Papst vielleicht 2016 in Deutschland

Heiliger Vater empfÀngt Sachsens MinisterprÀsident Tillich zur Privataudienz.
Erstellt von Radio Vatikan am 5. November 2015 um 21:03 Uhr
Petersdom

Vatikan (kathnews/RV). Papst Franziskus reist womöglich 2016 nach Deutschland. Das sagte am Donnerstag Sachsens MinisterprĂ€sident Stanislaw Tillich (CDU) nach einer Privataudienz im Vatikan. Er habe den Papst eingeladen, in den Freistaat Sachsen zu kommen. Rund 40 Minuten unterhielt sich Tillich mit Franziskus und weitere 40 Minuten mit dem vatikanischen Außenminister Pietro Parolin. „Ich habe den Heiligen Vater, so wie ich das auch angekĂŒndigt hatte, nach Deutschland eingeladen und hatte ihn vom nĂ€chstjĂ€hrigen hundersten Katholikentag in Leipzig berichtet, und er hat großes VerstĂ€ndnis fĂŒr meine Einladung gezeigt.“

Ein Besuch in Deutschland sei also wahrscheinlich, betonte der sorbische Katholik und derzeitige BundesratsprĂ€sident Tillich. 2016 erscheine ihm realistischer fĂŒr einen Papstbesuch als das Jahr darauf, denn 2017 seien Bundestagswahlen. Zuvor hatten bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel und BundesprĂ€sident Joachim Gauck das Oberhaupt der katholischen Kirche offiziell nach Deutschland eingeladen. Der MinisterprĂ€sident verstĂ€ndigte sich mit Hilfe eines Dolmetschers mit dem Papst, obwohl dieser sich bemĂŒhte, auch Deutsch zu sprechen und viele der Wörter verstand, sagte der MinisterprĂ€sident nach der Privataudienz. Themen des GesprĂ€chs waren unter anderem der Glaube und die Werte, die weltweite FlĂŒchtlingsdebatte, die daraus folgende Integration der FlĂŒchtlinge und der Dialog der Religionen:

„Unter anderem aber auch ĂŒber die VerhĂ€ltnisse in Sachsen selbst. Über die Frage des Anteils der GlĂ€ubigen an der Gesellschaft und darĂŒber, dass man – was eben auch notwendig ist – den Menschen, die jetzt zu uns kommen, eine Chance gibt sich zu integrieren. Der muslimische Glaube und der christliche Glaube profitieren beide im Westen Europas von der Religionsfreiheit, aber gleichzeitig mĂŒssen wir alles dafĂŒr tun, dass es nicht zu einer Isolation der Menschen kommt oder zu einer Parallelgesellschaft. Was dazu fĂŒhren wĂŒrde, dass sie sich zurĂŒckziehen wĂŒrden – und das wollen wir nicht. Thema war auch, dass wir uns als WesteuropĂ€er wieder auf unsere Werte besinnen. StĂ€rker auch die Mitmenschlichkeit und die Barmherzigkeit ins Auge nehmen.“ Sachsen ist auch Pegida-Land, und das Thema der AuslĂ€nderfeindlichkeit ist prĂ€sent. Nicht immer sind dort Willkommensgesten fĂŒr FlĂŒchtlinge zu sehen. Menschen protestieren gegen die vermeintliche „Islamisierung des christlichen Abendlandes“.

„Wir sind jetzt erst dabei, die ersten Erfahrungen zu sammeln. Der Anteil der auslĂ€ndischen MitbĂŒrger war in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten relativ gering. Wir erleben jetzt, dass der Anteil von FlĂŒchtlingen an Schulklassen von 0 auf 50 Prozent der wĂ€chst. Das heißt, wir haben – anders als manchmal vermutet – eben auch schon 50 bis 60 Prozent AuslĂ€nderanteil in den Schulklassen. Und das fordert alle heraus: die Eltern, die SchĂŒler, die Lehrer. Ich bleibe bei meiner grundlegenden Feststellung: Kinder werden nicht fremdenfeindlich geboren. Deswegen liegt es vor allem an denjenigen, die sie dazu erziehen, wie sie leben, dass sie den Mensch, der ihnen begegnet, auch respektieren. “

Das Jahr der Barmherzigkeit könnte hier also die richtigen Botschaften verbreiten, so Tillich. Er hatte den Dresdener Kreuzchor mit nach Rom genommen. Er gab zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit am Dienstag ein Konzert in der Kirche der deutschsprachigen katholischen Gemeinde Santa Maria dell’Anima; dort sprach der vatikanische KardinalstaatssekretĂ€r Pietro Parolin.

Foto: Petersdom – Bildquelle: Kathnews; M. BĂŒrger

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