Raphaël – Die Wiederkehr eines Erzengels

Eine Buchbesprechung von Hans Jakob Bürger.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 3. Dezember 2013 um 23:30 Uhr
Foto: Paul Badde - Raphaël

Das neue Buch von Paul Badde „Raphaël, Die Wiederkehr eines Erzengels“ ist eine Zumutung. Der Autor, langjähriger Rom-Korrespondent der WELT, mutet seinen Lesern wahrhaftig etwas zu. Er schreibt über einen Alkoholiker, der zum katholischen Glauben konvertiert, sich als Menschenfreund zeigt und gleichzeitig als kritischer Aussteiger. Badde schreibt, dass sein Buch eine Dokumentation sei, ein Sachbuch, aber kein Roman. Und tatsächlich beschreiben die Kapitel, die jeweils eine Person zu Wort kommen lassen, die den „Erzengel“, der eigentlich von Geburt Walther Kahn hieß, gekannt haben. Sie erzählen von ihren Begegnungen mit ihm und beschreiben, wer er für sie gewesen ist. Nach Jahrzehnten erinnern sich diese Menschen wieder an einen, der zwar als außergewöhnlicher Mensch lebte – aber warum war er ein Erzengel?

Badde sucht diese Zeitzeugen auf, die ihm erzählen, wie sie Walther Kahn und später Raphaël begegnet sind und wie sie ihn als Menschen erlebt haben. Dabei muss der Autor das Gedächtnis seiner Gesprächspartner strapazieren, denn so viele Jahrzehnte nach dem Tod von Raphaël erinnert man sich nicht mehr so leicht. Es war nun die Pflicht von Paul Badde, sich der kunstvollen Arbeit zu widmen, die gewonnenen Aussagen so zu formulieren, dass so etwas wie eine Biografie entstehen konnte. Und dies gelang ihm, dessen Bücher bereits in mehreren Sprachen erschienen sind, meisterhaft. Von Kapitel zu Kapitel wird der Leser mehr und mehr hineingenommen in das scheinbar so verkorkste Leben des Walter Kahn, alias Raphaël. Und es ist spannend, wie Badde jedem seiner Zeugen die je  eigenen Interpretationen lässt. Er nimmt nichts weg. Das Leben von Raphaël wird stets deutlicher vor dem eigenen inneren Auge. Der Erzengel stirbt schließlich, vielleicht nicht tragisch, denn dem Tod kann ein Alkoholiker nicht leicht entrinnen.

Walther Kahn ist eine unbequeme Persönlichkeit. Worauf will uns der Autor mit einer derartigen Lebensbeschreibung aufmerksam machen? Paul Badde schreibt im ersten Kapitel von sich selbst und seiner Familie. Offenbar hat diese Geschichte mehr mit ihm zu tun, als es zunächst den Anschein hat. Walther Kahn wurde erst später der Erzengel, er wurde getauft, von da an nannte er sich Raphaël. Er war gläubig und suchte stets sein Glaubenswissen zu vermehren. Und er war ein absolut selbstloser Mensch. Gibt es Bezüge zwischen dem Autor und seiner Hauptfigur? Wie Walther Kahn, so hatte auch Paul Badde seinen Kinderglauben verloren. Er verließ sein Elternhaus und war ohne Glauben. Viel später erst merkte er, dass er dennoch auf der Suche war. Es war die Suche nach dem ewig Gültigen und Wahren, nach dem Schönen, letztlich nach Gott. Schließlich fand er wieder zum Glauben seiner Kindheit zurück. Und dieses Suchen und Finden gipfelt bei ihm in der Erkenntnis, das wahre Abbild Christi gesehen zu haben.

Paul Badde selbst wurde vom Göttlichen Antlitz in Manoppello erkannt, berührt und umgestaltet. Doch was wirklich geschehen ist – dieses Geheimnis behält der Autor für sich. „Raphaël, Die Wiederkehr eines Erzengels“ ist ein großartiges Buch, dazu ausgestattet mit vielen zeitdokumentarischen Informationen. Es möge vielen Menschen helfen, sich zu erinnern und sich neu zu entscheiden.

Paul Badde
Raphaël
Die Wiederkehr eines Erzengels
1. Auflage 2013, 224 Seiten
ISBN: 978-3-7766-2725-1
14,99 EUR* D / 15,50 EUR* A / 23,50 CHF* (UVP)
Herbig

Foto: Paul Badde – Raphaël – Bildquelle: Herbig