Postsynodales Schreiben – Welche Lehrautorität hat „Querida Amazonia“?

Eine kirchenrechtliche Klärung. Von Dr. iur. can. Gero P. Weishaupt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 14. Februar 2020 um 19:47 Uhr
Papst Franziskus

Vatikan (kathnews). Vatikansprecher Matteo Bruni hat am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Erinnerung gerufen, dass das jüngste Nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus Teil des päpstlichen Lehramtes sei. Kardinal Lorenzo Baldisseri, der Sekretär der Bischofssynode, stellte klar, dass das Abschlussdokument der Bischofssynode hingegen nicht Ausdruck des Lehramtes sei. Und man kann ergänzen: weder des päpstlichen noch des bischöflichen Lehramtes. Das Abschlussdokument hat überhaupt keine Lehrautorität.

Abschlussdokument der Bischofssynode machte nur Vorschläge

Das Abschlussdokument war Ergebnis der Amazoniensynode, die im Oktober letzten Jahres in Rom stattgefunden hat. In dem Dokument haben die Synodenväter dem Papst Vorschläge unterbereitet. Eine Bischofssynode ist nach dem Kirchenrecht ein Organ, das den Papst berät. Es ist ein Beratungsgremium, nicht mehr und nicht weniger. Eine Bischofssynode hat weder beschließende Befugnisse noch ist sie Gesetzgeber. Der Papst ist darum frei, die Vorschläge einer Bischofssynode in einem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben aufzugreifen und sich eigen zu machen. Erst wenn der Papst den einen oder anderen Vorschlag des Abschlussdokumentes aufgreift, wird er Teil der päpstlichen Lehrautorität und damit  bindend.

Keine „Viri probati“

Der Papst hat sich die von der Bischofssynode in ihrem Abschlussdokument vorgeschlagenen „viri probati“ (bewährte verheiratete Diakon, die zu Priestern geweiht werden) für die Amazonasgebiete nicht zu eigen gemacht. Das Thema wird im Lehrschreiben überhaupt nicht behandelt. Es ist ausgeschlossen, dass Bischofskonferenzen sich stattdessen auf das Abschlussdokument der Synode berufen können. Dieses hat keinerlei Autorität. Maßgebend für die Kirche, insbesondere für Amazonien, ist das Nachsynodale Schreiben. Der Papst geht in „Querida Amazonia“ auf die diesbezüglichen Wünsche der Synodenväter überhaupt nicht ein, sondern erinnert an bewährte Maßnahmen zur Lösung des Priestermangels, wenngleich der Papst die Diskussion über die „viri probati“ offen läßt und in diesem Bereich keine Türen schließt.

Kein Weiheamt für Frauen

Mit dem Ausschluss einer „Klerikalisierung“ von Frauen (Nr. 100) bekräftigt der Papst jedoch erneut sein Nein zu Weihen von Frauen. Die von Synodenvätern vorgeschlagene Möglichkeit der Weihe von Frauen zu Diakonen hat Papst Franziskus sich nicht eigen gemacht. Der Papst konnte dies auch nicht tun, da er selber 2016 eine Kommission beauftragt hatte, die diese Frage erneut untersuchen soll. Deren Antwort steht bislang aus. Geht man von vorausgegangen theologischen Untersuchungen aus, so ist  zu bezweifeln, ob eine erneute Untersuchung zu anderen Ergebnissen kommen wird. Das Nein des Papstes zum Diakonat der Frau konnte daher nicht überraschen.

Auch in Zukunft bleibt die Tür geschlossen

Schon gar nicht konnte Papst Franziskus Hoffnungen auf die Zulassung von Frauen zum Priestertum erfüllen. Der Papst ist, wie alle seine Nachfolger, gebunden an die definitive, unfehlbare und damit unveränderliche Lehraussage seines Vorgängers Johannes Paul II. Mehrmals hat Papst Franziskus in Interviews gesagt, dass die Tür zum Priestertum der Frau ein für allemal geschlossen ist. Und sie bleibt auch zu. Kein künftiger Papst wird sie öffnen können. Denn eine geoffenbarte Wahrheit oder eine, die aufs Engste historisch oder logisch mit der Offenbarung zusammenhängt, ändert sich nicht. Sie kann nur vertieft und besser verstanden werden (vgl. Vinzenz von Lerin und die beiden letzten Konzilien). Eine Korrektur und einen Weg zurück gibt es nicht. Die Diskussion gilt definitiv als geschlossen.

Keine Dispens von einer kanonischen Strafandrohung

Es ist daher mehr als problematisch, dass die Frage der Priesterweihe für Frauen trotzdem auf der Agenda des Synodalen Weges in Deutschland steht. Sind sich die Teilnehmer des Synodalen Weges, die diese Frage trotz eindeutiger päpstlicher unfehlbarer Lehraussagen weiterhin diskutieren wollen, bewusst, dass die Kirche nach wie vor Strafen denen androht, die eine vom Papst  unfehlbar und definitiv vorgetragene Glaubenslehre hartnäckig ablehnen (can. 1371,  1°)? Papst Franziskus hat von diesem Strafgesetz die Teilnehmer, die den Synodalen Weg zur Diskussion in dieser Frage nutzen wollen, nicht dispensiert und ihnen keinerlei Auftrag, über das Priestertum der Frau zu diskutieren, erteilt.

Lehrautorität und Gehorsam

Das jüngste Nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus ist, wie alle seine bisherigen Lehraussagen, Ausdruck des höchsten universellen päpstlichen Lehramtes. Weil die Lehrautorität des jüngsten Schreibens nicht definitiv ist, ist ihm von allen Gläubigen gemäß can. 752 zwar kein Glaubensgehorsam, wohl aber ein „religiöser Verstandes- und Willensgehorsam“ entgegenzubringen. Insofern das Dokument allerdings indirekt auf die Nichtzulassung von Frauen zum Priestertum eingeht, ist es mit einer festen Annahme durch die Gläubigen anzunehmen (can. 750 § 2). Denn in Bezug auf das Priestertum von Frauen partizipiert das Nein von Papst Franziskus am unfehlbaren und definitiven Nein des Lehrschreibens „Ordinatio sacerdotalis“ von Papst Johannes Pauls II.

Auch wenn „Querida Amazonia“ als Ganzes, abgesehen von der indirekten Aussage gegen die Priesterweihe von Frauen, nicht den Anspruch der Unfehlbarkeit erheben kann und darum auch, wenngleich es nicht wahrscheinlich ist, ein Irrtum nicht ausgeschlossen werden kann, so ist das Päpstliche Schreiben sehr wohl autoritativ und bindend. Seine Autorität beruht auf der dem Papst als Nachfolger des Apostels Petrus geschenkten Geistbegabung und Bevollmächtigung zum Zeugnis durch Christus. Diese nicht definitive, aber authentische und bindende Lehre des Papstes gilt es seitens aller Katholiken mit einer religiösen Zustimmung anzunehmen in Anerkennung der päpstlichen Autorität, die Papst Franziskus als Nachfolger des Apostels Petrus und oberstem Hirten der Kirche von Christus her zukommt.

Foto: Papst Franziskus – Bildquelle: Kathnews