Maria – Jesu und unsere Mutter und Mutter der Kirche. Gedanken zum Fest der Mutterschaft Mariens

Ein Beitrag von Clemens Victor Oldendorf.
Erstellt von Clemens Victor Oldendorf am 11. Oktober 2019 um 14:13 Uhr
Hl. Gottesmutter Maria

Im Jahre 431 verkündete das Konzil von Ephesus Maria als Thetokos, als Gottesgebärerin. Damit haben wir die Kernaussage des geoffenbarten Glaubens der Kirche über Maria vor uns, denn alles, was wir sonst im Hinblick auf Maria glauben und ihr an Vorzügen zusprechen, leitet sich entweder von dieser präzisen Aussage über ihre Mutterschaft ab, oder es kommt ihr im Hinblick auf diese mütterliche Aufgabe und Würde zu.

Trotzdem ist zu sehen, dass es sich dabei zunächst um eine Aussage handelt, die die göttliche Natur Jesu bekräftigt, in dem der Logos eine menschliche Natur angenommen hat. Jesus heißt deswegen Christus. In der Annahme einer konkreten Menschennatur wird die Zweite Göttliche Person zum Gesalbten, zum Hohenpriester des Neuen Bundes.

Der heutige 11. Oktober ist der traditionelle Festtermin der Mutterschaft Mariens. Zur 1500-Jahr-Feier des Konzils von Ephesus hat Papst Pius XI. die Feier dieses Festes auf die Gesamtkirche ausgedehnt.

Die Oration lautet in der Übersetzung Ramm im Volksmissale folgendermaßen: „Gott, der Du wolltest, dass Dein Wort auf die Botschaft des Engels hin aus dem Schoß der seligen Jungfrau Maria Fleisch annehme, gewähre unserem flehentlichen Bitten, dass wir, die wir glauben, dass sie wahre Gottesgebärerin ist, durch ihre Fürsprache bei Dir Hilfe finden. Durch ihn, unseren Herrn.“

Im Lieblingsjünger Johannes ist Maria auch uns zur Mutter gegeben; im Geheimnis der Kirche steht Maria ebenfalls in mütterlicher Rolle. Die Kirchenväter bezeichnen sie zuweilen zusätzlich als den Hals der Kirche, durch den alle Gnaden Christi, des Hauptes, in den Leib der Kirche strömen.

1962 war der 11. Oktober der Tag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, zu dessen Abschluss Papst Paul VI. Maria feierlich als Mutter der Kirche proklamiert hat und eine entsprechende Anrufung in die Lauretanische Litanei einfügen ließ.

Seit frühester Zeit trägt der 1. Januar, der Oktavtag vom Hochfest der Geburt des Herrn, marianischen Charakter, was sich besonders im Breviergebet niedergeschlagen hat. Traditionell trug er den Namen Fest der Beschneidung des Herrn.

So sinnreich es scheint, im Anschluss an die Marienprägung des Tages den Beginn des bürgerlichen Jahres und mit ihm jedes neu beginnende Jahr in seiner Gesamtheit im Zuge der nachkonziliaren Kalenderreform als Hochfest der Gottesmutter unter Mariens besonderen Schutz gestellt zu haben und auf Anweisung von Papst Franziskus den Montag nach dem Pfingstsonntag gemäß dem neuen liturgischen Kalender im Zeichen der Mutter der Kirche zu begehen, so ist die Verlegung auf den 1. Januar (von einer eigentlichen Streichung kann deshalb ja nicht die Rede sein) dennoch ein Verlust. Dies zumal, seit der Oktober in der ganzen Kirche in spezieller Weise als Rosenkranzmonat begangen wird. Die Verlegung nach dem Konzil ist aber auch deswegen völlig unverständlich, weil Papst Johannes XXIII. ganz bewusst diesen Tag wählte, um das Zweite Vaticanum zu eröffnen und es der mütterlichen Fürsprache Mariens anzuempfehlen.

In den gegenwärtigen Herausforderungen der Kirche haben wir allen Anlass, zu Maria Zuflucht zu nehmen. Tun wir dies am heutigen Tage, indem wir uns erinnern, dass wir ihre Kinder sind und sie uns Mutter ist, und greifen wir eifrig zum Rosenkranz.

Foto: Hl. Gottesmutter Maria – Bildquelle: Kathnews