Marx neuer Vorsitzender der deutschen Bischöfe

Nachfolger von Erzbischof Robert Zollitsch in Münster gewählt.
Erstellt von Katholische Nachrichten-Agentur am 12. März 2014 um 19:00 Uhr
Kardinal Reinhard Marx

Münster (kathnews/KNA). Reinhard Marx (60), Kardinal und Erzbischof von München-Freising, ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Bei der Frühjahrsvollversammlung in Münster wählten ihn die 62 katholischen Bischöfe am Mittwoch zum Nachfolger von Erzbischof Robert Zollitsch (75). Glückwünsche kamen aus der Politik, von der evangelischen Kirche und dem Zentralrat der Juden in Deutschland. Zollitsch präsentierte Marx am Morgen vor dem Münsteraner Priesterseminar der Öffentlichkeit. Der Kardinal erhielt nach den Angaben im 4. Wahlgang mehr als die Hälfte der Stimmen. Er sprach von einer „ehrlichen Wahl“, die zeige, dass es eine breite Angebotspalette gegeben habe. Die Bischöfe bestätigten zugleich den Sekretär der Bischofskonferenz, den Jesuiten Hans Langendörfer (62). Stellvertretender Vorsitzender bleibt der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle. Hier steht eine Wahl erst in drei Jahren an. Marx räumte ein, dass für ihn die neue Aufgabe angesichts seiner vielen Ämter eine weitere große Herausforderung sei. „Aber man kann ja auch Aufgaben abgeben“, so der Kardinal.

Er nannte es aber gut, dass in seiner Person der Bischofskonferenz-Vorsitz und die Mitgliedschaft im Kardinalsrat verbunden seien. Marx gehört der Gruppe von acht Kardinälen an, die den Papst bei der Leitung der Weltkirche berät. „Der Vorsitzende der Bischofskonferenz ist nicht der Papst von Deutschland“, betonte der Kardinal. Er sei der Sprecher der Konferenz und wolle in Gemeinschaft mit seinen Amtsbrüdern handeln. Die Kirche müsse für den Dialog offen sein und mit einer glaubwürdigen und authentischen Stimme sprechen. Marx dankte seinem Vorgänger Zollitsch. Den von ihm nach dem Missbrauchsskandal angestoßenen Dialogprozess wolle er fortführen. Nach den Worten des neuen Vorsitzenden hat die Kirche durch Papst Franziskus einen neuen Aufbruch erlebt. Diesen gelte es nun zu verstetigen. Wille des Papstes sei, die Kompetenzen der Bischofskonferenzen zu stärken. Über dieses Thema spreche die Kardinalsgruppe; konkrete Festlegungen gebe es aber noch nicht. Es werde aber auch zwischen Rom und der Kirche in Deutschland zu einem neuen Miteinander kommen. Marx wurde 1953 im westfälischen Geseke geboren und studierte in Paderborn, Paris, Münster und Bochum Theologie und Philosophie. 1996 wurde er Weihbischof im Erzbistum Paderborn und fünf Jahre später Bischof von Trier. 2008 wechselte er nach München. 2010 erhob ihn Papst Benedikt XVI. zum Kardinal. Er ist Sozialbischof und Präsident der EU-Bischofskommission COMECE. In Rom gehört er nicht der Kardinalsgruppe an; vergangenen Samstag übertrug ihm Franziskus die Aufgabe eines Koordinators des neuen vatikanischen Wirtschaftsrates.

Bundespräsident Joachim Gauck gratulierte Marx: „Mit Ihrer Wahl in diese verantwortungsvolle Position nehmen Sie neben an deren bedeutenden Ämtern auf europäischer und weltkirchlicher Ebene nun auch eine zentrale Aufgabe an der Spitze der katholischen Kirche in Deutschland wahr.“ Der Kardinal sei damit „ein wichtiger Brückenbauer zwischen Kirche, Staat und Gesellschaft“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wünschte Marx eine glückliche Hand und Gottes Segen für die verantwortungsvolle Aufgabe. SPD-Chef Sigmar Gabriel verwies auf das Engagement des Erzbischofs für eine Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft. Die Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter, würdigten den Kardinal als offenen Gesprächspartner, der in der gegenwärtigen Vertrauenskrise der Kirche eine treibende Kraft für Veränderungen sein könne. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, bekundete seine Hoffnung auf ein gutes Zusammenwirken. Das Reformationsjubiläum 2017 solle einen starken ökumenischen Akzent tragen. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, zeigte sich davon überzeugt, dass die jüdische Gemeinschaft in der Bischofskonferenz unter Leitung von Marx weiterhin einen verlässlichen Partner haben werde. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, bekundete die Erwartung, dass jetzt wichtige Klärungen etwa im Verhältnis zwischen Staat und Kirche offensiv angegangen werden.

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Foto: Kardinal Reinhard Marx – Bildquelle: Wolfgang Roucka