Mit Gott auf einer Wellenlänge

Ein Gastkommentar von Jugendredakteur Joachim Fuhr.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 12. Juli 2013 um 12:28 Uhr

Wie viele Möglichkeiten gibt es doch heutzutage jemanden zu erreichen: Handy, SMS, WhatsApp, Facebook, Twitter – sehr, sehr viele. Doch wie oft warten wir auf eine Antwort unseres Kommunikationspartners, wie oft kommt aus dem Telefon nur ein monotones, regelmäßiges Tuten. Dann gibt es Gedanken und Horror-Extremszenarien, wo denn die Person, die man erreichen möchte, sein könnte. Mit Gott jedoch gibt es den Effekt nicht. Er ist für uns, die wir seine Kinder sind, immer erreichbar. Hätte Gott tausende Kontaktdaten, bestünde das Gebet 90% aus dem Suchen seiner Telefonnummer und 10% aus dem eigentlichen Gespräch. Doch zum Glück gibt es das nicht, sondern Gott hat für uns etwas viel leichteres Gefunden: das Gebet. Eine Nummer, einen Griff zum Telefon, kein Tuten. Gott wird auf die hören, die sich zu ihm Wenden. Im Katechismus steht (Youcat 469): „Das Gebet ist die Hinwendung des Herzens zu Gott“ – so viel die Theorie. Dies ist eine unglaubliche Tatsache: Ein Gedanke, den wir, wann auch immer, Gott weihen, ist eine Hinwendung des Herzens zu Gott – ist Gebet. Damals wurde im Kalten Krieg zwischen Moskau und Washington ein „heißer Draht“ eingeführt, das berühmte rote Telefon.

Der amerikanische Präsident konnte somit mit dem russischen Präsidenten telefonieren. So einfach ist es auch mit Gott: Er hat mit jedem von uns einen „heißen Draht“, wir haben ein rotes Telefon, er hat ein rotes Telefon – also Hörer abnehmen und telefonieren. Auch ist das Gebet wie zwei Walkie-Talkies. Auch sie sind miteinander verbunden, auf derselben Wellenlänge. Vielleicht kommt es uns langweilig vor zu beten: Ich spreche doch nur, warum sagt Gott denn nichts? Die Theorie ist nicht eben immer so einfach umzusetzen. Beten ist wie ein Gespräch zwischen zwei Freunden, wie ein Sohn zu seinem Vater. Schon im alten Testament gibt es diese Perspektive des Gebetes: Das Gespräch zwischen Gott und Mose am brennenden Dornbusch (Ex 3,1). Mose redet mit Gott, wie zwei Freunde miteinander. Gott spricht in der Stille zu einem, ich kann ihn nicht „zulabern“ und dann mein Gebet beenden. Klar ist auch das „Zulabern“ ein Gebet, jedoch um ihm zuzuhören, ihn zu verstehen, müssen wir zuhören. Wie Benedikt XVI. schreibt: „Die andere Fehlform des Betens, vor der uns der Herr warnt, ist das Geplapper, der Wortschwall, in dem der Geist erstickt.“ (Jesus von Nazareth – Erster Teil, Kap. 5, S.163 [Herder 2007,447 Seiten])

Doch eine Gefahr ist geboten: Das Gebet ist nicht immer so einfach. Es erfordert Glaube, Ausdauer, Vertrauen. Manchmal spüren wir Gott ist da, er hört uns wirklich; doch manchmal ist es auch trocken und wir denken: „Wo ist Gott?“ Nun, Gott ist immer da, da sind wir gewiss; doch wenn wir nichts spüren, dann stellt Gott unseren Glauben und unsere Ausdauer auf die Probe. Wenn wir jedoch dann weiterbeten, dann schenkt uns Gott auch weiterhin seine Gnaden. Auch Mutter Teresa fiel in so eine Trockenheit, doch sie blieb standhaft. Wenn es soweit kommt, dann sagen wir es ihm doch: „Herr, du weißt wie sehr es mir gerade schwerfällt mit dir zu sprechen, mit dir zu reden. Ich bitte dich Herr schenke mir deine Gnade, hilf mir dir immer Treu zu sein.“ „Deus Caritas est“, so nannte der emeritierte Papst seine erste Enzyklika und es stimmt, Gott ist bei uns, was auch immer passiert – er liebt uns. Halten wir unsere „Connections“ zu ihm aufrecht, denn durch das Gebet bekommen wir die Gnaden für unseren Alltag.

Foto: Gewölbe – Bildquelle: Andreas Gehrmann