Meisner beklagt „Katholikenphobie“

Kölner Kardinal schreibt an die Mitarbeiter seines Erzbistums.
Erstellt von Radio Vatikan am 8. Februar 2013 um 18:40 Uhr

Vatikan (kathnews/RV). „Die Häme und die Aggression, mit der Teile der Öffentlichkeit … uns begegnen, macht uns sehr betroffen“. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat an die Mitarbeiter seines Erzbistums geschrieben. In dem Brief beklagt er eine richtiggehende „Katholikenphobie“. Nach Einschätzung von Wissenschaftlern werde derzeit „keine Religion oder Konfession derart so gezielt öffentlich angegriffen wie die katholische Kirche“, schreibt Kardinal Meisner. „Umso wichtiger“ sei es, „dass wir für solche Angriffe keine Gründe liefern“. Der Brief des Kardinals trägt das Datum 5. Februar. Schon im ersten Satz spricht er von einem „Sturm, wie ich ihn in meinen Jahren als Bischof selten erlebt habe“. Dafür gebe es zwei aktuelle Anlässe: zum einen die Vorfälle in zwei katholischen Krankenhäusern, die eine vergewaltigte Frau abgewiesen hatten. „Ich habe mich bei der Frau entschuldigt“, so Meisner, „und deutlich gemacht, dass dies ein beschämender Vorgang ist, der sich nicht wiederholen darf.“

Dass er sich daraufhin „lehramtlich zu den Fragen der so genannten Pille danach geäußert“ habe, sei „keine neue Lehrmeinung“ gewesen, „sondern vielmehr die Anwendung unserer bisherigen moraltheologischen Prinzipien auf die neue Situation“. „Der zweite ‚Aufreger’“, so Kardinal Meisner, „war die Beendigung der Zusammenarbeit mit Professor Christian Pfeiffer“ für eine Studie zum kirchlichen Umgang mit Missbrauchsfällen. Die Bischöfe hielten trotz dieser Vertrauenskrise am Projekt der Forschungsstudie fest. Er bedaure, dass die Kirche in dieser Angelegenheit Vertrauen verloren habe. Aber: „Eine redliche Berichterstattung müsste in diesem Zusammenhang zumindest auch nennen, dass wir am 7. Dezember 2012 die Studie „Sexuelle Übergriffe durch katholische Geistliche in Deutschland“ … des anerkannten Psychiaters Professor Leygraf vorgestellt haben und was wir mit der Einführung von umfangreichen Präventionsmaßnahmen auch in unseren Bistümern auf den Weg gebracht haben.“

„Tapfer sein und standhalten“

Kardinal Meisner fährt fort: „Mich hat in den letzten Wochen sehr nachdenklich gemacht, dass die Bereitschaft der Kirche zur Aufklärung und zum Handeln vielfach in Abrede gestellt oder verschwiegen wurde… Die Entschiedenheit der katholischen Positionen zum Lebensschutz, zu Ehe und Familie sowie eine deutliche Repräsentanz durch Personen wie den Papst und die Bischöfe polarisieren in der Gesellschaft immer stärker.“ Meisner rät dazu, „tapfer ungerechtfertigte Vorwürfe zu ertragen“. Tapferkeit bestehe, so zitiert er den Papst, „nicht im Dreinschlagen, … sondern im Sich-schlagen-Lassen und im Standhalten gegenüber den Maßstäben der herrschenden Meinungen“. Wörtlich urteilt Kardinal Meisner: „Wir haben täglich … reichlich Gelegenheit, uns darin einzuüben. Vielleicht eröffnet uns dies eine besondere Dimension für die diesjährige österliche Bußzeit.“

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, zeigte in einer ersten Reaktion Verständnis für den Brief des Kölner Erzbischofs. „Immerhin hatte der Kardinal den Mut, in einer Druck-Situation Bewegung etwa in die Debatte über die ‚Pille danach‘ zu bringen“, sagte Glück dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Das war überraschend und verdient Anerkennung.“ Meisner hatte als Reaktion auf die Abweisung des Vergewaltigungsopfers in Kölner Krankenhäusern vor wenigen Tagen erklärt, dass eine ‚Pille danach‘ auch aus katholischer Sicht zu akzeptieren sei, wenn sie keine abtreibende Wirkung für eine bereits befruchtete Eizelle habe. Glück erklärte, in der Tat gebe es „aggressiv-antikirchliche Stimmungen“. Sie seien zum Teil Folge schlechter Erfahrungen mit der Kirche. Zum Teil seien sie aber auch Ausdruck einer Entfremdung gegenüber der Dimension des Religiösen überhaupt.

Foto: Joachim Kardinal Meisner – Bildquelle: Erzbistum Köln