„Rechtes Christentum?“ – Versuch einer Antwort in Buchform auf linksliberales Christentum in Politik und Gesellschaft

Eine Buchbesprechung von Martin Bürger.
Erstellt von Martin Bürger am 27. Dezember 2019 um 08:30 Uhr

Unter dem Titel „Rechtes Christentum?“ blicken die Autoren des vorliegenden Buches auf den Glauben „im Spannungsfeld von nationaler Identität, Populismus und Humanitätsgedanken“. Es handelt sich um eine Sammlung von elf Aufsätzen – herausgegeben von Felix Dirsch, Volker Münz und Thomas Wawerka –, deren Autoren „die Positionen ‚rechter Christen‘ insbesondere in Bezug auf die Gestaltung der Politik“ zum Ausdruck bringen. Dabei zeige sich, „dass die viel zu lange vorherrschende linksliberale Interpretation biblischer Aussagen und christlicher Werte im politischen Diskurs kein Monopol beanspruchen darf. Eine konservative Sichtweise ist legitim und aus Perspektive der Autoren zur Bewältigung der derzeitigen politischen Herausforderungen notwendig“. Die sachliche Auseinandersetzung im Rahmen des Buches ist dabei wohltuend.

In ihrem Vorwort schreiben die Herausgeber erklärend mit Blick auf Osteuropa: „Dass rechtes, also nationales und konservatives Gedankengut (jedenfalls unter gewissen kulturellen und historischen Bedingungen) unschwer mit christlichen Vorstellungen zu verbinden ist, zeigt das Beispiel Polen. Hier wird die gegenwärtige Regierung mit ihrem Übervater Jarosław Kaczyński oft als ‚rechtspopulistisch‘ gescholten, weil sie die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung – vor allem gegen Islamisierung und EU-Zentralismus – vertritt. Ein Großteil des Klerus dürfte diesen Kurs befürworten.“

Im Aufsatz „Christen in der AfD“ spricht Volker Münz vom Einfluss, den Christen im Rahmen der Programmarbeit auf die politische Positionierung der AfD nehmen konnten. Auf jenen Einfluss gehe insbesondere das Bekenntnis der Partei „zur christlich-abendländischen Kultur, zum Schutz des ungeborenen Lebens und zur Willkommenskultur für Kinder, zur Bewahrung des Leitbilds der traditionellen Ehe und der Familie sowie die Ablehnung der Gender-Ideologie“ zurück, so Münz.

Die in „Rechtes Christentum?“ abgedruckten Aufsätze sind lesenswert und regen zum Nachdenken an. Dabei ist es nicht unbedingt von Bedeutung, ob man den Autoren in allen Einzelheiten zustimmt. Die Bewertung der Identitären Bewegung, wie sie Caroline Sommerfeld vornimmt, muss der Leser nicht übernehmen. Der Sarkasmus von Matthias Matussek ist auch nicht jedermanns Sache: „Selbst wenn, liebe Theologen und Politiker und aufgeregte Reformaktivisten, selbst wenn der Zölibat biblisch nicht zwingend verankert sein sollte, so ist er doch tief in der katholischen Tradition eingewoben. Auch der Kölner Dom ist nicht biblisch belegt, und trotzdem machen wir kein ökumenisches Parkhaus daraus.“

Das moderne Christentum wird von Martin Lichtmesz in seinem Aufsatz wortgewaltig wie folgt charakterisiert: „Das spätabendländische Christentum, aufgeklärt, demokratisch und liberal, dabei senil und kindisch geworden, hechelt heute seinen säkularen Kindern Liberalismus, Egalitarismus und Sozialismus hinterher, die von ihm den messianischen Eifer und den Erlösungsgedanken geerbt haben.“ Es bleibt zu hoffen, dass das im Buch studierte „rechte Christentum“ auf politischer und gesellschaftlicher Ebene vielleicht doch noch zu seinem Recht kommt.

Von Martin Bürger

Bibliografische Informationen:

ISBN 978-3-99081-004-0
Felix Dirsch / Volker Münz / Thomas Wawerka (Hg.)
ARES VERLAG GmbH
RECHTES CHRISTENTUM?
Der Glaube im Spannungsfeld von nationaler Identität, Populismus und Humanitätsgedanken
251 Seiten, Hardcover
€ 19,90

Foto: Rechtes Christentum?  – Bildquelle: ARES VERLAG GmbH