Nach Traditionis Custodes erst recht wieder nach Rom
Vatikan (kathnews). Seit dem gestrigen Freitag findet bereits zum elften Male eine internationale Romwallfahrt von Gläubigen, Priestern und Ordensleuten statt, die der überlieferten römischen Liturgie treu sind. Ursprünglich unter Benedikt XVI. zum Dank für Summorum Pontificum initiiert, hat man diese schon etablierte Tradition wegen Traditionis Custodes nicht etwa kleinmütig abgebrochen. Das allein schon ist ein Statement.
Kardinal Zuppi pontifiziert bei Vesper, keine Pontifikalämter mehr
Liturgisch hat die Wallfahrt gestern nachmittag um 17:30 Uhr mit einer Pontifikalvesper im Pantheon begonnen, die der amtierende Erzbischof von Bologna und Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Matteo Zuppi, gehalten hat.
In diesem Zusammenhang fällt auf, dass die heiligen Messen, die während der Wallfahrt gefeiert werden, keine Pontifikalämter mehr sind, die ein Kardinal oder Bischof oder zumindest ein infulierter Abt feiern würden. Wahrscheinlich handelt es sich um Levitenämter, aus dem Wortlaut des Programms könnte man allerdings auch den Eindruck gewinnen, es würde heute und am Sonntag jeweils lediglich eine feierliche Missa cantata zelebriert.
Der liturgische Höhepunkt ist heute, Samstag, um 11:30 Uhr eine heilige Messe, die Monsignore Marco Agostini im Petersdom am Altar der Cathedra Petri singt. Er arbeitet im Staatssekretariat und ist außerdem einer der Zeremoniare des Papstes.
Am Christkönigsfest selbst, dessen traditioneller Termin am letzten Oktobersonntag alljährlich den Anlass zu der Wallfahrt bietet, findet die heilige Messe in der in Rom von der Priesterbruderschaft St. Petrus betreuten Kirche und Personalpfarrei statt und wird morgen von Monsignore Patrick Descourtieux gehalten. Dieser ist ein Mitarbeiter des Dikasteriums für die Glaubenslehre und war schon einmal der Kommission Ecclesia Dei zugeteilt, als diese zumindest noch als eine Abteilung der Glaubenskongregation bestanden hatte.
Hochkarätiger Redner mit brisantem Vortrag im Augustinianum
Die französische Vereinigung Paix liturgique hat bereits gestern einen Empfang und eine Reihe von Vorträgen in den Räumlichkeiten des Augustinianums, eines Zentrums für patristische Studien in Rom, ausgerichtet. Als Glanzpunkt dieses Teils der Veranstaltung muss zweifelsohne der Vortrag Dr. Peter A. Kwasniewskis aus den USA über Die Rechte der unvordenklichen Tradition und die Schranken eines päpstlichen Rechtspositivismus angesehen werden. Kathnews liegt der englische Originaltext vor, und Clemens Victor Oldendorf wird, nachdem Kwasniewski sie autorisiert hat, hier zeitnah eine vollständige deutsche Übersetzung des achtzehnseitigen Redemanuskripts veröffentlichen.
Exklusiver Vorabauszug als Vorgeschmack auf vollständige Kathnews-Übersetzung
Vorab daraus einige Zitate nach Oldendorfs vorläufiger Übersetzung, soweit sie schon erstellt ist, die erahnen lassen, dass der Vortrag in Rom wahrscheinlich wie eine Bombe eingeschlagen ist, jedenfalls Aufsehen erregt haben dürfte und womöglich auch kontrovers diskutiert werden wird: „Wie erklärt man die Tatsache, dass von 266 Päpsten lediglich eine Handvoll signifikante Änderungen in den liturgischen Riten vorgenommen hat, während die weit überwiegende Mehrheit [der Päpste] vollkommen damit zufrieden war, das, was sie selbst vorgefunden und empfangen hatten, sozusagen standardmäßig konservativ weiterzugeben? Und warum finden sich die Päpste, die von allen die einschneidendsten Änderungen verfügt haben, alle im 20. Jahrhundert, genaugenommen sogar nur in dessen zweiter Hälfte? Und wie können wir erklären, wie es kommt, dass wir, wenn wir alle [kursiv im englischen Original, Anm. des Übersetzers] Änderungen vor Paul VI. zusammennehmen und gewichten, sie, wenn wir das Bild zweier Waagschalen gebrauchen, immer noch weniger schwer wiegen als die, die Paul VI. allein und als einzelner Papst durchgedrückt hat?“ Oder: „Die Idee, dass ein Papst, insbesondere nach einer langen Zeit der Stabilität und Unveränderlichkeit, neue Riten am Reißbrett entwerfen könnte, war schlicht undenkbar.
Das Problem, das ich deswegen mit einigen der heutigen [hyperpapalistischen] Apologeten habe, die die alten Scholastiker ausgraben und uns lang und breit erzählen, wie der Papst praktisch mit der Liturgie alles, was er will, anstellen kann, ist, dass beide – die Apologeten und die Scholastiker – in diesem Punkt wie Intellektuelle im Elfenbeinturm handeln, die einen theoretischen Grundsatz verteidigen, der sich, gemessen an den Tatsachen, die sich am faktischen historischen Befund und im Leben der Kirche feststellen lassen, wirklich als bedeutungslos [kursiv im englischen Original, dort steht die Vokabel irrelevant, Anm. des Übersetzers] erweist. Wenn ein Papst alles außer Materie und Form an einem Sakrament geändert hätte, hätte er sich ein vollständiges Verdammungsurteil zugezogen, sowohl unter ekklesiologischer, anthropologischer und geistlicher Hinsicht als auch unter jedem anderen, denkbaren Gesichtspunkt. Ungeachtet, welche Argumente er auch immer vorgebracht hätte, um seine vermeintliche Autorität, so zu handeln, zu untermauern. Ebensowenig hätte das christliche Volk in seinen gesünderen Tagen so etwas unwidersprochen hingenommen, bevor nämlich die mentale Zerfallserscheinung des Hyperpapalismus die Gehirne der Gläubigen ebenso wie die der Päpste mit einem Rechtspositivismus angesteckt hatte, der gleichermaßen ihre Geistesverfassung und ihre Herzensbildung angriff.“
Foto: Petersdom – innen – Bildquelle: Kathnews









