Mit Jesus auf dem Weg – Ermutigung zum Ordensleben

Eine Buchbesprechung von Hans Jakob BĂŒrger.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 10. Januar 2014 um 12:55 Uhr
Mit Jesus auf dem Weg

Der Titel des im Jahr 2013 beim EOS-Verlag erschienenen Buches „Mit Jesus auf dem Weg. Ermutigung zum Ordensleben“, das von dem MĂŒnsteraner Theologen Philipp Thull zusammengestellt und herausgegeben wurde, lĂ€sst den Schluss zu, es lade junge Menschen dazu ein, das Ordensleben als ein ihnen gemĂ€ĂŸes Leben in der Nachfolge Christi zu ergreifen. Der aufmerksame Leser kommt aber nicht umhin, festzustellen, dass die beschriebenen Lebenswege und ErwĂ€gungen große Fragezeichen in ihm hinterlassen können. In einem Geleitwort von Erzbischof Robert Zollitsch, der von den Orden als tragenden SĂ€ulen spirituellen Lebens in Deutschland spricht sowie davon, dass Klöster hoch im Kurs stĂŒnden und eine neue Anziehungskraft genießen wĂŒrden, verweist auf die bĂŒrokratischen Initiativen des deutschen Katholizismus, ihre BroschĂŒren und Initiativen, mit denen engagierte GlĂ€ubige und gleichzeitig auch der Kirche fernstehende Menschen angesprochen wĂŒrden. DarĂŒber wundert sich der geneigte Leser, weil er sieht, dass allĂŒberall in deutschen Landen seit Jahren Klöster geschlossen werden.

In seinem Vorwort will der Herausgeber Philipp Thull den Leser von der Bedeutung und Zeichenhaftigkeit eines Lebens im Orden ĂŒberzeugen. Allerdings bleibt er doch an der OberflĂ€che, wenn er das Ordensleben als Streben nach vollendeter Liebe bezeichnet, dabei aber Begriffe nennt, die an den Klassenkampf vergangener Zeiten oder an den Wahlkampf politischer Gruppen erinnern. SolidaritĂ€t mit den Armen, Widerstand gegen Unmenschlichkeit oder kritische Existenz deuten lĂ€ngst nicht den eigentlichen Sinn des Ordenslebens aus. Freilich gibt es auch eine große Vielfalt verschiedenster Ordensgemeinschaften. Mehr noch als in vergangenen Jahrhunderten mĂŒssen gar einzelne Konvente und Klöster innerhalb eines Ordens neu betrachtet werden durch den je eigenen Auftrag, den sie haben.

Der Herausgeber gibt 18 OrdensmĂ€nnern die Möglichkeit, sich und ihre Orden darzustellen. Er verweist darauf, dass nur die bekanntesten Orden berĂŒcksichtigt werden konnten. Offensichtlich gilt diese Kategorie auch fĂŒr einen Teil der Autoren, zum Beispiel den Jesuiten Eberhard von Gemmingen oder den Zisterzienserpater Karl Wallner. Auch die meisten anderen Ordensleute sind keine Unbekannten, wie etwa der PrĂ€monstratenserabt Hermann-Josef Kugler oder der Schweizer Kapuziner Niklaus Kuster, der gar fĂŒr die gesamten franziskanischen Gemeinschaften schreiben darf. Bei der Auswahl der Autoren fĂ€llt weiter auf, dass die Benediktiner zweimal BerĂŒcksichtigung fanden; ein Schweizer und ein Österreicher kommen zu Wort. Ein beschuhter Karmelit schreibt fĂŒr die karmelitanischen Ordenszweige, ein Dominikaner kommt ebenfalls zu Wort wie ein Augustiner. Ebenso schreiben Mitglieder einiger Missionsorden und einiger BrĂŒderorden.

Zweifellos sind alle AufsĂ€tze spannend zu lesen. Fast immer erfĂ€hrt man etwas ĂŒber den Autor selbst und sein Leben im Orden; dazu gibt es einen Blick in die Geschichte des Ordens. Alle OrdensmĂ€nner bringen damit ihr je eigenes Leben mit ein, so dass ein wenig deutlich werden kann, wie sie aus ihrer Sicht das Ordensleben interpretieren. Und hierbei ergeben sich fĂŒr den Leser Fragen, die großenteils unbeantwortet bleiben. Wenn die Barmherzigen BrĂŒder von Maria Hilf und die Alexianer heute immer mehr Kaufleute und Manager werden, um wirtschaftlich ĂŒberleben zu können, gleichzeitig aber kaum noch ein Mitbruder einem Patienten begegnet, so wird man doch sehr stutzig. GenĂŒgt es, wenn die BrĂŒder im Alltagsbetrieb zwar nicht dem BedĂŒrftigen, dafĂŒr aber den Mitarbeitern zur VerfĂŒgung stehen, um ihnen zu erklĂ€ren, warum sie barmherzig sein sollen? Gerade mit dem Blick auf die GrĂŒnderpersönlichkeiten und deren Berufungsgeschichte wird das Tun heutiger Vertreter dieser Orden fragwĂŒrdig. TatsĂ€chlich muss man fragen dĂŒrfen, wofĂŒr ihre SpiritualitĂ€t und ihr Zeugnis taugen.

Den Missionsorden, etwa den Steylern oder den Comboni-Missionaren, muss man ebenso die Frage zurufen dĂŒrfen, wozu sie noch da sind. Wenn sie ihre Berechtigung nur noch daraus ziehen, Jesus als den barmherzigen Menschen zu sehen und meinen, damit als bessere Sozialarbeiter und Weltverbesserer den entscheidenden Impetus des Evangeliums zu vertreten, greifen sie sicher zu kurz. Es genĂŒgt einfach nicht, sich als Vertreter des Engagements fĂŒr die Armen zu sehen und gleichzeitig die Weitergabe des Glaubens zu verkĂŒrzen, indem man davor warnt, nicht in religiösen Ritualen stehen zu bleiben. Dabei sind es doch gerade Rituale, Riten, die dem religiösen Menschen einen Rahmen anbieten, ihr Leben in Verbindung mit Gott gestalten zu können. Dieser Aufgabe können und dĂŒrfen sich die Missionare nicht entledigen; dazu gehören auch die Spendung der Sakramente und zwar in der Form, wie es die Kirche vorgibt und nicht, wie es manche meinen tun zu mĂŒssen. Missionare wirken nicht aus sich selbst heraus, die Kirche sendet sie vielmehr hinaus in die Welt.

Überhaupt kommt dem Rezensenten das geistliche Leben in vielen Beschreibungen der im Buch zu Wort kommenden OrdensmĂ€nner zu kurz. Dankenswerterweise gibt es aber einige Stellen, die darauf verweisen. So ist es treffend, wenn der Benediktinerpater Bruno Rieder ĂŒber die Einsamkeit in seiner Klosterzelle schreibt: „Wichtig ist nur, die Sehnsucht nach dem wahren und guten Leben wach zu halten.“ Dann verweist er auf die Regel des heiligen Benedikt, in der es heißt, der Mönch solle mit der ganzen Sehnsucht des Geistes nach dem ewigen Leben verlangen. Alles in allem handelt es sich bei diesem Buch sicher nicht grundsĂ€tzlich um eine WerbebroschĂŒre fĂŒr Klosternachwuchs. Dennoch schreibt Gott bekanntlich auch auf krummen Zeilen gerade. Und so möge das vorliegende Buch durchaus dazu beitragen, dass sich Menschen angesprochen fĂŒhlen und es wagen, an eine Klosterpforte zu klopfen, um sich nĂ€her informieren und prĂŒfen zu können.

Philipp Thull, Hrsg.
Mit Jesus auf dem Weg – Ermutigung zum Ordensleben
1. Auflage 2013, 296 Seiten
Halbleinen mit LesebÀndchen
ISBN: 978-3-8306-7604-1
19,95 EUR
EOS-Verlag

Foto: Mit Jesus auf dem Weg – Bildquelle: EOS-Verlag

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