Moderne Gotteshäuser sind wenig attraktiv

Der Dialog zwischen Kirche und Kunst steckt durch den Glaubensverfall in einer tiefen Krise.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 6. November 2021 um 17:28 Uhr
Bildquelle: Privatarchiv Oldendorf

Bad Schussenried (kathnews/FSSP). Der Eindruck drängt sich auf, dass neuere Gotteshäuser weniger anziehend auf Touristen wirken als Kirchen aus früheren Epochen. Zu dieser Schlussfolgerug gelangt Nicki Schaepen, Pfarrer und Kunsthistoriker. In einem Interview des Informationsblattes der Priesterbruderschaft St. Petrus beklagt der Pfarrer aus Bad Schussenried, einem Kurort bei Biberach in Baden Württemberg, die tiefe Krise zwischen Kirche und Kunst.

Bruch

Er nimmt zwischen der Kunst des 19. Jahrhunderts, das historische Stile wieder aufleben ließ, in der Moderne einen Bruch wahr, obwohl auch die moderne Kunst ohne die Bezüge zu alten Formen undenkbar sei. So seien im 20. Jahrhundert Kirchen gebaut worden, die romanische Formen annehmen. Es gibt Vertreter der Sakralkunst, die der Überzeugung sind, dass auch abstrakte Formen in der christlichen Kunst aufgenommen werden müssen. Doch könne eine abstrakte Form den Aspekt der Inkarnation, des Menschwerdens Christi, nicht zum Ausdruck bringen.

Kunst muss aus sich selbst wirken und einfache Gläubige ansprechen

Am deutlichsten zeige sich der Bruch in der Ikonographie von Kreuzesdarstellungen. Ein Altarkreuz etwa, wie das Germaine Richier für die Kirche in  Assy entwarf, habe die Form derart aufgelöst, dass es an einen verwesenden Körper erinnerte. Das habe Anstoß bei Gläubigen und den französischen Bischöfen geführt. „Man stritt darüber, ob diese Darstellung vor dem Hintergrund der ikonographischen Sprache angemessen sei oder diese geradezu persifliere. Auf den Hinweis, man könne doch durch Katechese und Bildung die neue Formsprache verstehen, hätten die französische Bischöfe geantwortet, „es könne nicht sein, dass ein modernes Kunstwerk so viel Wissen über die Person des Künstlers oder über kunsttheoretische Traktate erfordern. Es müsse aus sich selbst wirken und dazu fähig sein, auch den einfachen Gläubigen anzusprechen“. Folgt man den kirchlichen Dokumenten, dann könne sakrale Kunst mehre Ebenen enthalten, doch müsse auch der einfache Gläubige seine Frömmigkeit in den Darstellungen finden.

Im Dienst der Kultes und der Glaubensverkündigung

Außerdem dient die Kunst dazu, die Liturgie und die Kenntnis darüber zu vertiefen. „Sie soll die Andacht fördern durch das Eindringen in die Heilsgeheimnisse erschließen. Die christliche Kunst steht also immer im Dienst der Glaubensverkündigung und der Glaubensvertiefung. In dieser Funktion hat sie eine gewisse Konvention in der Bildsprache zu wahren, damit der Betrachter die Kunst verstehen kann“, führt Pfarrer Schaepen aus.  Sei die Kunst früher eine Form gewesen, „die den Betrachter menschlich, moralisch oder religiös aufrichtete oder in ästhetischer und intellektueller Weise herausfordern wollte“, so werde nun der Mensch stark mit seinen Abgründen konfrontiert. „In der Malerei von Ernst Ludwig Kirchner, der Brücke oder dem Blauen Reiter kann man sehen, wie psychische Traumata das Kranke und Sorgenvolle plötzlich eine immense Rolle spielen“, erklärt Pfarrer Schaepen.

Verfall des Glauben führt zur Krise in der sakralen Kunst

Am Ende stellt der Kunsthistoriker die Frage, ob es überhaupt noch eine sakrale Kunst gibt. „Kann eine Bildsprache, die dem Design, also der Formgebung  für Altagsgegenstände, entstammt und einfach so auf Kircheneinrichtungen übertragen wird, dem Anspruch der Sakralität gerecht werden? Können Darstellungen, die den Betrachter nur noch auf der Ebene der Assoziationen und des Empfindens ansprechen, inhaltlich aber nichts mehr aussagen wollen, ihren, sakralen, liturgischen oder gar katechetischen Zweck erfüllen?“ Durch den Verfall des Glaubens sei auch der Kunst die gemeinsame Sprache über den Glauben abhanden gekommen. In der Zeit der Glaubensverfalls sei es schwierig, eine gemeinsame Sprache über die sakrale Kunst zu finden. Der Dialog der Kirche mit der Kunst befinde sich in einer schweren Krise, ist der katholische Kunsthistoriker überzeugt.

Foto: Hochaltar – Bildquelle: Privatarchiv Oldendorf

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