Palmsonntag. Einzug Jesu in Jerusalem

Geistliche Schriftauslegung. Aus dem Kommentar des heiligen Augustinus zum Johannesevangelium.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 20. MĂ€rz 2016 um 11:58 Uhr
Dreifaltigkeit

Einleitung von Gero P. Weishaupt:
Das Zweite Vatikanische Konzil anerkennt zwar die Notwendigkeit der historisch-kritischen Exegese und wĂŒrdigt sie. Doch reicht diese Form der Exegese zum VerstĂ€ndnis der Heiligen Schrift keineswegs aus. Zu ihr muss unbedingt die lebendige Überlieferung der ganzen Kirche und die Analogie des Glauben (d.h. die innere Entsprechung im Glauben) hinzukommen (vgl. Dei Verbum, Art. 12). Andernfalls bleibt Exegese StĂŒckwerk, wird sie der Heiligen Schrift als von Gott durch den Heiligen Geist inspiriertes Wort im Menschwort nicht gerecht. „Die einzelnen BĂŒcher der  Heilgen Schrift wie diese als Ganze sind nicht einach Literatur. Die Schrift ist in und aus dem lebendigen Subjekt des wandernden  Gottesvolkes gewachsen und lebt in ihm. … Das Volk Gottes – die Kirche – ist das lebendige Subjekt der Schrift; in ihr sind die biblischen Worte immer Gegenwart. Freilich gehört dazu, dass diese Volk sich selbst von Got her, zuletzt vom leibhaftigen Christus her, empfĂ€ngt und sich von ihm ordnen, fĂŒhren udn leiten lĂ€sst“ (Joseph Ratzinger/Benedikt XVI., Jesus von Narareth, Freiburg, 19 f.). Die Theologie und Exegese der KirchenvĂ€ter stellen ein wichtiges Glied in dieser lebendigen Aneigung des Wortes Gottes im Raum des Glaubens, den die Kirche ist, dar. Die geistliche Schriftauslegung der KirchenvĂ€ter ist Antwort auf das in der Heiligen Schrift geoffenbarte Wort Gottes.

Einzug Jesu in Jerusalem

Augustinus, Kommentar zum Johannesevangelium
„Christus ist der Lehrer der Demut. Denn er erniedrigte sich selbst, und er wurde gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Wenn er uns Demut lehrt, dann verliert er nicht seine Gottheit. In seiner Gottheit ist er dem Vater gleich, in seiner Demut aber ist er uns Ă€hnlich. Dadurch, dass er dem Vater gleich ist, hat er uns ins Dasein gerufen. Dadurch, dass er uns Ă€hnlich ist, hat er uns gerettet und vom Untergang erlöst. „Hosanna! Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König Israels!“ Mit diesem Lobpreis begrĂŒĂŸte ihn das Volk. Stellt euch vor, was fĂŒr eine Qual der Neid in den Seelen der Hohenpriester ausgelöst hat, als eine so große Menge Christus als ihren König ausrief. Doch was kann es ihm schon bedeutet haben, König Israels zu sein? Was kann es fĂŒr den König der Ewigkeit schon bedeuten, König der Menschen zu werden? Christus ist ja nicht König Israels, um Tribut zu fordern oder ein Heer mit dem Schwert zu bewaffnen und die Feinde nieder zu kĂ€mpfen. Er ist der König Israels, weil er den Geist der Menschen regiert, weil er diejenigen, die glauben, hoffen und lieben, in das Himmelreich fĂŒhrt. Wenn also der Sohn, der dem Vater gleich ist, das Wort, durch das alles geworden ist, wenn er also der König Israels sein will, dann ist das keine Erhöhung, sondern eine Erniedrigung; es ist ein Zeichen erbarmender Liebe, und keine Vermehrung der Macht. Denn er, der auf Erden König der Juden genannt wurde, er ist im Himmel der König der Engel. Jesus setzte sich bei seinem Einzug in Jerusalem auf einen Esel, wie geschrieben steht: „FĂŒrchte dich nicht, Tochter Zion, siehe, dein König kommt auf dem FĂŒllen einer Eselin sitzend.“ Erkenne also den an, der von dir gepriesen wird. Hab keine Angst, wenn er leidet, denn hier wird jenes Blut vergossen, durch das deine SĂŒnde getilgt und dir das Leben wieder geschenkt werden soll.“

Foto: Dreifaltigkeit – Bildquelle: Kathnews

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