen Partner wieder. „Es ist ein Event, der auf fünfzig Jahren sorgfältigen und treuen Dialog von Lutheranern und Katholiken aufbaut“, berichtet sie gegenüber Radio Vatikan. „Es geht also nicht nur darum, was wir in Lund tun, sondern auch darum anzuerkennen, was wir alles in den vergangenen fünfzig Jahren haben tun und erreichen können. Und das ist ziemlich beeindruckend, wenn man an die Situation in den 60e Jahren zurück denkt und dann an die gemeinsamen Erklärungen etwa zur Rechtfertigungslehre. Auch das jüngste Dokument ist in dieser Hinsicht beeindruckend, in „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ erzählen die lutherische und die katholische Kirche erstmals gemeinsam die Geschichte der Reformation.“ Darauf wolle man aufbauen.

Die Geschichte dieses Dialoges liefere auch den Grund, weswegen Lund der Ort des Gedenkens ist und nicht etwa Deutschland, von wo aus die Reformation ja ausgegangen ist. „Beim Lutherischen Weltbund ist die Überzeugung sehr stark, dass die Reformation, auch wenn sie starke Wurzeln in Deutschland und Nordeuropa hat, heute ein Weltbürger ist. Schweden ist ein wichtiger Ort für den Weltbund, hier wurde er 1946 vor genau 70 Jahren gegründet, genau in Lund.“ Die schwarzen und schlimmen Seiten der Geschichte wolle und dürfe man nicht ausblenden, betont Hintikka, im Gegenteil, man wolle aber gemeinsam den Blick auf das Heilen richten, nicht so sehr auf die geschlagenen Wunden und den Hass der Vergangenheit.

Sensibilität für die Praxis

Ist Ökumene nicht nur was für die Spezialisten wie sie selber? Nein, im Gegenteil, vor allem diese Spezialisten sollten genau hinsehen, was vor Ort in Sachen Ökumene geschieht, sagt Hintikka. „In unseren ökumenischen Dialogen sind wir immer sensibler geworden für die Erwartungen und Herausforderungen der Kirchen vor Ort, zum Beispiel die Unmöglichkeit, gemeinsam Brot und Wein zu teilen. Das sind die Dinge, die wir als Theologen diskutieren müssen.“

Letztlich sind die wirklich wichtigen Anliegen aber auf allen Ebenen vertreten, das zeige auch die Unterzeichnung etwa der Absichtserklärung in Malmö, die ja den Einsatz vor Ort und die Weltgemeinschaften der Kirche vereine. „Gemeinsam sind wir stärker, der Welt zu helfen. Besonders in dieser Zeit der immer weiter gehenden Fragmentierung ist es wichtiger denn je, dass wir zusammen kommen. Und das ist an der Basis genauso wichtig wie auf der Weltebene“.

Foto: Altar, Dom zu Lund – Bildquelle: Kathnews