Plädoyer für einen würdigen Kommunionempfang

Ein Gastbeitrag von Sebastian Priebe.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 26. August 2014 um 09:36 Uhr
Hostie

Sonntag für Sonntag strömen die Massen der Messbesucher Richtung Altar zum Kommunionempfang. Nur sehr wenige Leute bleiben in den Bänken knien. Mir scheint dies ein Symptom für die Glaubenskrise zu sein, entzünden sich doch um die Frage des Kommunionempfangs gleich mehrere Kontroversen, die eine solche Krise noch bestätigen. Zunächst einmal gilt es zu betonen, dass die Kirche freilich wünscht, dass die Gläubigen möglichst oft den Leib des Herrn empfangen, wenn möglich, sogar täglich (Vgl. OE 15). Allerdings hält sie unverändert an der Lehre fest, dass nur derjenige die Eucharistie empfangen darf, der sich keiner schweren Schuld bewusst ist (vgl. KKK 1415). Diese Lehre findet sich schon bei Paulus: „Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt.“ (1 Kor 26-29).

Die gängige Kommunionpraxis: Zeichen massiver Unkenntnis der kirchlichen Lehre

Die Selbstverständlichkeit, mit der viele den Leib des Herrn empfangen, legt nahe, dass viele Gläubige sich gar nicht dessen bewusst sind, was oder besser Wen sie da eigentlich empfangen. Der Glaube an die Realpräsenz ist bei vielen Katholiken wohl nicht mehr anzutreffen. Hinzu kommt ein völlig falsches Verständnis der Messe als Mahlfeier. Dass die Messe ein Opfer ist, die Kommunion ein Opfermahl, das eine Frucht dieses Opfers ist, ist vielen nicht mehr bekannt. Das Fehlen dieses Bewusstseins kommt indes nicht von ungefähr. Wenn in der Katechese – sei es zur Kommunion-, sei es zur Firmvorbereitung – diese grundlegenden Dinge nicht vermittelt, ja nicht einmal angesprochen werden, braucht es nicht zu verwundern, dass viele Gläubige den Glauben der Kirche nicht kennen und folglich auch nicht annehmen können. Es zeigt sich in der gängigen Kommunionpraxis also auch eine tiefe Krise der Katechese.

Voraussetzung eines würdigen Kommunionempfangs: Die Gewissensprüfung

Ein weiterer Aspekt, der vielen Katholiken nicht mehr bekannt ist, ist die Unterscheidung zwischen lässlichen Sünden – die durch den Kommunionempfang getilgt werden – und schweren Sünden, die vom Kommunionempfang ausschließen. Diese Unterscheidung ist aber für einen würdigen Kommunionempfang unerlässlich. Wer sich schwerer Schuld bewusst ist (dazu gehört auch, am Sonntag ohne triftigen Grund wie Krankheit oder großer Entfernung zur nächsten katholischen Kirche dem Heiligen Messopfer fernzubleiben, um nicht von zahlreichen Verfehlungen gegen das sechste Gebot zu sprechen), darf erst nach einer Beichte wieder den Leib des Herrn empfangen. Überhaupt gehören Beichte und Eucharistie eng zusammen. In der ostkirchlichen Tradition ist sie sogar eine Conditio sine qua non, d.h. eine unumgängliche Voraussetzung, um überhaupt den eucharistischen Herrn empfangen zu dürfen. Ohne Beichte ist dort ein Kommunionempfang also gar nicht möglich. Die Westkirche setzt die Beichte zwar nicht in dieser strikten Form für den Kommunionempfang voraus, stimmt aber mit der Ostkirche im Wesentlichen überein, indem sie lehrt, dass man nur im Stand der Gnade – d.h. nur, wenn man sich keiner schweren Schuld bewusst ist – den Leib des Herrn empfangen darf (vgl. KKK 1415). Ohnehin ist jeder Katholik verpflichtet, wenigstens einmal im Jahr das Sakrament der Beichte zu empfangen und wenigstens einmal im Jahr – möglichst zur Osterzeit – den Leib des Herrn (vgl. KKK 2042).

Die eucharistische Nüchternheit

Neben dem Stand der Gnade gilt zudem eine weitere Voraussetzung zur Zulassung zur Kommunion. Es ist dies die eucharistische Nüchternheit. In manchen Sprachen hat sie sich übrigens im Wortschatz niedergeschlagen. So weist das englische breakfast, was wörtlich übersetzt „Fastenbrechen“ bedeutet, deutlich auf die uralte Praxis hin, dass all diejenigen, die die Eucharistie empfangen wollen, zuvor auf Speisen verzichten, um sich entsprechend auf den Empfang vorzubereiten. Diese Tradition gilt auch in der Westkirche bis heute, wobei sie sich heute auf den Verzicht auf Speisen und Getränke – Wasser und Medikamente sind freilich davon ausgenommen – im Zeitraum von einer Stunde vor dem Kommunionempfang beschränkt. Selbstverständlich steht es jedem frei, diese Zeit auszudehnen und etwa vom Aufstehen bis zum Kommunionempfang (sofern er im Verlaufe des Vormittags erfolgt) auf Speisen und Getränke zu verzichten, was nach meinem Dafürhalten sehr die dem Kommunionempfang entsprechende Haltung stärkt.

Die Bedeutung eines würdigen Kommunionempfangs

Eine bewusste Kommunionpraxis ist letztlich unerlässlich. Sie muss von dem Bewusstsein um die
Begegnung mit dem lebendigen Gott in den eucharistischen Gestalten getragen sein. Gott ist gerecht und wir tun daher gut daran, uns selbst zu prüfen, ob wir wirklich frei von schwerer Schuld sind und somit den Leib des Herrn empfangen dürfen. Nur so werden wir der Früchte der Eucharistie zuteil. Andernfalls versündigen wir uns schwer an Seinem kostbaren Leib. So heißt es auch in der neunten Strophe des eucharistischen Liedes „Deinem Heiland, deinem Lehrer“: „Gute kommen, Böse kommen, alle haben ihn genommen, die zum Leben, die zum Tod; Bösen wird er Straf und Hölle, Frommen ihres Heiles Quelle; so verschieden wirkt dies Brot.“ Jedem Kommunionempfang sollte also eine Gewissensprüfung vorausgehen.

Für all diejenigen, die nicht im Stande der Gnade sind, sei die alte Praxis der geistigen Kommunion ans Herz gelegt. Sie besteht in einer geistigen Vereinigung mit dem Herrn und erfolgt – wie auch der sakramentale Empfang der Kommunion – unter Gebeten. Sie empfiehlt sich auch – gelegentlich angewandt – für diejenigen, die sich keiner schweren Schuld bewusst sind, um sich immer wieder der Größe des eucharistischen Mysteriums bewusst zu werden und die zu seinem Empfang nötige Demut zu schulen. Jedem Katholiken sollte es ein tiefes Anliegen sein, seinem Herrn, dem er alles Gute zu verdanken hat, mit der notwendigen inneren Haltung zu begegnen. Schließlich empfangen wir Gäste auch nicht ohne unsere Wohnung zuvor aufzuräumen und sie so annehmlich wie möglich herzurichten. Wenn uns nun schon Gäste dieser Welt so viel wert sind – um wie viel mehr sollte es uns am Herzen liegen unsere Seele für den Herrn entsprechend herzurichten!

Foto: Hostie – Bildquelle: Kathnews