Papst kommt 2016 und 2017 nicht nach Deutschland

Franziskus‘ Terminplan ist einfach zu voll.
Erstellt von Radio Vatikan am 19. Februar 2016 um 08:51 Uhr
Reichstag in Berlin

Berlin (kathnews/RV). Vermutungen ĂŒber einen möglichen Papstbesuch in Deutschland noch in diesem laufenden Jahr beziehungsweise 2017 haben sich vorerst nicht bestĂ€tigt. Im Rahmen der Abschlusspressekonferenz zur FrĂŒhjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz betonte der Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx, dass der Vatikan in GesprĂ€chen mit den deutschen Bischöfen deutlich gemacht habe, dass Franziskus‘ Terminplan einfach zu voll sei. Damit sei ein Besuch in Deutschland vorerst kein Thema mehr sei, so Marx.

In Bezug auf aktuelle Krisen in Europa betonte Marx, der zugleich Vorsitzender der EuropĂ€ischen Bischofskonferenzen (COMECE) ist, dass es Risse im Haus Europas gebe und die europaskeptischen Stimmen stĂ€rker wĂŒrden. Erst am Donnerstag kritisierte die Vorsitzende der europakritischen Partei „Alternative fĂŒr Deutschland“ (AFD), Frauke Petry, eine Verlogenheit der deutschen Kirche im Umgang mit FlĂŒchtlingen, da sie das GesprĂ€ch mit der AFD verweigere. Kardinal Marx entgegnete auf diese Kritik, dass es der FlĂŒchtlingsdebatte im Land – ungeachtet jeglicher Parteizugehörigkeit – nicht dienlich sei, zu polarisieren. „Das sind Debatten, die die Probleme verschĂ€rfen und emotionalisieren. Wir brauchen hingegen eine Versachlichung der Diskussion.“

Sicher mĂŒssten die Sorgen der BĂŒrger ernst genommen werden, aber der Austausch mĂŒsse in einem Stil des Respektes und des Dialogs stattfinden, in Anerkennung der Schwachen, also der FlĂŒchtlinge, fuhr Marx fort. Die PrioritĂ€t mĂŒsse ihre Not sein. Marx appellierte hier an alle politisch Verantwortlichen: „Unsere Bitte an die Politik ist hier zusammenzustehen, mit AlleingĂ€ngen innerhalb der EU ist die Aufnahme der FlĂŒchtlinge nicht zu bewerkstelligen.“ Auf den Vorwurf der AFD-Chefin, die deutsche Kirche kĂŒmmere sich mehr um Muslime als um ihre eigenen GlaubensbrĂŒder, entgegnete Marx: „Ich kann nicht erkennen, dass wir als Kirche nicht allen helfen, auch in der Seelsorge fĂŒr Christen aus Nahost.“

Im Rahmen ihrer FrĂŒhjahrsvollversammlung kĂŒndigten die deutschen Bischöfe an, ihr Engagement fĂŒr die FlĂŒchtlinge fortsetzen und ausweiten zu wollen. Entsprechend verabschiedeten sie am Donnerstag LeitsĂ€tze, die sowohl die christliche SolidaritĂ€t mit FlĂŒchtlingen unterstreichen sowie einen menschlichen Umgang mit FlĂŒchtlingen und eine sachliche Debatte ĂŒber das Thema fordern. Des Weiteren werden praktische Schritte erörtert wie etwa der Wohnungsbau, berufliche Qualifikation von FlĂŒchtlingen, sowie medizinische und psychotherapeutische Versorgung. Auch interreligiöse Projekte in Zusammenarbeit mit jĂŒdischen und muslimischen Religionsgemeinschaften seien denkbar.

Neben dem großen Themenblock FlĂŒchtlinge erörterten die Bischöfe Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ethische Herausforderungen angesichts aktueller Entwicklungen in den Bereichen Reproduktionsmedizin und Gentechnik sowie Thesen zum SelbstverstĂ€ndnis und Auftrag Katholischer Schulen, die im April vorgestellt werden sollen.

Foto: Reichstag in Berlin – Bildquelle: Michael J. Zirbes

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