Priesteranwärter sollen politische Einstellung offenlegen

Regenten deutscher Bistümer informieren über Auswahlkriterien.
Erstellt von Katholische Nachrichten-Agentur am 14. August 2013 um 11:05 Uhr
Heilige Weihe

Bonn (kathnews/KNA). Katholische Priesteramtsanwärter sollten künftig auch ihre parteipolitische Einstellung offenlegen. Das sagte der Leiter des Paderborner Priesterseminars, Regens Michael Menke-Peitzmeyer, am Dienstag dem Internetportal katholisch.de in Bonn. Das Portal befragte mehrere Regenten in Deutschland zu den Auswahlkriterien für Priester vor dem Hintergrund rechtsextremer Tendenzen bei einigen Priesteramtsanwärtern in Würzburg. „Gerade nach dem Missbrauchsskandal haben wir uns eher auf psychologische Dinge konzentriert. Zukünftig muss es auch um politische Dimensionen gehen,“ so der Paderborner Regens. Zumindest eine Parteizugehörigkeit müssten die Kandidaten angeben.

Trotz Priestermangels wolle man die Auswahlkriterien von Kandidaten nicht aufweichen, sagte der Passauer Regens Franz Haringer dem Internetportal. Die Seminarleiter stellten den Anwärtern Fragen wie: „Woher kommt die Motivation, Priester werden zu wollen? Besteht die Bereitschaft zum Zölibat? Wo und wie wurde der Glaube bisher erfahren?“ Zusätzlich würden Gutachten vom Heimatpfarrer oder dem Religionslehrer eingeholt. Wichtige Auswahlkriterien seien etwa, ob ein Bewerber schon in der Gemeinde aktiv war, ob er kommunikativ, psychisch stabil und intellektuell in der Lage sei, ein Theologiestudium zu absolvieren, erklärte der Hamburger Regens Thomas Benner. Insgesamt seien die Ansprüche an Priesteramtskandidaten höher geworden, sagte der Berliner Regens Matthias Roy. Früher habe es einfache, kleinere Aufgaben gegeben. „Aber heute muss ein Priester alles können.“ Ende Mai war bekanntgeworden, dass einige Würzburger Priesteramtsanwärter aufgrund rechtsextremer Äußerungen und Handlungen aufgefallen waren. Sie sollen Judenwitze erzählt und Hitler-Parodien aufgeführt haben. Zudem soll ein Seminarist ein Konzert bei der rechtslastigen Deutschrock-Band „Freiwild“ besucht haben. Zwei angehende Priester mussten daraufhin das Seminar verlassen.

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Foto: Heilige Weihe – Bildquelle: Błażej Benisz, CC