Papst an Priester und Ordensleute: Dient, dient, dient!

Den Klerus ins Gebet genommen.
Erstellt von Radio Vatikan am 28. November 2015 um 09:47 Uhr
Priesterkragen

Nairobi (kathnews/RV). Den anderen dienen und sich nicht von anderen bedienen lassen: das ist die richtige Haltung fĂŒr Priester und Ordensleute. Papst Franziskus kam bei seiner Begegnung mit ihnen in Nairobi auf eines seiner Lieblingsthemen fĂŒr Kleriker zurĂŒck. Die vorbereitete Rede legte er gleich eingangs beiseite und sprach frei auf Spanisch, sein bewĂ€hrter Übersetzer aus dem Staatssekretariat, Monsignore Mark Miles, dolmetschte auf Englisch.

„Was bedeutet es, erwĂ€hlt zu sein? Ich wurde angesehen, ich wurde gewĂ€hlt“, begann Franziskus seine mit witzigen Bemerkungen und Applaus durchsetzte Rede, die gleichwohl auch kritische Töne enthielt. So wandte er sich gegen den Typus des Karrierepriesters und der Ordensfrau, die dem Ruf Jesu aus weltlichem Interesse folgt. „Erinnern wir uns an die Mutter von Jakob und Johannes: Herr, ich möchte dich bitten, wenn du die Torte anschneidest, gibt das grĂ¶ĂŸte StĂŒck meinen Söhnen. Den einen zu deiner rechten, den anderen zu deiner Linken“, fĂŒhrte Franziskus aus. Wer zur Nachfolge Jesu berufen sei, der könne nicht durchs Fenster einsteigen, sondern mĂŒsse durch die TĂŒr eintreten, und die TĂŒr sei einzig Christus. „Es gibt die Versuchung, dem Herrn aus Ehrgeiz zu folgen. Doch im Leben eines Menschen, der Jesus folgt, ist kein Platz fĂŒr Ehrgeiz, noch fĂŒr Reichtum noch fĂŒr das Bestreben, eine wichtige Person in der Welt zu sein.“ Und mit einer Pointe fuhr der Papst fort: „Alles was ihr tun mĂŒsst, ist Jesus bis ans Kreuz zu folgen, fĂŒr die Auferstehung sorgt er dann schon selbst!“

Die Kirche sei kein Business und keine Nichtregierungsorganisation, nein: „die Kirche ist ein Geheimnis. Das Geheimnis des Angeschaut-Werdens von Christus.“ Klar sei natĂŒrlich, dass Jesus einen Mann oder eine Frau, die er beruft, „nicht gleich heiligspricht. Wir sind immer noch dieselben SĂŒnder. Aber uns rettet die ZĂ€rtlichkeit und die Liebe Jesu.“

„Was Gott zum Kotzen bringt: Lauheit“

Allerdings dĂŒrften Priester und Ordensleute niemals aufhören, ĂŒber die eigenen SĂŒnden zu weinen, wie es Petrus tat, als er Jesus verriet. „Weinen ĂŒber die eigene Untreue, weinen ĂŒber das Leid der Welt, weinen ĂŒber diese weggeschmissenen Leute, ĂŒber die verlassenen Alten, ĂŒber die ermordeten Kinder, ĂŒber die Dinge, die wir nicht verstehen, weinen wenn wir uns fragen: Warum? Jedesmal, wenn ich ein Kind begrĂŒĂŸe, das Krebs hat oder eine seltene Krankheit, wie das heute heißt, dann frage ich mich: Warum nur leidet dieses Kind? Und ich habe keine Antwort darauf, ich sehe nur auf Jesus am Kreuz. Es gibt Situationen im Leben, die uns einfach nur zum Weinen bringen, und dann mĂŒssen wir Jesus am Kreuz betrachten, und das ist die einzige Antwort auf bestimmte Ungerechtigkeiten, auf Leid. Wenn ein Priester oder ein Ordensmann, eine Ordensfrau den gekreuzigten Christus vergisst, fĂ€llt er oder sie in eine sehr hĂ€ssliche SĂŒnde, eine SĂŒnde, vor der Gott ekelt, die Gott zum Kotzen bringt: Die SĂŒnde der Lauheit. Liebe Priester, Schwestern und BrĂŒder, sorgt dafĂŒr, dass ihr nicht in die SĂŒnde der Lauheit verfallt.“

Dienen, dienen, dienen

„Jeder, der sich von Jesus erwĂ€hlen ließ, ist dazu gerufen, zu dienen“, schĂ€rfte der Papst den afrikanischen Priestern, Ordensleuten und Seminaristen ein: dem Volk Gottes zu dienen. Den Ärmsten, den Ausgeschlossenen, den Kindern und den Alten, den Leuten, die sich ihres eigenen Stolzes ĂŒberhaupt nicht bewusst sind.“ Und der Papst erwĂ€hnte als abschreckendes Beispiel ein Treffen mit Priestern vor einem Jahr. „WĂ€hrend dieser Exerzitien gab es jeden Tag einen Altardienst nach dem Rotationsprinzip. Einige Priester beklagten sich: Nein, wir mĂŒssen doch bedient werden! Wir können doch bezahlen dafĂŒr, dass ein anderer den Altardienst macht! Bitte! Niemals, niemals so etwas in der Kirche!“, bat Franziskus eindringlich.

Am Schluss sprach er den Priestern und Ordensleuten einen bewegenden Dank aus: „Danke fĂŒr die Nachfolge Jesu. FĂŒr jedes Mal, wenn ihr euch als SĂŒnder fĂŒhlt. FĂŒr jede Geste der ZĂ€rtlichkeit an jenen, die es brauchen. FĂŒr jedes Mal, wenn ihr Sterbende in Frieden begleitet habt. Danke dafĂŒr, dass ihr euch helfen und korrigieren lasst. Und ich bitte euch, vergesst nicht fĂŒr mich zu beten, weil ich es brauche.“

Foto: Priesterkragen – Bildquelle: Kathnews

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