Musikalität, Geselligkeit, Frömmigkeit

Nachruf von Papst em. Benedikt XVI. auf seinen Bruder Prälat Georg Ratzinger.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 8. Juli 2020 um 16:21 Uhr
Papst Benedikt XVI.

Rom/Regensburg (kathnews). In einem von Erzbischof Georg Gänswein anlässlich des Requiems für die Seelenruhe des verstorbenen Prälaten Georg Ratzinger vorgelesenen Brief bedankte sich Papst Benedikt XVI. ausdrücklich beim Regensburger Bischof Voderholzer  für alles, was er in den letzte Wochen getan hat und noch tut. Zugleich dankte der Papst emeritus „all jenen, die sichtbar oder unsichtbar in diesen Wochen bei“ seinem Bruder „waren und ihm ihre Dankbarkeit für das gezeigt haben, was er in seinem Leben für sie getan und erlitten hat“.

Mit drei Eigenschaften, die den Bruder Georg Ratzinger kennzeichneten und die auch das persönliche Gefühl des Papsts emeritus in der Stunde des Abschiedes wiedergeben, bescheibt Benedikt XVI. seinen Bruder.

„Zuerst und vor allem wird immer wieder gesagt, dass mein Bruder seine Berufung zum Priestertum zugleich als musikalische Berufung empfangen und verstanden hat. Schon in Tittmoning in den ersten Jahren seines Schullebens hat er sich über die Kirchenmusik sorgsam nicht nur informiert, sondern erste Schritte getan, um sie selbst zu erlernen. … Als er tatsächlich zum Domkapellmeister in Regensburg berufen wurde, war es ihm Freude und Schmerz zugleich, denn unsere Mutter war fast gleichzeitig mit Domkapellmeister Schrems aus dieser Welt abgerufen worden. Wenn Mutter weiter gelebt hätte, hätte er den Ruf nicht angenommen, Chef der Regensburger Domspatzen zu sein. … Dieser Dienst ist für ihn immer mehr zur Freude geworden, die freilich durch vielerlei Leid erkauft werden musste.“

Darüber hinaus habe sich sein Bruder durch seinen Humor ausgezeichenet, „seine Freude an den guten Gaben der Schöpfung“. „Er hat über 20 Jahre in weitestgehender Blindheit gelebt und war so von einem guten Teil der Wirklichkeit ausgeschlossen. Dieser große Verzicht war immer schwer für ihn, aber er hat ihn auch stets von innen her angenommen und bestanden. Im Letzten aber war er doch ein Mensch Gottes. Auch wenn er seine Frömmigkeit nicht zeigte, so war sie doch über alle Nüchternheit und Redlichkeit die eigentliche Mitte seines Lebens.“

Zum Schluss dankte Papst em. Benedikt XVI., dass er in den letzten Tagen des Lebens seines Bruders noch bei ihm sein durfte.  „(I)ch spürte, dass es die Stunde war, um noch einmal zu ihm zu fahren. Um dieses innere Zeichen, das der Herr mir geschenkt hat, bin ich zutiefst dankbar. Als ich am Montag, den 22. Juni, morgens bei ihm mich verabschiedete, wussten wir, dass es ein Abschied aus dieser Welt für immer sein würde. Aber wir wussten auch, dass der gütige Gott, der uns auf dieser Welt dieses Zusammensein geschenkt hat, auch in der anderen Welt regiert und uns dort ein neues Miteinander schenken wird.“

Foto: Papst em. Benedikt XVI. – Bildquelle: Martin Lohmann