Nicht Gräben, aber Hindernisse

Erzbischof von Hamburg besucht Synode der EKD in Timmendorfer Strand.
Erstellt von Radio Vatikan am 6. November 2012 um 12:10 Uhr
Erzbischof Thissen und Bischof Bode

Timmendorfer Strand (kathnews/RV). Bei der Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 ist es wichtig, die Spaltung der Kirchen nicht zu vertiefen. Daran hat der Hamburger Erzbischof Werner Thissen als Gastredner auf der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erinnert. Dem Kölner Domradio sagte der Erzbischof, er tue sich schwer, im Zusammenhang mit der Reformation den Begriff ‚Jubiläum’ zu verwenden: „Schließlich muss man auch berücksichtigen, dass 1517 der Anfang der Kirchenspaltung war. Deshalb habe ich gesagt, das eigentliche Anliegen Luthers kommt erst dann völlig zum Tragen, wenn die Kirchen wieder eins sind. Luther wollte keine Kirchenspaltung! Und dafür müssen wir uns beide anstrengen, die evangelische und die katholische Kirche. Hier im Norden tun wir das sehr, wir haben viele gemeinsame Initiativen, sowohl, was Wortgottesdienste betrifft, als auch was soziale oder politische Initiativen betrifft. Da sind wir auf einem guten Weg.“

Dennoch bleibe noch viel zu tun. Was Jahrhunderte auseinandergelaufen sei, lasse sich nicht in 50 Jahren wieder zusammenführen. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil versuche man dies immerhin. Wichtig sei, dass beide Kirchen sich nicht gegenseitig Vorwürfe machten, sondern sich dass, was sie einander angetan hätten, verziehen. Thissen: „Wir verlieren uns manchmal auch dadurch aus dem Blick, dass wir so etwas wie konfessionelle Gefühligkeiten entwickeln. Da geht es gar nicht um Theologie, sondern um Gewohnheiten, die wir möglicherweise am anderen so nicht schätzen. Das sind nicht Gräben, aber es sind Hindernisse, auf die wir achten müssen. Wir müssen auf das achten, was wir sagen und wie wir es sagen. Bei allen Unterschieden, die es auch gibt, müssen die Worte von Wertschätzung getragen sein.“

Foto: Erzbischof Thissen (li.) – Bildquelle: Andreas Gehrmann