Papst Franziskus exkommuniziert Vorsitzende der österreichischen Organisation „Wir sind Kirche“

Schweres Vergehen gegen die römisch-katholische Lehre führt zur Tatstrafe.
Erstellt von Katholische Nachrichten-Agentur am 23. Mai 2014 um 00:18 Uhr
Petersdom

Innsbruck (kathnews/KNA). Die Vorsitzende der österreichischen Reformbewegung „Wir sind Kirche“, Martha Heizer (67), und ihr Ehemann Gerd sind exkommuniziert. Der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer stellte als Ergebnis eines kirchenrechtlichen Verfahrens fest, dass sich die promovierte Theologin und ihr Mann aufgrund eines „schweren Vergehens“ gegen die katholische Lehre selbst die Tatstrafe der Exkommunikation zugezogen hätten. Grund für die Beugestrafe sind simulierte Eucharistiefeiern, die die beiden mit anderen Katholiken ohne Priester in ihrem Haus in Absam in Tirol feierten. Das Ehepaar Heizer lehnte es ab, das Dekret anzunehmen. Man akzeptiere das ganze Verfahren und also auch das Dekret nicht. In einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme erklärte Bischof Scheuer sein Bedauern, dass es bei den Betroffenen zu keinem Umdenken gekommen sei. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass binnen zehn Tagen beim Bischof eine Rücknahme oder inhaltliche Abänderung der Straffeststellung beantragt werden könne.

Mit der Bekanntgabe der Praxis von „privaten Eucharistiefeiern ohne Priester“ sei eine Situation geschaffen worden, in der er als Bischof von Innsbruck rechtliche Schritte habe einleiten müssen. Das Ehepaar habe gewusst, „welche Situation sie herbeiführen und was ihr Handeln kirchlich bedeutet“. Die pensionierte Religionspädagogin Heizer, 1995 Mitinitiatorin des sogenannten Kirchenvolksbegehrens in Österreich, hatte 2011 in Interviews mitgeteilt, sie und Gleichgesinnte würden im kleinen Kreis eucharistieähnliche Riten ohne Anwesenheit eines Priesters vollziehen. Bischof Scheuer informierte daraufhin die Römische Glaubenskongregation. Die Heizers erklärten am Donnerstag über ihre Organisation, die hätten „die Strafe erwartet“. Allerdings seien sie „entsetzt“, sich mit ihrem Versuch unerlaubter Eucharistiefeiern „in der gleichen Kategorie wie priesterliche Missbrauchstäter“ wiederzufinden. Es werde „mit unterschiedlichem Maß“ gemessen, zumal sie selbst von keinem einzigen exkommunizierten Missbrauchstäter wüssten.

Das Ehepaar erläuterte, der Bischof habe ihnen das entsprechende Dekret im Diözesangericht in Anwesenheit zweier Diözesanrichter vorgelesen. Sie hätten es jedoch zurückgewiesen, da sie das Verfahren in seiner Struktur als außergerichtliches Strafverfahren „nie akzeptiert“ hätten und folglich auch den Schuldspruch nicht akzeptierten. Die in den 90er Jahren entstandene Reformbewegung „Wir sind Kirche“ setzt sich nach eigenen Angaben für eine „Erneuerung der katholischen Kirche“ ein. Mittlerweile ist die Initiative in mehr als 20 Ländern organisiert. Der damalige Vorsitzende der Römischen Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, erklärte 1997, dass Forderungen der Plattform „zum Teil der christlichen Lehre widersprechen und in offenem Gegensatz zur kirchlichen Ordnung stehen“. Heizer, langjährige Vize-Vorsitzende von „Wir sind Kirche“ Österreich, war erst im April zur neuen Vorsitzenden gewählt worden.

Sie leitet seit 2012 auch das „International Movement We are Church“. Bischof Scheuer erklärte, es liege nun allein beim Ehepaar Heizer, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Tatstrafe der Exkommunikation unverzüglich nachgelassen werden könne. Da Eucharistie von ihrem Wesen her eine Feier der ganzen Kirche ist, könne es eine „private Eucharistiefeier“ gar nicht geben. Kriterium für eine Eucharistiefeier könne „nicht nur der subjektive Wille der Betroffenen und deren Befindlichkeit sein“. Der Innsbrucker Theologe Roman Siebenrock erklärte, das Ehepaar Heizer habe dem Ruf „Wir sind Kirche“ eine neue Interpretation gegeben. Wer sich selbst zum Priester oder zur Priesterin mache, sage letztlich: „Ich bin die Kirche, ich bin Bischof oder Bischöfin, ich bin Papst oder Päpstin – und zwar aus eigener Souveränität.“ Die Reaktion des Bischofs sei daher unausweichlich gewesen, so Siebenrock. Der Bischof habe ihn nicht gewollt und nicht „selbstherrlich“ herbeigeführt.

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Foto: Petersdom – Bildquelle: Wolfgang Stuck