Maria 1.0 fordert Bischof Dieser zum Umdenken auf

"Gefahr der Banalisierung des Glaubens."
Erstellt von kathnews-Redaktion am 22. Juli 2021 um 18:39 Uhr

Aachen/Eichstätt (kathnews/Maria 1.0). Der Aachener Bischof Helmut Dieser hat seine Forderung nach einer Reform der katholischen Sexualmoral bekräftigt. Die katholische Initiative Maria 1.0 widerspricht Bischof Dieser deutlich und fordert ihn auf, sich von seinen Äußerungen zu distanzieren. Reform des Religionsunterrichts gefordert.
„Ich möchte aus der extremen Defensive, der Gefahr der Ghettoisierung der Kirche und des RĂĽckzugs heraus“, sagte Bischof Dieser im Interview der Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse am Sonntag in OsnabrĂĽck. „Wir mĂĽssen es schaffen, Menschen zu zeigen, dass dieser Glaube ein Plus ins Leben bringt.“ Mit Blick auf die Sexualmoral der Kirche fordert der Aachener Hirte sogar: „Wir brauchen den AnstoĂź fĂĽr eine Weiterentwicklung der Lehre.“ Kein Wort verliert Bischof Dieser ĂĽber das Naturrecht, wenn er die Haltung seiner Kirche zu homosexuellen Partnerschaften bedauert.

Bischof Dieser ist „grob fahrlässig“

Clara Steinbrecher, Sprecherin von Maria 1.0 zeigte sich entsetzt. Die 23-jährige Studentin findet derlei Gedankenspiele eines römisch-katholischen Bischofs „grob fahrlässig“. Die Bischöfe seien Hüter der Liturgie und des Lehramtes, so Steinbrecher. „Wenn Bischof Dieser in seinem Bistum oder darüber hinaus die Beobachtung gemacht hat, dass die Sexualmoral nicht verstanden oder akzeptiert wird, müsste er an der Katechese etwas ändern“, so Steinbrecher. Die Maria 1.0-Sprecherin bemüht einen Vergleich: „Kein Vater und keine Mutter würden Verbote aufheben, wenn sich das Kind nicht daranhält. Wenn ich meinem Kind verbiete, Cannabis zu konsumieren und es tut es dennoch, erlaube ich es doch nicht einfach. Immerhin war mit dem Verbot keine kaltherzige Sanktion, sondern das Kindeswohl verbunden“, erläutert Steinbrecher. So sei es auch mit der Sexualmoral. Diese richte sich an der Würde des Menschen aus und sei zu seinem Wohl.

Glaube wird durch Bischof Dieser „banalisiert und verrmscht“

Die Frauen der Initiative Maria 1.0 sind der Auffassung, dass der Glaube banalisiert und verramscht wird, wenn alle Positionen aufgeweicht werden, die in einer hedonistischen, postchristlichen Gesellschaft Anstoß erregen. „Wir sind größtenteils junge Frauen zwischen 20 und 40 Jahren und leben ja auch nicht frömmelnd hinter hohen Mauern, sondern mitten in der Welt“, erzählt die Eichstätterin Steinbrecher – „natürlich wissen wir, dass die katholische Sexualmoral selbst unter Katholiken kaum akzeptiert wird“. Doch das mache die Sexualmoral ja nicht zu einer falschen Moral.

Theologie des Leibes

Maria 1.0 fordert daher die Stärkung des katholischen Religionsunterrichts, etwa mit der „Theologie des Leibes“ vom heiligen Johannes Paul II., als Pflichtstoff ab Klasse 9 und Millioneninvestitionen der Bistümer in die Sakramentenkatechese. „Die Kirche muss die besten und charismatischsten Katecheten auf die Gläubigen loslassen, die den Glaubensschatz begeistert und begeisternd vermitteln“, so die Frauen.
„Bischof Dieser möchte, dass der Glaube den Menschen ein Plus im Leben bringt. Dann sollte er sich mal fragen, weshalb es ihm als Priester und Bischof offenbar didaktisch misslingt, die katholische Sexualmoral, etwa in der Theologie des Leibes, als Plus im Leben seiner Pfarrkinder zu vermitteln. Echte Liebe mit Leib und Seele ist Erfüllung. Und Erfüllung ist ungleich mehr als Befriedigung“, konstatiert Steinbrecher.

Foto: Aachener Bischof Dr. Helmut Dieser – Bildquelle: Domsteinchen, Wikimedia Commons, used under CC BY-SA 4.0 / Desaturated from original

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