Mit Maria auf dem Weg – Ein Kontrast oder Widerspruch zum Synodalen Weg?

Ein Kathnews-Interview von Clemens Victor Oldendorf mit Clara Steinbrecher.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 31. Mai 2021 um 13:32 Uhr

1.) Sehr geehrte Frau Clara Steinbrecher, Kathnews freut sich, Sie zu diesem Interview begrüßen zu dürfen. Vor kurzem sind Sie zur Vorsitzenden der Bewegung Maria 1.0 gewählt worden. Bitte schildern Sie umrisshaft Zielsetzung, Organisation und Struktur von Maria 1.0!

Unsere Initiative wurde von Johanna Stöhr, einer jungen Lehrerin aus Bayern, ursprünglich als Gegenbewegung zu Maria 2.0 gegründet. Schnell schlossen sich weitere junge Frauen an, denen ihr katholischer Glaube wichtig ist. Frau Stöhr hat nun, bedingt durch ihre drei kleinen Kinder, die Aufgabe der Leitung abgegeben, damit die Initiative weiterwachsen kann. Ziel ist es nun, die Initiative größer und lauter werden zu lassen und ihr Potential, auch außerhalb der katholischen Kirche gehört zu werden, zu nutzen. Dazu habe ich nach meiner Leitungsübernahme eine tragfähige und klare Struktur für Maria 1.0 erarbeitet und in diesem Zuge auch das Team erweitert.

Dadurch sind wir nun handlungsfähiger und können auf die vielen Anfragen auch professionell reagieren. Mit Maria 1.0 versuchen wir den verschiedenen Spiritualitätsformen innerhalb des so vielfältigen katholischen Spektrums eine Stimme zu geben – mögen auch die Formen und der Ausdruck des Glaubens zuweilen unterschiedlich sein, so eint uns doch die geglaubte Lehre. Diese wird heutzutage immer leiser und zurückhaltender verkündet, bekannt und verteidigt. Maria 1.0 hat es sich zur Aufgabe gemacht für die katholische Wahrheit aufzustehen und sie wieder mit lauter werdender Stimme den Leuten nahe zu bringen.

2.) Sehen Sie sich ausschließlich als Gegenentwurf zu Maria 2.0, oder werden dort auch Anliegen vertreten, die Sie und Ihre Mitstreiterinnen nachvollziehen können oder sogar teilen?

Wir von Maria 1.0 können durchaus nachvollziehen, dass Frauen sich wünschen, das Gleiche tun zu können wie Männer – allerdings nur aus einer weltlichen Perspektive heraus. Im Glauben stellen sich uns dagegen andere Fragen: Wir glauben, dass die katholische Kirche kraft des heiligen Geistes, der in ihr wohnt, nach wie vor Wahrheit verkündet, an der wir unser Leben ausrichten wollen. Tatsache ist, dass Frauen keine Priesterinnen werden können – wie bereits festgestellt wurde und auch gut begründet werden kann. Es stellt sich uns also nicht die Frage, wie es jetzt gewesen wäre, wenn Jesus Frauen statt Männer oder beide zu Priester geweiht hätte, sondern wie wir mit dieser (und allen Glaubenswahrheiten) umgehen.

Ich denke, dass viele Katholiken schon einmal mit der ein oder anderen Glaubenswahrheit gehadert haben – dann gilt es allerdings nicht einfach das Gegenteil zu fordern, sondern sich mit den Gründen auseinanderzusetzen und dafür zu beten, dass man diese versteht. Manche Glaubenswahrheiten können in ihrer Gänze aber auch nie verstanden werden. In diesem Fall gilt es diese im Vertrauen anzunehmen. Insofern können wir von Maria 1.0 durchaus manche Anliegen von Maria 2.0 nachvollziehen, allerdings ausschließlich aus einer weltlichen Sichtweise heraus.

3.) In der medialen Wahrnehmung (und Zustimmung) steht Maria 2.0 fast ganz im Zentrum und im Vordergrund. Wie gedenken Sie, dies zu ändern?

Es ist völlig klar, dass die säkularen Medien in unserem Land Maria 2.0 eine Plattform bieten und sie auf diese Weise ins Gespräch bringen: Für die Presse ist es ein gefundenes Fressen, dass sich sogenannte „treue Katholiken“ von der Kirche abwenden und wesentliche Inhalte zu überwinden suchen. Maria 2.0 leistet damit der weitverbreiteten Meinung Vorschub, dass eine Kirche in unserer Zeit keine Daseinsberechtigung jenseits einer reinen Wohlfühlatmosphäre besitzt.

Es ist unser erklärtes Ziel in allen möglichen Medienformaten präsenter zu werden. Ausgehend von den klassischen katholischen Medien, in denen wir immer öfter Gehör finden, wollen wir den Sprung auch in die säkularen Medien wagen. Wir sind fest davon überzeugt, dass es viele Menschen gibt, die mit den Grundwerten und Überzeugungen des katholischen Glaubens prinzipiell übereinstimmen, aber die Wahrheit und Schönheit der Kirche hinter der sichtbaren und unsichtbaren Fassade der Widerwärtigkeiten und Sünden nicht mehr zu entdecken vermögen. Ihnen wollen wir eine Perspektive eröffnen: Die Kirche Jesu Christi besteht aus Sündern, dies hat sich besonders deutlich in der Missbrauchskrise offenbart. Die Verfehlungen verschiedener Geistlicher sollen aber nicht die Wahrheit verdecken, von der wir in verschiedenen Formaten Zeugnis geben wollen. Dies soll zum einen online durch unsere Internetseite und sozialen Medien (Facebook, Instagram, zukünftig auch YouTube) geschehen und zum anderen analog durch unser Flyer-Apostolat, Pfarrbesuche, Exerzitien, Einkehrtage, Teamfortbildungen, Bildungs- und Vernetzungsangebote. Es ist uns ein Anliegen durch unsere Arbeit Menschen eine positive, sinnstiftende Dimension zu eröffnen. In besonderer Weise sind wir den vielen stillen Unterstützern dankbar, die mit viel Gebetseifer zum Gelingen unserer Sache beitragen.

4.) Es gibt nun bestimmte Medien, wir von Kathnews gehören irgendwie ganz sicher auch dazu, die von vornherein in einem konservativen Ruf stehen. Wo sehen Sie Möglichkeiten und Chancen, diese Lagerbildungen zu durchbrechen und zu überwinden, um (durchaus auch kontrovers) wieder miteinander ins Gespräch zu kommen, statt nur das zur Kenntnis zu nehmen, was die eigene Position bestätigt und das, was das eigene Publikum begierig hört?

Lagerbildungen durchbrechen und überwinden zu wollen, ist ein hehres Ziel, allerdings muss man dafür zuvor Folgendes feststellen: Innerhalb der katholischen Kirche gibt es durchaus Spielräume, zum Beispiel in der Form der Spiritualität, gleichzeitig hat die katholische Kirche aber mit jedem Konzil klarer gefasst, was katholisch ist und was eben nicht mehr. Insofern müssen wir leider sehen, dass Gruppierungen, die z.B. die Frauenweihe oder die Segnung homosexueller Partnerschaften fordern, eindeutig keine Lager innerhalb der katholischen Kirche sind, sondern solche, die sich selbst außerhalb positioniert haben. Um nun aber mit diesen Lagern in ein konstruktives Gespräch treten zu können, wäre es für ein echtes Gespräch notwendig, dass der gleiche Wahrheitsbegriff vorausgesetzt wird: Treffen unterschiedliche Wahrheitsvorstellungen aufeinander, so kann man zwar einen Dialog führen, man wird aber letztlich immer aneinander vorbeireden und so keinen Konsens oder ein Ziel erreichen. Um ein echtes Gespräch zu führen, muss also um die Wahrheit gerungen werden und nicht wie z.B. im Fall von Frau Prof. Rahner und Bischof Oster ein Streit beigelegt werden, der offensichtlich immer noch besteht, auch wenn beide Parteien gegenteiliges behaupten. Hier gilt es gemeinsam mit der Schrift und der Offenbarung nicht seinem eigenen Denken nachzuspüren, sondern der Wahrheit Raum zu geben, die letztlich frei macht. Ich würde Bischof Oster ermutigen, nicht um des Friedens willen auf Kosten der Wahrheit einzulenken, da der Preis dieses Friedens zu hoch erkauft wäre.

5.) Gibt es bereits Kooperationen mit anderen Initiativen katholischer Frauen und Schritte, auf diözesaner Ebene mit dem eigenen Standpunkt eine Rolle zu spielen?

Ein großer Wunsch von uns wäre, dass Maria 1.0 eine Art Sammelstelle für verschiedene katholische Initiativen und Bewegungen wird. Deshalb sind wir dabei uns mit anderen katholischen Gruppierungen zu vernetzen und wollen u.a. die Bandbreite dieser katholischen Angebote über unsere Kanäle darstellen. Dazu soll es Videoformate geben, in denen verschiedene geistliche Gemeinschaften und / oder Ordensgemeinschaften vorgestellt werden. Darüber hinaus wollen wir uns mit unseren katholischen Geschwistern aus dem deutschsprachigen Raum vernetzen. So durften wir zuletzt etliche schweizer Frauen in unseren Reihen willkommen heißen, worüber wir uns sehr freuen!

Die letzten Jahrzehnte über ist es leider immer mehr offenbar geworden, dass die diözesanen Strukturen weitgehend kaputt sind. So werden z.B. Gelder für vielversprechende katholische Projekte gar nicht oder nur mit großer Mühe bewilligt. Uns ergeht es da ähnlich, wie vielen geistlichen Gemeinschaften, die zwar mit ihrer Arbeit wesentlich katholische Inhalte verbreiten, dabei aber kaum Unterstützung von offizieller Seite erhalten. Wenn es heute zu einem geistlichen Aufbruch kommt, geschieht dies meist abseits der Bistümer und privat finanziert.

6.) Selbstverständlich ist es die Gottesmutter, die Ihre Arbeit und Ihr Selbstverständnis inspiriert. Welche anderen katholischen Frauengestalten in Gegenwart und Geschichte tun dies außerdem?

Uns inspirieren all die jungen Frauen, die sich bei Maria 1.0 engagieren. Denn man kann schon den Eindruck gewinnen, dass hierzulande mehr Mut dazu gehört, sich als fromme, papsttreue Katholikin zu outen, als in den Chor der Reformruferinnen einzustimmen.

Jeder und jede von uns hat sicher seinen oder seine ganz persönliche Frauengestalt, zu der er oder sie mit Bewunderung aufblickt und ein Vorbild im Glauben entdecken kann. Für mich persönlich ist das meine Namenspatronin, die hl. Clara von Assisi.

7.) Der regierende Heilige Vater hat das Josephsjahr ausgerufen. Welche Rolle spielt diese väterliche Gestalt für Maria 1.0, und – indem wir zum Schluss kommen – welche Anregung empfangen Sie beispielsweise von der Persönlichkeit und dem Gedankengut Johannes Pauls II., etwa aus dessen Apostolischem Schreiben Mulieris dignitatem vom 15. August 1988?

Beide Heilige, der heilige Josef und der heilige Johannes Paul II., sind absolute Vaterfiguren. Leider schenkt die katholische Kirche in Deutschland beiden nicht die gebührende Aufmerksamkeit. Im Ausland finden Sie in den Pfarrkirchen häufig Bilder von Johannes Paul II., vor denen Kerzen brennen. Und auch das Josefsjahr von Papst Franziskus fand meiner Meinung nach in Deutschland weniger Aufmerksamkeit als beispielsweise der Synodale Weg oder der Ökumenische Kirchentag. Das offenbart die nationalen Prioritäten.

Aber auch wenn die Medien hier ein anderes Wort sprechen, weiß ich, dass viele Frauen unseres Teams, aber auch viele unserer Unterstützer eine tiefe Verehrung für Johannes Paul II. hegen, gerade weil er ein Heiliger ist, der „in unserer Zeit“ gelebt hat und viele unserer heutigen Probleme bereits kannte.

Das ausgerufene Josephsjahr wiederum lenkt unseren Blick auf den Beschützer der Kirche, so dass wir Frauen von Maria 1.0 einmal mehr voll Zuversicht hoffen können, dass die Kirche nicht untergehen wird!

Aus den vielen guten Anregungen von Johannes Paul II. sticht für uns vor allem seine Wertschätzung der Frau hervor und dass er wiederholt festgestellt hat, dass die Kirche Mann und Frau in ihrer Unterschiedlichkeit ernstnimmt und insbesondere die spezifisch weiblichen Charismen hochschätzt. Die Frustration mancher Frau in reformorientierten Bewegungen würde sich nach der Lektüre von Mulieris dignitatem vermutlich schnell legen. Selten wurde etwas so Emanzipatorischeres veröffentlicht, wie in diesem Apostolischen Schreiben. Ich würde mir wünschen, dass viele Priester dieses Apostolische Schreiben in ihren Sonntagspredigten auslegen.

Liebe Frau Steinbrecher, Kathnews bedankt sich für die Einblicke, die Sie unseren Lesern gegeben haben und wünscht Ihnen und allen Frauen, die sich bei Maria 1.0 engagieren, für die in Angriff zu nehmende Aufgabe und deren Herausforderungen Gottes Segen, Mariens Schutz, Tatkraft und guten Erfolg sowie Ihnen auch persönlich alles Gute!

Foto: Clara Steinbrecher – Bildquelle: Maria 1.0 – Clara Steinbrecher

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