Papst Franziskus beleidigt erneut liturgische Überlieferung und das Leben aus ihr

Ein Bericht von Clemens Victor Oldendorf.
Erstellt von Clemens Victor Oldendorf am 10. Mai 2022 um 10:38 Uhr
Alte Messe - Manipel

Am 7. Mai 2022 hat Papst Franziskus den Lehrkörper und Studenten der Liturgiewissenschaft der römischen Benediktiner-Hochschule Sant’Anselmo in Audienz empfangen. Dabei warnte er vor „liturgischem Formalismus“, der darin bestehe, „zu Formen und Formalitäten zurückzukehren“. Diese Haltung schrieb der Heilige Vater sodann jenen zu, „die versuchen, zurückzukehren“ und denen er immer wieder unterstellt, das Zweite Vatikanische Konzil pauschal zu verneinen. Wörtlich sagte der Papst: „Da wird das Feiern der Liturgie zu einer Aufführung, einer Sache ohne Leben, ohne Freude. (…) Um die Tradition zu bewahren, benutzen sie die Liturgie.“

Aussage im Kontext eines anderen Ereignisses der letzten Tage speziell bezeichnend

Eine besonders schmerzliche Note erhält die Aussage vor dem Hintergrund der Tatsache, dass wenige Tage zuvor, am 4. Mai, eine Gruppe französischer Priestermütter, deren Söhne Gemeinschaften, die die überlieferte Liturgie praktizieren und als Quelle ihrer Berufung und Spiritualität erleben, angehören, nach einer von Paris ihren Ausgang nehmenden Fußwallfahrt in Rom eingetroffen waren, um beim Papst mehr Sensibilität und Verständnis für dieses Anliegen zu wecken. Die Gruppe der Pilgerinnen war vom Heiligen Vater zwar namentlich auf dem Petersplatz begrüßt worden, jedoch ohne auf das Motiv der Wallfahrt einzugehen, dem Papst zu vermitteln, dass das von ihm wieder und wieder gezeichnete Bild der Traditionalisten für deren große Mehrheit nicht repräsentativ ist.

Richtig sagte der Papst am vergangenen Samstag, dass „niemand die Liturgie besitzt“. Er vergaß dabei, dass das auch die Kirche und letztlich die Bischöfe und Päpste einschließt. Liturgie ist Gabe an die Kirche und Vorgabe. Seinen Refrain der „in sich abgeschlossenen Mentalität“ wiederholte der Papst gegenüber den traditionsverbundenen Katholiken, die mit dem Stuhl Petri und den Ortsbischöfen ausdrücklich in Verbindung und Einheit stehen möchten, erneut.

Es ist allzu evident, dass die eigene Verschlossenheit in der Mentalität der unmittelbaren Nachkonzilszeit bei Papst Franziskus zu dessen geradezu absoluter Verständnislosigkeit für die Beweggründe der Gläubigen, die der Tradition verbunden sind, führt. Darüber können auch die punktuellen Zugeständnisse, mit denen Papst Franziskus die Priesterbruderschaft St. Petrus zumindest intern relativ weitgehend von den Bestimmungen seines Erlasses Traditionis Custodes ausgenommen hat, nicht hinwegtäuschen, und auch diese Bruderschaft selbst sollte sich deswegen keinen Illusionen hingeben.

Dem petrinischen Dienst eklatant zuwider

Mit seinen wiederkehrenden Unterstellungen an die Adresse der traditionsorientierten Gläubigen und Priester, die man bei jedem anderen als böswillige Sticheleien und Schikanen bezeichnen würde, provoziert der Papst tatsächlich die Fehlhaltungen und Abkapslungen von der Gesamtkirche, die sein Konstrukt des typischen Traditionalisten ausmachen. Man möchte das dem Heiligen Vater keineswegs unterstellen, würde es aber ganz bewusst geschehen, wäre es dem petrinischen Dienst an der Einheit, auf den sich Franziskus ja in Traditionis Custodes ausdrücklich berufen hat, im Gegenteil eklatant und diametral entgegengesetzt.

Foto: Alte Messe – Manipel – Bildquelle: Berthold Strutz

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